Arbeitsmarkt: Gegen den Bundestrend: Mehr Arbeitslose in Nordrhein-Westfalen

Nürnberg/Düsseldorf Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland sinkt. In Nordrhein- Westfalen waren im April trotzdem mehr Menschen ohne Job als im März. Besonders Frauen und Ältere haben es bei der Arbeitssuche schwer.

  • ARCHIV - Die Zahl der Arbeitslosen in NRW ist im April gestiegen.

    ARCHIV - Die Zahl der Arbeitslosen in NRW ist im April gestiegen. dpa

Entgegen dem bundesweiten Trend ist die Zahl der Arbeitslosen in Nordrhein-Westfalen im April um knapp 3400 gestiegen. Insgesamt waren gut 744 000 Menschen arbeitslos gemeldet und damit 0,5 Prozent mehr als März, wie die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit (BA) am Mittwoch in Düsseldorf mitteilte. Damit stieg die Arbeitslosenquote von 8,2 auf 8,3 Prozent und lag über dem bundesweiten Schnitt von 7 Prozent. Deutschlandweit war die Zahl der Menschen ohne einen Job unter die Marke von drei Millionen gesunken.

Besonders unter Frauen und Menschen über 55 Jahren zählte die Behörde in Nordrhein-Westfalen mehr Arbeitslose. Ein Grund hierfür sei die Insolvenz der Drogeriemarkt-Kette Schlecker gewesen, hieß es. Rund 2500 gekündigte Schlecker-Mitarbeiter hatten sich vergangenen Monat bei den Arbeitsagenturen in NRW gemeldet und sich dort nach Jobs erkundigt.

Weniger Erwerbslose in Fortbildungs- und Existenzgründungsprogrammen

Nach Angaben der Regionaldirektion ist die Erwerbslosenzahl vor allem gestiegen, weil weniger Menschen in arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen wie Ein-Euro-Jobs oder Trainingsprogrammen seien. Auch der Zuschuss für Existenzgründer werde seltener gewährt, sagte der Sprecher der Regionaldirektion, Werner Marquis. Für Menschen, die sich aus der Arbeitslosigkeit heraus selbstständig machen wollen, sei es nun schwieriger, das staatliche Fördergeld zu beantragen.

Der Anstieg der Arbeitslosenzahlen ist nach Angaben der Arbeitsagentur für einen April ungewöhnlich. Normalerweise lässt die Frühjahrsbelebung die Erwerbslosenzahlen sinken. Eine ähnliche Entwicklung habe es zuletzt in der Finanzkrise 2009 gegeben. „Die Nachfrage nach Arbeitskräften steigt nicht mehr so eklatant wie in den letzten Monaten des vergangenen Jahres“, sagte Marquis. „Da scheint der Zenit der Nachfrage erreicht.“

Auch bundesweit nur ein schwacher Aufschwung

Die schwächelnde Konjunktur hat dem jahrelang boomenden Arbeitsmarkt auch auf Bundesebene zum Frühjahrsbeginn einen Dämpfer versetzt und die Zahl der Jobsucher im April ungewöhnlich schwach sinken lassen. Nach Angaben der BA waren 2 963 000 Männer und Frauen als arbeitslos registriert. Die Zahl der Erwerbslosen rutschte damit erstmals seit Dezember wieder unter die Drei-Millionen-Marke - und zugleich auf den tiefsten April-Stand seit 20 Jahren.

    


BA-Chef Weise sieht dennoch weiterhin eine „positive Grundtendenz“ auf dem Arbeitsmarkt. Für den schwachen April-Rückgang machte er unter anderem die Einschnitte bei der aktiven Arbeitsmarktpolitik verantwortlich. Auch bremsten die Osterferien, in die in diesem Jahr der Stichtag fiel, die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen. „Es kann allerdings auch sein, dass sich auch das schwache Wachstum im vierten Quartal 2011 auf den Arbeitsmarkt auswirkt“, räumte Weise ein. Der frostige Februar habe zudem die Baubranche getroffen.

Bestätigt in seiner positiven Grundhaltung sieht sich Weise weiterhin durch das große Angebot an freien Stellen. Unternehmen haben danach der Bundesagentur im April bundesweit 499 000 unbesetzte Arbeitsplätze gemeldet; dies sind 38 000 mehr als vor einem Jahr. Gesucht werden vor allem Mechatroniker, Elektriker und Metall- Facharbeiter. In der Grundtendenz zeichnet sich allerdings ein Ende des Stellen-Booms ab, wie der jüngste Stellenindex der BA deutlich machte.

Autor
dpa
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    2. Mai 2012, 14:23 Uhr
    Aktualisiert:
    2. Mai 2012, 15:49 Uhr
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