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Medienhaus Lensing
14.03.2010 15:13 Uhr
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Fazil Says erste Sinfonie: Klangreise durch Istanbul

DORTMUND 700 Tage hat Fazil Say an seiner Istanbul-Sinfonie komponiert. An sieben Sätzen, die eine Reise durch die Stadt der sieben Hügel sind. Am Samstagabend wurde das Werk im Dortmunder Konzerthaus als Kulturhauptstadt-Projekt uraufgeführt – live übertragen auf WDR 3.Von Julia Gaß

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Applaus von Fazil Say nach der Uraufführung fürs Sinfonieorchester Köln. (Foto: Wohlrab)

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„Es ist der wichtigste Tag meines Lebens“ hatte der Komponist und Pianist vorher gesagt. Es war ein wichtiger Tag für die Musikgeschichte. Die erste, 45-minütige Sinfonie von Fazil Say ist großartige Musik, die hoffentlich oft auf Konzertprogrammen steht. Sie klingt nach Brahms, Mahler und Rachmaninow und hat viel orientalisches Parfüm. Geschlossen stand das Publikum nach dem letzten Ton des WDR Sinfonieorchesters unter Howard Griffiths auf und feierte den Komponisten.

Ein klingender Reiseführer ist Says Sinfonie. Wäre sie durchkomponiert, könnte man sie Sinfonische Dichtung nennen, so illustrativ ist die Musik. Mit Meeres- und Windrauschen einer mit Sand gefüllten Trommel beginnt die Reise melancholisch, wie Filmmusik, und führt ins Jahr 1453, zur Eroberung Konstantinopels. Rhythmus hämmerte die Riesenbesetzung mit 90 Musikern im zweiten Satz „Der Orden“ in den Saal und ließ Derwische tanzen.

Türkische Instrumente

Geteilt wie die Stadt am Bosporus und Fazil Say als Wanderer zwischen den Kulturen ist die Musik. Im dritten Satz, beim Besuch der Blauen Moschee, klingt sie am orientalischsten. Die türkische Ney-Flöte, das Cymbal-ähnliche Kanun und Trommeln geben dem Gebet türkisches Kolorit.

Brahms lugt auf der Schifffahrt aus dem vierten Satz, an den „Amerikaner in Paris“ erinnert der Satz am Bahnhof Haydar Pasha. Etwas kurz geraten ist die „Orientalische Nacht“, die zurückführt ans Marmara-Meer, in die Melancholie. Eine spannende, hochromantische Reise durch Jahrhunderte, Kulturen, Stile und Istanbul hat Say komponiert. Ein Geschenk an die Auftraggeber Konzerthaus und WDR und das Publikum.

Als Pianist verabschiedete sich Say mit Gershwin als Exklusivkünstler. Eine Big-Band ist das Sinfonieorchester nicht, Say war der einzige, der jazzig musizierte. In den „I got rhythm“-Variationen kuschelte er sich noch sehr in den Orchesterklang, in der „Rhapsody in Blue“ zeigte er dem Orchester dann, wie Gershwin klingen kann.

„Ich komme wieder“

Die „Carte blanche“, die Intendant Benedikt Stampa Fazil Say für das Festival gegeben hat, hat er mit vielen Trümpfen ausgespielt. Es waren spannende vier Abende, die die Uraufführung des ersten großen sinfonischen Werks im Konzerthaus gekrönt haben. Und es war Says 21. und letztes Konzert als Exklusivkünstler. „Ich werde jedes Jahr hier Konzerte geben. Das Konzerthaus Dortmund ist einer der wichtigsten Kulturorte Europas“, versprach der 40-Jährige am Freitag. 


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