Niedliche Plagegeister: Waschbären in NRW auf dem Vormarsch

NRW Für Haus- und Autobesitzer sind beide lästig – Marder wie Waschbären. Doch der Waschbär ist bei seiner Nahrungssuche deutlich lauter und weniger wählerisch als der Marder. So hat er sich innerhalb kurzer Zeit in NRW schnell vermehrt und wird immer öfter zum Problem.

  • Niedlich sind sie ja, die kleinen Waschbären. Aber sie können auch ganz schönen Unfug treiben.

    Niedlich sind sie ja, die kleinen Waschbären. Aber sie können auch ganz schönen Unfug treiben. Foto: dpa

Wenn es nachts auf dem Dachboden poltert oder etwas durch die Regenrinne kriecht, steckt wahrscheinlich kein Geist dahinter. Liegt am nächsten Morgen auch noch der Müll auf dem Bürgersteig verteilt, war wohl ein Waschbär zu Gast.
 
„Waschbären sind die Affen unter den Kleinbären. Sie sind unglaublich schnell, stark und richtig laut“, sagt Biologe und Schädlingsbekämpfer Thomas Schubert aus Münster. „Außerdem braucht er immer einen Rückzugsort.“ Deshalb sei der Dachboden sein bevorzugter Wohnraum, weil er über Regenrinnen und Bäume leicht zu erreichen sei.
 
Dem Fuchs auf den Fersen
 
Rund 8500 Waschbären wurden 2010/11 in NRW erlegt, bundesweit gut 68.000 und damit fast doppelt so viel wie noch vor drei Jahren. Man habe auch 50 Prozent mehr tote Waschbären gefunden, nahezu alle von ihnen waren auf der Straße von Autos erfasst worden. „Das lässt auf eine weitere Bestandszunahme schließen“, heißt es von der Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung NRW. Deshalb habe sich der Waschbär nach dem Fuchs als häufigste mittelgroße Raubtierart etabliert.
 
„Bei uns sind immer mehr Menschen davon betroffen, dass Waschbären in Häuser eindringen und wirklich großen Schaden anrichten“, sagt Ulrich Gerhold von der Kreisjägerschaft Höxter, „in einem Fall haben Waschbären die Isolierung eines Stalls beschädigt. Der Schaden beläuft sich auf 12.000 Euro.“ Gut die Hälfte aller Waschbären in NRW wurde in der letzten Saison allein im Kreis Höxter erlegt. Ähnlich betroffen sind das Sauerland und Ostwestfalen-Lippe, den Bundesrekord hält Kassel. Dort hat sich der Waschbär zu einer regelrechten Plage entwickelt.
 
Dabei ist der Waschbär in Deutschland nicht heimisch, er ist ein sogenannter Neozoon – ein durch den Menschen eingebrachtes Tier. Während der Nazi-Zeit sollen zwei Waschbär-Paare am hessischen Edersee ausgesetzt worden sein. Von dort aus breiteten sie sich wohl vor allem im Osten Nordrhein-Westfalens aus.
 
„Im Ruhrgebiet und Münsterland kommt der Waschbär vereinzelt vor. Ein Problem ist er noch nicht, aber er ist auf dem Vormarsch“, sagt Schädlingsbekämpfer Thomas Schubert. Der Landesjagdverband NRW betont, der Waschbär bedrohe andere Tierarten, insbesondere Bodenbrüter.

Kaum natürliche Feinde
 
Der Waschbär selbst hat kaum natürliche Feinde – anders als in seiner ursprünglichen Heimat Nordamerika, wo etwa Wölfe zu Hause sind. „Die Population durch Jagd einzudämmen wird ohnehin schwierig“, weiß Schubert. Wolle man Schäden durch Waschbären vorbeugen, müsse man vorsorgen. „Den Deckel der Mülltonne zu beschweren, hilft schon“, so der Schädlingsbekämpfer. Außerdem könne man Regenrinnen und Dachübergänge einschlupfsicher machen. „Auch Büsche und Kletterranken am Gebäude sehen zwar gut aus, erleichtern es dem Waschbär aber ungemein.“
 
Schäden durch Waschbären seien zwar lästig, aber nicht gefährlich. „Natürlich finden sich Würmer im Kot der Tiere. Aber wenn eine verwilderte Katze in Ihrem Garten war, haben Sie das gleiche Ergebnis“, so Schubert.
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Autor
Christina Hahn
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    4. Mai 2012, 22:32 Uhr
    Aktualisiert:
    16. Dezember 2013, 12:43 Uhr