Exklusiv-Interview: Wizz Air-Chef über Tomatensaft und jede Menge neue Flugzeuge
DORTMUND Der Druck im Luftverkehrsmarkt nimmt ständig zu. Fluggesellschaften kämpfen um jeden Passagier. Auch darüber sprach Benjamin Legrand mit Attila Dankovics, Verkaufs- und Marketingchef der ungarischen Fluggesellcaft Wizz Air.
Attila Dankovics, Verkaufs- und Marketingchef der ungarischen Fluggesellcaft Wizz Air. (Foto: Wizz Air)
Nein, weder an Bord noch am Boden. Ist nicht eines meiner Lieblingsgetränke.
Viele Menschen trinken Tomatensaft ja ausschließlich nur während eines Fluges und sonst nie..
Davon höre ich jetzt zum ersten Mal.
Scheint ein deutsches Phänomen zu sein. In Ungarn wohl nicht?
Ach, wenn einer Lust hat Saft zu trinken, kann er es an Bord natürlich kaufen.
Was ist denn das Minimum an Service, das eine Airline ihren Kunden auf der Kurzstrecke bieten sollte?
Was wollen Kunden, wenn sie von A nach B transportiert werden wollen? Was sie wollen ist Komfort: einfach zu buchende Tickets, einfach zu verstehende Bedingungen. Und besonders wichtig: Der Preis muss natürlich auch stimmen. Für Kunden, die mehr wollen, haben wir noch eine Onboard-Boutique, in der sie Essen bestellen können, oder Prioritäts-Boarding. Vergleichen Sie dieses Produkt mit den Alternativen: Die Fahrt mit einem Reisebus oder dem Auto ist nicht selten teurer, auf jeden Fall aber weniger bequem und viel langsamer.
Wenn der Preis Ihr Hauptargument ist – wo sparen Sie?
Unsere Vorteile sind nicht nur der Preis, es ist der höhere Wert unseres Produkts. Damit meine ich, dass wir einen besseren Service als unsere Konkurrenten zu viel günstigeren Preisen anbieten. Denken Sie allein an die Direktverbindungen – in Hauptstädte oder wirtschaftliche und kulturelle Zentren. Unsere Airbus A320-Flotte ist einer der modernsten mit einem Alter von drei Jahren, und nicht zehn wie im Branchendurchschnitt.
Wir schaffen das durch ein sehr diszipliniertes Geschäftsmodell. Das Wichtigste daran ist die junge und deshalb sehr effiziente Flotte. Wir haben so generell weniger Unterhalt und eine höhere Betriebssicherheit als viele unserer Konkurrenten. Unsere Flugzeuge fliegen in der Regel zwölf und mehr Stunden jeden Tag. Und wir nutzen sehr effiziente Airports, die schnelle Turnaround-Zeiten und niedrige Airport-Gebühren bieten. Ein weiterer Kostenvorteil ist unsere Distribution. Mehr als 90 Prozent unsere Kunden buchen ihr Ticket im Internet.
Sie sprachen ihre Flotte an, 36 Airbusse. Sie planen aber noch fast hundert Neue anzuschaffen, um bis 2017 eine Flotte von 132 Flugzeugen aufzubauen. Sind Sie bei diesen Plänen noch im zeitlichen Rahmen?
Ja, wir sind im Fahrplan. Die Zahl ist übrigens plus/minus 132. Wir werden bis dahin auch Flugzeuge wieder zurückgeben, um den Kostenvorteil einer jungen Flotte auch zu behalten. Wir haben sicherlich eine sehr gute Beziehung zu Airbus und machen gute Deals mit denen. Wir bleiben weiterhin bei unseren Wachstumsplänen.
Wie können Sie die finanzieren?
Als private Firma geben wir nicht zu viele Details über unsere Finanzen preis. Soviel: Die meisten unserer Flugzeuge sind heute noch geleast. Aber diese Strategie werden wir bald abändern, dann werden wir den Bestand auch mit eigenen gekauften Maschinen mischen. Wir sind stark genug, um die Flotte zu finanzieren. Wissen Sie, diese Firma startete erst 2004, im ersten Jahr hatten wir rund 700 000 Passagiere transportiert. Seit 2004 haben wir es geschafft, jedes Jahr um 20 bis 30 Prozent zu wachsen. In 2011 haben wir im Ganzen wohl mehr als elf Millionen Fluggäste befördert. Selbst durch die schlimmsten Rezensionszeiten der letzten Jahre hinweg, haben wir unser Geschäft verdoppelt. Das zeigt, dass unser Geschäftsmodell sehr solide ist.
