RECKLINGHAUSEN Neue Beweise im Mordfall des Dattelner Geschäftsmanns Kandaouroff, aber keine heiße Spur: Polizei und Staatsanwaltschaft präsentierten am Donnerstag in Recklinghausen unter anderem eine Sturmmaske mit DNA-Spuren, die einer der beiden Täter getragen haben soll. Identisches DNA-Material wurde am 7. Januar 2006 nach einem brutalen Raubüberfall in Bochum sichergestellt.Von Christoph Klemp
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Klaus Kandaouroff wurde am Samstag, 29. Mai, vor seiner Villa in Datteln erschossen. (Foto: Wolfgang Sadowski)
Der 80-jährige Geschäftsmann Klaus Kandaouroff wurde am Abend des 29. Mai 2010 vor seiner Villa in Datteln erschossen, kurz nachdem er die Haustür aufgeschlossen hatte. "Seine Ehefrau wurde durch den Schuss aufgeschreckt und fand ihren Mann leblos in der Diele liegend", sagte am Donnerstagmorgen Staatsanwalt Dieter Justinsky. Der Täter schoss Kandaouroff in den Kopf. Er war sofort tot. Im Fernsehen sei gerade der Finalauftritt von Lena Meyer-Landrut beim Eurovision-Song-Contest anmoderiert worden, so Justinsky. Daher wisse man, dass der tödliche Schuss gegen 22.30 Uhr gefallen sein muss.
Fotostrecke Der Mordfall Kandaouroff
Videoaufnahmen der Überwachungskameras auf dem Grundstück des getöteten Geschäftsmannes zeigen zwei Männer, die sich bereits 25 Minuten vor der Tat im Eingangsbereich der reet-gedeckten Villa postieren. In einer kurzen Sequenz des Films, den Staatsanwaltschaft und Mordkommission am Donnerstagmorgen in Recklinghausen vorführten, sieht man die Unbekannten ums Haus schleichen. Sie werfen große Schatten auf das Gebäude. Niemand habe etwas bemerkt, teilten die Ermittler mit.
Sturmhaube gefunden
Doch Staatsanwaltschaft und Mordkommission präsentierten mehrere Indizien, die auf die Mörder des Hoteliers hinweisen könnten. Eine Untersuchung der am Tatort vorgefundenen Projektilteile ergab, dass es sich um ein zerlegtes Teilmantelgeschoss des Kalibers 357 Magnum oder 38 Spezial handelt. Als Tatwaffe kommt nach Auskunft der Ermittler ein Revolver der Marke Smith & Wesson bzw. Taurus und Sturm-Ruger in Betracht.
Am Montag, 31. Mai, fand ein Zeuge nur etwa hundert Meter vom Tatort entfernt eine Sturmhaube mit Sehschlitzen. Durch kriminaltechnische Untersuchungen konnten DNA-Spuren des getöteten Klaus Kandaouroff sowie DNA-Material einer zweiten, zurzeit noch nicht identifizierten Person festgestellt werden.
Alles deute auf einen versuchten Raubmord hin, ermittelt werde aber weiter "in alle Richtungen", erklärte Achim Finkeldey, Leiter der sechzehnköpfigen Mordkommission.
Spur führt nach Bochum
Identisches DNA-Material wie auf der Maske wurde am Samstag, 7. Januar 2006, nach einem nächtlichen Raubüberfall in Bochum sichergestellt. Das ergab ein Abgleich der DNA-Spuren in der Datenbank des Bundeskriminalamtes. Damals gelangten zwei Täter in ein Einfamilienhaus einer alleinstehenden Seniorin. Die 71-jährige Frau war in der Nacht durch Geräusche in ihrer Wohnung geweckt worden. Als die Rentnerin nachschauen wollte, drängte einer der Männer sie brutal ins Schlafzimmer zurück, warf sie auf das Bett und fesselte sie.
Die Täter schlugen mehrfach mit einem unbekanten Gegenstand auf den Hinterkopf der Frau ein. Sie sagte ihnen schließlich, wo sie Schmuck und Bargeld im Haus aufbewahrte. Die Beute hatte damals einen Wert von mehr als 100.000 Euro. Die Seniorin konnte sich schließlich selbst befreien und einen Nachbarn verständigen. Die Verletzungen am Kopf mussten im Krankenhaus behandelt werden.
Die Bochumerin beschrieb die Täter damals wie folgt: männlich, ca. 170-180 cm groß, schwarz gekleidet, schwarze Maske, Handschuhe. Einer der Täter habe Deutsch mit russischem Akzent gesprochen.
Hunde führten Ermittler bis Dortmund
Nach Bochum wurden die Ermittler im Mordfall Kandaouroff jetzt auch durch speziell ausgebildete Spürhunde ("Man-Trailer") geführt. "Wir haben am Tatort in Datteln einen Gegenstand gefunden, von dem wir sicher sind, dass einer der Täter ihn berührt hat", sagte Achim Finkeldey. Die Man-Trailer führten die Ermittler zunächst an den Fundort der Maske - dann über Olfen, Lüdinghausen und Dülmen bis zur A 43. Von dort führte die Spur weiter bis Bochum "ganz in die Nähe des Tatortes, an dem die alte Dame überfallen wurde", schilderte Finkeldey. Anschließend führt die Spur weiter bis nach Dortmund. Wo genau sie sich verliert, dazu wollten die Ermittler keine Angaben machen. Möglicherweise hätten die Täter aber ihren Lebensmittelpunkt in Dortmund und Bochum.
Die Familie von Klaus Kandaouroff hat nun eine Belohnung in Höhe von 100 000 Euro für Hinweise ausgesetzt, die zur Ergreifung oder Ermittlung des Täters führen. Kandaouroff gehörten ein Eier-, Wild- und Geflügelgroßhandel in Datteln sowie mehrere Gaststätten. Das Hotel Seehof in Haltern kaufte er 1997 und baute ihn zu einem Komfort-Hotel mit 116 Zimmern aus. Dieses Hotel leitete er mit einer Tochter, bis zuletzt war er täglich dort anzutreffen. "Klaus Kandaouroff war ein honoriger Geschäftsmann, der allerseits wegen seiner Seriosität geschätzt wurde", sagte Staatsanwalt Dieter Justinsky. Es gebe keinerlei Hinweise auf finanzielle Schwierigkeiten oder geschäftliche Hintergründe der Tat.
Die Polizei fragt jetzt:
- Wer kann Angaben zu Personen machen, die über die genannten Waffen, Revolver der Marken Smith & Wesson bzw. Taurus oder Sturm-Ruger verfügen, ohne dafür eine entsprechende Erlaubnis zu besitzen?
- Wer kann Angaben zu entwendeten bzw. in Verlust geratene Waffen der genannten Marken machen?
- Wer kann Angaben zu dem Wohnungseinbruch vom 6. Januar 2006 in Bochum auf der Schillerstraße machen?
- Wer kann Angaben zu dem Diebesgut anlässlich des Wohnungseinbruchs vom 6. Januar 2006 in Bochum, Schillerstraße, machen?
- Wem wurden nach dem 6. Januar 2006 größere Mengen Schmuck zum Kauf angeboten?
- Wer kann Angaben zu der am 29. Mai benutzten Maskierung machen?
Die Ermittler haben für Hinweise eine kostenfreie Telefonnummer geschaltet, unter der Hinweise - auch vertraulich - gegeben werden können: 0800-2361-111.