Medienhaus Lensing
25.04.2012 19:59 Uhr
Schriftgröße: A A A

Premiere im Cineplex: Mihail Pandourskys Spielfilm-Traum ist Wirklichkeit

MÜNSTER. Ambitionierte Projekte können an dummen Zufällen scheitern: 2009 hatte Mihail Pandoursky seinen Film „Incognita“ soweit vorbereitet, dass er nur noch den Dreh im St. Petersburger Mariinsky-Theater abwickeln musste. Alles scheiterte am TÜV, der den Bühnen-Vorhang prüfen sollte und dafür zu lange brauchte.Von Marit Stöckelmann

«
1/1
»

Mihail Pandoursky neben dem Filmplakat. (Foto: Marit Stöckelmann)

Der Dreh verzögerte sich um Wochen, Pandourskys Schauspieler gerieten unter Termindruck, er blies die Sache ab. 20 Jahre nach der ersten Idee und zehn Jahre nach der Entwicklung des Drehbuchs stand der in Münster lebende Regisseur wieder am Anfang. „Ich suchte neue Schauspieler, musste alles neu schreiben, denn ich gestalte meine Geschichten nach meinem Ensemble“, sagt Pandoursky. Nun ist ihm doch noch die Vollendung gelungen: Am 9. Mai feiert „Incognita“ in Münsters Cineplex in Anwesenheit der Hauptdarsteller seine Weltpremiere.

Die Geschichte von „Incognita“ bezieht sich auf die Novelle „Die Barriere“ des bulgarischen Science-Fiction-Autors Pavel Weshinow. In den 70er-Jahren entwickelte Pandourskys Frau Donvena eine Ballett-Version des Stoffs für das bulgarische Staatstheater, die den Autor zu Tränen rührte. Von da an wusste der Regisseur, wie er seinen Film aufbauen musste: Der Tanz fand seinen Weg in die Produktion. Und noch eine Veränderung zur Literaturvorlage brachte er ein: „In der Geschichte überwindet die Hauptfigur ihre Barrieren nicht, im Film gelingt es ihr.“

Endzeit-Mystery-Thriller

„Incognita“ ist ein Endzeit-Mystery-Thriller, der zwischen Traum und Wirklichkeit changiert: Der unzufriedene Dirigent Anton Horn (Georgi Staykov, bekannt aus den Stig-Larsson-Verfilmungen) trifft während seiner Arbeit an einer Prometheus-Aufführung auf eine verstörte Frau (Iva Gocheff), die aus einer Nervenklinik geflohen ist. Oder ist sie nur eine Projektion von Horns Wünschen und Ängsten? Pandoursky lässt manche Fragen offen: „Mir ist wichtig, dass die Zuschauer fühlen, was während des Films mit ihnen passiert“, betont er. Die Wirkung der Bilder, vor allem der Tanz in der rauen bulgarischen Naturkulisse, steht über inhaltlichen Zusammenhängen.

Die von Donvena Pandoursky choreografierten Tanzelemente erwachsen aus der Schauspielerei – das aus Bulgarien stammende Paar legt Wert darauf, dass der Tanz mit dem Medium Film organisch verbunden ist. Das Hauptthema von „Incognita“ ist jedoch die Musik: Mit dem Ensemble des Mariinsky-Theaters unter Dirigent Valery Gergiev hat Pandoursky eines der anspruchsvollsten Sinfonie-Orchester der Welt verpflichtet.

Orchester macht Geräusche

Das spielte nicht nur die Komposition des bulgarischen Rockmusikers Konstantin Tsekov, sondern entwickelte auch die Hintergrundgeräusche. Deren Präsenz, der Chor sowie der Gesang der Solisten prägen den Film, die Sprache als erzählerisches Mittel tritt zurück.

Pandoursky weiß, dass es diese Art des Autorenfilms schwer hat, Unterstützung zu finden. Nachdem ihn deutsche Ansprechpartner abblitzen ließen, lobt er die russische Filmförderung: „Die sind offener, gegenüber den Künst-lern zeigen sie mehr Respekt.“ Schließlich mache er kein Popcorn-Kino, sondern sehe sich in der Tradition der Nouvelle Vague. 

„Incognita“ hat am 9. Mai (Mittwoch, 19 Uhr) im Cineplex in Anwesenheit von Regisseur, Darstellern und Filmkomponist seine Welturaufführung. Am 10. Mai (Donnerstag) präsentiert das Ensemble den Film zudem im Schlosstheater, wo er auch im Tages-Programm laufen wird (Uhrzeit wird noch bekannt gegeben).
Meistgelesen | Kultur

Schauspiel Bochum

1

Kurze Interviews mit fiesen Männern

<p>In einem originellen Bühnenbild geben die Männer Interviews. <p></p> Küster</p>

BOCHUM Monologe ansprechend auf die Bühne zu stellen, ist keine leichte Übung. Monika Gies ist es in ihrer ersten Regie-Arbeit am Schauspielhaus Bochum gelungen. Die "Kurzen Interviews mit fiesen Männern" von David Foster Wallace geraten im kleinen Theater Unten zu intimen Bekenntnissen, denen der Zuschauer atemlos folgt. mehr...

