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Medienhaus Lensing
11.03.2010 15:03 Uhr
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Ein Jahr nach dem Amoklauf: Winnenden schaut zurück - und nach vorn

Winnenden (dpa) WINNENDEN Stille, Trauer und Zuversicht: Winnenden schaut zurück und nach vorn. Mit klammen Händen und Tränen im Gesicht legten die Schüler der Albertville-Realschule am Donnerstag Steinplatten und rote Rosen für ihre erschossenen Klassenkameraden und Lehrerinnen nieder.dpa

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Gedenksteine liegen nach der Gedenkfeier für den Amoklauf in Winnenden vor der Albertville-Realschule. 

Ein Jahr nach dem Amoklauf formten sie aber auch einen "Weg in die Zukunft", mit Kieselsteinen, beschriftet mit Worten der Hoffnung: "Liebe", "Frieden" oder "Engel".

"Der 11. März ist klar ein Teil unseres Lebens geworden. Doch wir wollen nicht, dass er unser Leben beherrscht", sagte ein Schüler bei der Gedenkfeier. Bundespräsident Horst Köhler, der bereits im Vorjahr zu den Trauernden gesprochen hatte, fand bei dichtem Schneetreiben und klirrender Kälte warme Worte des Trostes: "Nichts ist mehr, wie es vorher war; das ist wahr. Aber was jetzt ist, das ist eben auch so viel mehr als Nichts. Etwas Neues ist im Entstehen begriffen."

Wieder erinnerte Köhler an die Eltern des 17 Jahre alten Amokschützen. Sie waren von der Stadt nicht zur Gedenkstunde eingeladen worden. "Ich füge auch heute hinzu: Auch die Familie des Täters hat ein Kind verloren. Auch für sie ist eine Welt zusammengebrochen."

Gedenkstunde für Verwandte der Opfer

Die Eltern und Verwandten der 15 Toten hatten sich bereits am frühen Morgen in der Hermann-Schwab-Halle gegenüber der Realschule versammelt. Nach Angaben eines Teilnehmers wurden dort auf einer Videoleinwand Bilder aus dem Leben der Opfer gezeigt und Gedichte vorgetragen, teilweise mit Musik untermalt.

Schüler schmückten im Saal einen Laubbaum mit Symbolen wie einer Sonne, einem Engel oder einem Fußball. Auf diesen sind die Namen der Toten eingraviert. Der Baum soll auf dem Hof der Schule, die nach einem Umbau im Herbst 2011 wieder bezogen werden soll, eingepflanzt werden.

Kirchenglocken

Zum Zeitpunkt des Gewaltverbrechens vor einem Jahr um 9.33 Uhr bildeten die Trauernden eine Menschenkette an der Schule. Tränen flossen, die Stille wurde von vereinzeltem Schluchzen durchbrochen. Zugleich läuteten alle Kirchenglocken in Winnenden. «Es war ohne jede Aktion, außer mit vielen, vielen Tränen und Worten, die man nicht gefunden hat. Es war ein Stück Abschluss des Geschehens, aber auch ein Blick in die Zukunft», beschrieb Regierungsschuldirektor Wolfgang Schiele den nicht-öffentlichen Gedenkteil. «Wir sind aufmerksamer geworden. Sensibler», sagte der Oberbürgermeister von Winnenden, Bernhard Fritz (CDU).

Neben Köhler waren auch viele Politiker der baden- württembergischen Landesregierung dabei, um ihre Anteilnahme und Unterstützung zu zeigen. Unter ihnen Ministerpräsident Stefan Mappus, Innenminister Heribert Rech, Kultusministerin Marion Schick (alle CDU), Justizminister Ulrich Goll (FDP). Sie hielten sich mit Ansprachen zurück, um der Trauer der Schulgemeinschaft genügend Raum zu geben.

Nebeneinander begraben

Frische Blumen und brennende Kerzen: Auch der Friedhof im Dorf Weiler zum Stein war am Amoklauf-Jahrestag ein Ort des Gedenkens. Vier Opfer des Amokläufers, Schulfreundinnen mit Geburtsdaten aus den Jahren 1992 bis 1994, liegen hier direkt nebeneinander begraben. Kristina, Jana, Chantal und Steffi - auf ihren Grabsteinen steht das gleiche Todesdatum: 11. März 2009. Trauende zündeten Kerzen an, auch ein Kranz mit frischen Blumen liegt auf einem Grab. Schnee bedeckt die Erinnerungsstücke, Postkarten, Fotos und Blumen.



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