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Medienhaus Lensing
05.02.2012 14:25 Uhr
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Minusgrade: Schnee und Eis lähmen Europa

Berlin/Rom/Belgrad Eine Woche nach dem heftigen Wintereinbruch in Europa sind mehr als 280 Menschen in Kälte, Eis und Schnee gestorben. Allein in der Ukraine fanden bis zum Wochenende 131 Menschen den Kältetod.dpa

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Ein Ausflugsschiff fährt in Hamburg im Hafen auf der Elbe durchs Eis. 

Der stärkste Schneefall seit Jahrzehnten löste vor allem in Serbien und Italien ein Verkehrschaos aus. Zehntausende blieben ohne Strom. Soldaten wurden zu Räumarbeiten eingesetzt. In Deutschland war die Nacht zum Sonntag mit minus 28 Grad die bisher kälteste Nacht des Winters. Und es soll noch kälter werden. Zugleich sind neuer Schnee und Stürme angekündigt.

In Mittel- und Süditalien herrschte Winterchaos. Zwei Menschen starben, als Dächer unter der Last des Schnees zusammenbrachen. Bis zu 120 000 Menschen waren zeitweise ohne Strom. Tausende blieben in Zügen oder Autos stecken. In Rom und anderen Städten waren Soldaten eingesetzt, um die Straßen von Schnee und Eis zu befreien.

Ausnahmezustand in Serbien

Angesichts einer bis zu zwei Meter hohen Schneedecke galt in Serbien am Samstag in fast 30 Gemeinden der Ausnahmezustand. Alle Grund- und Mittelschulen sowie Kindergärten sollten diese Woche geschlossen bleiben. Die Regierung in Belgrad rief die Bürger zur Hilfe beim Schneeräumen auf. Lawinen schlossen etwa 90 Menschen in einem Straßentunnel in Montenegro 24 Stunden lang ein. Im kroatischen Dalmatien wurde der Notstand ausgerufen.

In der Ukraine erfroren am Wochenende wieder 30 Menschen bei Rekordtemperaturen von minus 30 Grad Celsius; in Rumänien waren es zehn Menschen und damit seit Ausbruch der Kältewelle insgesamt 34. In Polen starben laut Regierung am Samstag und Sonntag 15 Bürger im Frost. Dort erlitten bislang insgesamt 53 Menschen den Kältetod. Hinzu kommen mindestens 6 Todesfälle wegen Kohlenmonoxidvergiftungen in Wohnungen mit defekten Kohleöfen. Im Baltikum kostete der Frost bis Samstag weiteren drei Menschen das Leben.

Kälte lähmt Schiffsverkehr

Dem harten Winter fallen europaweit vor allem Obdachlose zum Opfer. Aus Frankreich wurden am Wochenende drei neue Kältetote und damit insgesamt vier gemeldet. Zudem starb ein elfjähriger Junge, als er durch das Eis in einen See einbrach. Auch in Deutschland starben schon mehrere Menschen den weißen Tod. Weitere kamen beim Wintersport ums Leben. Von zwei eingebrochenen Eisläufern wurde am Samstag einer tot geborgen, die Suche nach dem anderen wurde eingestellt. In Südtirol kamen zwei Skifahrer in einer Lawine ums Leben.

Die Kälte lähmt zudem den Schiffsverkehr. Bei zweistelligen Minustemperaturen hat sich so viel Eis auf der Elbe gebildet, dass von Magdeburg in Richtung Norden keine Schiffe mehr fahren können, wie die Wasserschutzpolizei am Sonntag mitteilte. Der Fluss ist bis nach Hamburg gesperrt. Auch der Elbe-Havel-Kanal ist in voller Ausdehnung wegen zwölf Zentimeter dicken Eises geschlossen.

Verkehrschaos in Großbritannien

In Italien rammte ein Fährschiff in Civitavecchia nordwestlich von Rom im Schneesturm einen Hafendamm und wurde dabei schwer beschädigt. Das Schiff mit mehr als 300 Passagieren und Besatzung an Bord wurde evakuiert.

In Großbritannien reichten rund zehn Zentimeter Schnee aus, um ein Verkehrschaos auszulösen. Europas größter Flughafen London-Heathrow strich rund 380 Flüge und damit ein Drittel aller Starts und Landungen für Sonntag. In Frankreich wurde auf dem Flughafen von Toulouse der Verkehr wegen starken Schneefalls zeitweise eingestellt. Busse blieben in den Depots. Aus Belgien und der Schweiz wurden Störungen im Bahnverkehr gemeldet.

Dienstag noch frostiger

Deutschland stehen indes weitere Wetterextreme ins Haus. «Am Dienstag wird es noch frostiger», sagte Meteorologe Christoph Hartmann vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach am Sonntag voraus. Die bislang tiefste Temperatur war in der Nacht mit minus 28 Grad in Oberstdorf gemessen worden. Von Mittwoch an sollen die Werte dann deutlich steigen. Ein Italientief soll wärmere Luft bringen. Die Temperaturen machen einen Sprung um bis zu zehn Grad. Zugleich soll es vor allem im Südosten kräftig zu schneien beginnen.

Die Kältewelle drang selbst bis Nordafrika vor. In höheren Lagen der algerischen Hauptstadt Algier fiel seit Jahren wieder richtig Schnee. Zahlreiche Kinder, die noch nie weiße Flocken gesehen hatten, stürzten sich nach Augenzeugenberichten begeistert nach draußen.



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