Buchprojekt

2

Paare aus unterschiedlichen Kulturkreisen gesucht

Katharina Klapdor sucht Paare aus verschiedenen Kulturkreisen für ein Buchprojekt.

MÜNSTER Andere Länder, andere Sitten: In einigen Kulturkreisen dürfen Paare auf der Straße nicht Händchenhalten. In anderen wird einer Frau zum ersten Date eine Anstandsdame an die Seite gestellt. Wieder woanders sind homosexuelle Beziehungen noch strengstens verboten. mehr...

Saison 2013/14

3

Das ist der neue Spielplan im Theater Dortmund

Jens-Daniel Herzogs Inszenierung von Verdis "Don Carlos", die im Februar in Mannheim Premiere gefeiert hat, ist mit prächtigen, historischen Kostümen als Spielzeiteröffnung in der Oper Dortmund zu sehen.

DORTMUND. Acht Premieren in der Oper, zwei im Ballett, viele Entdeckungen im Schauspiel, Theater für alle Generationen im Kinder- und Jugendtheater und ein tolles Konzertprogramm des neuen Generalmusikdirektors Gabriel Feltz: Der neue Spielplan des Theaters Dortmund macht Lust auf die neue Saison. Das sind alle Produktionen: mehr...

Ruhrfestspiele

4

"Mutter Kramers Fahrt zur Gnade" uraufgeführt

Anke Zillich (Anita Kramer) und Bettina Engelhardt (Elena) sind großartig besetzt in »Mutter Kramers Fahrt zur Gnade«.

RECKLINGHAUSEN Heike M. Götzes Adaption für das Bochumer Schauspiel war am Mittwoch als Koproduktion mit den Ruhrfestspielen zu sehen. Das Stück steht in geistiger Linie zum Stummfilm „Mutter Krausens Fahrt ins Glück“ (1929) und zu Fassbinders „Mutter Küsters Fahrt zum Himmel“ (1975): Vom Elends-Drama des „Proletarierfilms“ ist nicht viel geblieben, umso mehr von Fassbinders Thema, dass in einer kalten, egoistischen Welt die Gutherzigen ein hartes Brot essen. mehr...

Kriegsstück

5

Borchert-Theater probt für Ruhrfestspiele

Beim »Jugendtag 1913« entladen sich die unterschiedlichen politischen Ansichten der jungen Leute in wüsten Fesselaktionen (v.l.): Mara S. P. Stroot, Sven Heiß, Florian Bender und Emanuel Fleischhacker bei der Probe im Garten-Center.

MÜNSTER Der Erste Weltkrieg bricht in einem Gewächshaus in Münsters Loddenheide aus. Dort proben Borchert-Intendant Meinhard Zanger und seine Schauspieler für ihren großen Auftritt bei den Recklinghäuser Ruhrfestspielen: Oliver Bukowskis Tragikomödie „Wer ist die Waffe, wo ist der Feind“ wird am Donnerstag (23. Mai) in der Halle König Ludwig 1/2 uraufgeführt. mehr...

Sehenswert

Theater in der Region

Welche Inszenierung Sie unbedingt gesehen haben müssen, auf einen Blick. mehr...

Rundgang

Ausstellungen in der Region

Von Malerei bis Fotografie: Ein Rundgang durch diese Ausstellungen lohnt sich. mehr...

Hörenswert
Konzert

Konzerte in der Region

Egal ob Operette, Oper oder Philharmonie: Welche Konzerte sich wirklich lohnen. mehr...

Unesco
Die Fahnen der Mitgliedsländer am Unesco-Hauptquartier in Paris. Dort tagt die 36. Generalversammlung der UN-Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur. Foto: Lucas Dolega

Wird das Ruhrgebiet Weltkulturerbe?

Das Revier macht sich auf in Richtung Weltkulturerbe. mehr...

Überblick
Der Intendant der Ruhrtriennale, Heiner Goebbels. Foto: Caroline Seidel

Ruhrtriennale 2013

Auf der Bühne, in Konzerten und Lesungen: Das ist bei der Ruhrtriennale los. mehr...

Wahrzeichen
Dortmunder "U"

Das Dortmunder U

Von der Brauerei zum Kulturzentrum. Das ist jetzt im Dortmunder U los. mehr...

Neuer Lesestoff
Beim Bücher-Schnäppchenmarkt lassen sich bestimmt ein paar "Glücksgriffe" finden.

Bücher

Einschlafhilfe oder lesenswert? Diese Schmöker sind druckfrisch im Regal. mehr...

Kontakt | Impressum | AGB | Nutzungsbasierte Onlinewerbung | Datenschutz

Weitere Angebote aus dem Medienhaus Lensing:
RuhrNachrichten.de | MuensterscheZeitung.de | DorstenerZeitung.de | GrevenerZeitung.de | EmsdettenerVolkszeitung.de | MünsterlandZeitung.de
Heja-BVB.de | Nahraum.de