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Medienhaus Lensing
07.03.2010 11:25 Uhr
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"Das schönste Museum der Welt": Der verlorene Schatz im Museum Folkwang

ESSEN Der amerikanische Kunsthistoriker Paul J. Sachs, Mitbegründer des Museum of Modern Art in New York, besuchte das Museum Folkwang im Jahr 1932. Er nannte es "Das schönste Museum der Welt" - nicht ahnend, dass die Nazis nur fünf Jahre später all den Glanz zerstören, die kostbaren Bilder in alle Welt verramschen würden.Von Bettina Jäger

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Uwe M. Schneede (Foto: Jäger)

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Es ist wohl das ambitionierteste Ausstellungsprojekt des Kulturhauptstadt-Jahres. Das Museum Folkwang in Essen, gerade in den Neubau von David Chipperfield eingezogen, holt die damals verkauften Kunstwerke als Leihgaben zurück. "Das schönste Museum der Welt. Museum Folkwang bis 1933" heißt die Ausstellung. Sie lässt uns einen Schatz wiedersehen, der für immer verloren schien und nun doch für vier Monate erneut zusammenfinden wird.

Doch wie reagierten die Museen in aller Welt auf das Ansinnen, so kostbare Bilder auszuleihen? Gab es nicht die Befürchtung, Deutschland würde die Bilder einfach behalten wollen (wofür es übrigens keinerlei gesetzliche Grundlage gibt)?

Zerstörungswerk der Nazis

"Wir waren selbst ganz unsicher", antwortet Gastkurator Uwe M. Schneede. Der ehemalige Direktor der Hamburger Kunsthalle arbeitet seit drei Jahren im Auftrag des Museumsdirektors Hartwig Fischer an der außergewöhnlichen Schau. Schneede: "Die Experten haben schnell verstanden, dass wir das Zerstörungswerk der Nazis dokumentieren wollten." Gleichzeitig tat das Museum Folkwang in den schriftlichen Vereinbarungen alles, um etwaige Bedenken zu zerstreuen.

1450 Werke konfisziert

1450 Werke hatten die Nazis als angeblich "entartete Kunst" konfisziert. Was ein Kirchner schon damals wert war, habe man sehr genau gewusst, erzählt Schneede. Andererseits erreichten viele Werke bei einer Versteigerung in Luzern 1939 noch nicht einmal das Mindestgebot, sie wurden später weit unter ihrem Marktwert verscherbelt.

Zu den Rettern dieser Gemälde gehörten die Eheleute Fohn, die in Rom lebten und eigentlich die deutschen Romantiker liebten. Sie tauschten ihre Bilder ein, um die Folkwang-Werke für die Nachwelt zu bewahren.

Bilder aus aller Welt

Insgesamt 30 Gemälde werden nun aus aller Welt nach Essen geschickt. Das Guggenheim-Museum New York entsendet Kandinskys "Improvisation 28", das Philadelphia Museum of Modern Art lässt "Purim" von Marc Chagall reisen, die prachtvollen "Weidenden Pferde IV" von Franz Marc (1911) aus dem Harvard Art Museum sind bereits eingetroffen. 30 weitere Gemälde aus dem Ursprungsbestand - etwa von Van Gogh, Gauguin oder Cézanne - blieben dem Museum erhalten oder konnten zurückgekauft werden.

Die Bilder werden nun 300 Objekten außereuropäischer Kunst begegnen, die Folkwang-Gründer Karl Ernst Osthaus einst sammelte - und sehr vielen Kunstfreunden. Denn ab 20. März öffnet das Museum Folkwang auch seinen renovierten Altbau neu und wird damit wieder komplett zu besichtigen sein.

Museum Folkwang Essen,Museumsplatz 1: „Das schönste Museum der Welt“, 20.3.-25.7., Di-So 10-20 Uhr, freitags -24 Uhr.



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