Und wie wollen Sie die neuen Flugzeuge nutzen?
Wir halten die Augen weiter nach neuen Verbindungen auf. Wenn es einen Ort mit Nachfrage gibt, werden wir dahin gehen.
Viele Experte sagen, dass Anbieter von Billigflügen ihr Geschäftsmodell ändern müssen, weil die Preise mittlerweile so hoch sind, dass es nicht mehr verlockend ist, für ein Wochenende zu verreisen.
Natürlich sind die Preise gestiegen, allein durch den Ölpreis. Aber das betrifft ja nicht nur diesen Bereich. Unter diesen Bedingungen haben die Anbieter von Billigflügen aber noch eine der besten Positionen in der Luftfahrt, weil die Effizienz vergleichsweise hoch ist. Ich denke, dass da noch viel Wachstumspotential ist, besonders für uns. Denken Sie an die klassischen Fluggesellschaften, mit zwei- bis fünffachen Preisen. Oder an den Landverkehr: Schauen Sie, wie teuer ein Zugticket ist und wie lange die Fahrt dauert.
Welchen Einfluss hatte die deutsche Flugsteuer für Wizz Air?
Die ist nicht hilfreich, besonders natürlich nicht in Zeiten einer abflauenden Wirtschaft. Wir wachsen halt nicht so schnell wie wir wachsen würden, wenn es diese Steuer nicht geben würde. In den Niederlanden hat die Regierung sehr schnell gemerkt, dass eine Steuer nur in einem Land der Industrie sehr schadet und ist zurückgerudert. Ich bin sicher, dass Deutschland das auch merken wird.
Welche Folgen befürchten Sie durch die CO2-Abgabe, die ja 2012 in ganz Europa eingeführt wird.
Das ist was anderes als die deutsche Flugsteuer. Wie gesagt, hat Wizz Air eine der modernsten Flotten. Das ist ja nicht nur gut für unsere Kostenstruktur, sondern bedeutet auch, dass wir einen sehr niedrigen CO2-Ausstoß haben. Bei der Abgabe steckt der Teufel jedoch im Detail. Die Luftfahrt muss Abgaben zahlen, aber viele andere Branchen, auch im Transportgewerbe, deren Verschmutzung noch größer ist, müssen es nicht. Das ist ein Problem bei dieser Abgabe.
Für Wizz Air ist der osteuropäische Markt besonders wichtig. Hat die Wirtschafts- und Finanzkrise sie deshalb besonders getroffen?
Sogar in den Zeiten der Rezension haben wir es geschafft, zu wachsen. In 2007 hatten wir 4,2 Millionen Passagiere und in 2010 8,6 Millionen Passagiere. Wir haben also unsere Passagierzahlen auch in den drei Jahren der Rezension verdoppelt und hatten ein jährliches Wachstum von jährlich 34 Prozent. Vergessen Sie nicht: Mitteleuropa ist, was den Flugverkehr betrifft, nicht so weit entwickelt wie Westeuropa. Im Schnitt reisen Menschen in dieser Region bis zu vier- bis fünfmal weniger als Westeuropäer. Das ist ein großes Wachstumspotential.
Wann wird Wizz Air schwarze Zahlen schreiben?
Wie gesagt, als Privatunternehmen nennen wir keine finanziellen Details. Lassen Sie es mich so sagen: Wir sind sehr glücklich mit unserer Entwicklung.
Sie befinden sich zurzeit in der Schweiz. Die hat Wizz Air doch gar nicht auf der Karte. Wie sind Sie denn dorthin gekommen?
Da gibt es auch andere Möglichkeiten, auch mit Billigfluggesellschaften. Aber jetzt hatte ich gerade einen Sportunfall, meine Schulter ist verletzt. Mein Arzt hat mir geraten, nicht in einen Flieger zu steigen. Deshalb musste ich den Zug nehmen. Das war ein langes Reiseerlebnis.






