Medienhaus Lensing
02.08.2009 18:49 Uhr
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Scheinegrippe: Warnung vor Nebenwirkungen der Impfung

HAMBURG Während die Produktion des Impfstoffes gegen die Schweingerippe A/H1N1 bereits läuft, warnen einige Arzneiexperten vor möglichen Nebenwirkungen. „Was wir hier erleben, ist ein Großversuch an der deutschen Bevölkerung“, sagte der Herausgeber des „arznei- telegramms“, Wolfgang Becker-Brüser.dpa

Medienberichten zufolge würden für den neuen Impfstoff neuartige Herstellungsverfahren und neue, den Wirkstoff verstärkende Zusatzstoffe eingesetzt. Die bisherigen Sicherheitstests der Musterimpfstoffe seien nur darauf ausgelegt, Nebenwirkungen zu erkennen, die in mehr als einem Prozent der Fälle auftreten, ergänzte der "Spiegel".

Dies bedeute bei 25 Millionen geimpften Deutschen „theoretisch“, dass fast 250.000 Menschen eine „schlimme Impfreaktion“ erleiden könnten, ohne dass diese in den vorherigen Tests aufgefallen wären.

Krankheit verläuft bisher harmlos

Das Zulassungsverfahren orientiere sich bisher an der Annahme, dass man eine sehr gefährliche Pandemie zu befürchten und daher nur wenig Zeit habe, sagte der Virologe Alexander Kekulé von der Universität Halle-Wittenberg. Angesichts der Erfahrung, dass die Krankheit aber meist harmlos verlaufe, müsse man „schon diskutieren, ob man bei der Zulassung nun nicht noch ein paar zusätzliche Sicherheitsebenen einzieht“.

Eine flächendeckende Impfung gegen die Schweinegrippe wird nach Ansicht von Prof. Tino Schwarz, Facharzt für Medizinische Mikrobiologe und Infektionsepidemiologie am Juliusspital in Würzburg, frühestens Mitte November starten können. Schwarz wird vom 7. August an den Grippeimpfstoff an der Klinik in vier Studien testen. Etwa zwei Monate später werde es erste Untersuchungsergebnisse geben.

Studien in 15 Zentren

Die Studien laufen parallel in etwa 15 Zentren in Europa an, darunter in Hamburg, Rostock, München und Mainz. Daran sollen insgesamt gut 2000 Menschen im Alter zwischen 6 Monaten und 99 Jahren teilnehmen. Im Anschluss daran müsse der Impfstoff von der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMEA) zugelassen werden, sagte Schwarz.

Unterdessen hat das Friedrich-Loeffler-Institut für Tiergesundheit auf der Ostseeinsel Riems Landwirte zu erhöhter Hygiene in der Schweinehaltung aufgerufen. Es wachse die Gefahr, dass sich das Virus bei den Tieren vermehren und sich mit anderen Influenza-Viren mischen könne, berichtete der Sender NDR 1 Radio MV am Samstag. Dabei könne eine aggressivere Virus-Variante entstehen. Weil die Krankheit bei Schweinen milde verlaufe, könne sie übersehen werden, sagte eine Institutssprecherin.

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