Stromstreit: Flexstrom wehrt sich gegen Kritik
DORTMUND Die Nerven liegen blank: Während Verbraucherschützer angeblich unseriöse Geschäftspraktiken beim Billigstromanbieter Flexstrom anprangern, fühlt sich das Berliner Energieunternehmen vom Online-Vergleichsportal für Energietarife Verivox systematisch benachteiligt. Derzeit hagelt es einstweilige Verfügungen und Klagen.
Zwischen dem Energieunternehmen Flexstrom und dem Online-Vergleichsportal Verivox ist ein Streit entbrannt. (Foto: dpa)
"Kunden steht Bonus zu"
Der Streit um Bonuszahlungen – eine Art Prämie bei Vertragsabschluss für Neukunden (50 bis rund 150 Euro) – ist derart eskaliert, dass sich die Schlichtungsstelle Energie auf Bitte eines Kunden eingeschaltet hat. Ombudsmann Dieter Wolst, ehemaliger Richter am Bundesgerichtshof, sprach die Empfehlung aus: Dem Kunden steht der Bonus zu, auch wenn er den Vertrag mit Ablauf des ersten Belieferungsjahres gekündigt hat. Flexstrom will erst zahlen, wenn Kunden länger als ein Jahr blieben.
"Vor Gericht würde Flexstrom Recht bekommen“, so Unternehmenssprecher Dirk Hempel. 60 Amtsgerichte hätten bereits zugunsten der Berliner geurteilt. Die Schlichtungsstelle jedoch orientierte sich an einem Urteil des Landgerichts Heidelberg. Darin wird die Formulierung „versuchte Bauernfängerei“ im Zusammenhang mit der Flexstrom-Boni-Praxis der Vergangenheit benutzt (AZ: 12O76/10).
Zusammenarbeit gekündigt
Flexstrom wiederum hat das Portal Verivox auf eine Schadenersatzzahlung in Millionenhöhe verklagt. Die Website – hier werden Energie-Anbieter vermittelt, dafür kassiert Verivox Provisionen – würde Flexstrom benachteiligen, weil die Provisionen zu niedrig seien. Kürzlich hatte Verivox die Zusammenarbeit mit Flexstrom gekündigt.
"Die Marktsituation wird verzerrt abgebildet“, sagt Dirk Hempel. Auch gegen die Behauptung, rund 3000 Kunden hätten sich bei Verivox über ausgebliebene Boni-Zahlungen beschwert, hat Flexstrom eine einstweilige Verfügung erwirkt (LG Hamburg, AZ: 315 O 615/11).
Aus dem Internet entfernt
Laut Dagmar Ginzel, Verivox-Sprecherin, wolle man jedoch Kunden vor irreführenden Angeboten schützen. Daher würden Flexstrom-Tarife nur noch angezeigt, wenn Nutzer die Such-Filter (Vorauskasse, eingerechnete Boni etc.) veränderten. Auch der Bund der Energieverbraucher hat die Flexstrom AG im Visier. In einem offenen Brief hatte dessen Vorsitzender Aribert Peters die Bundesnetzagentur dazu aufgerufen, die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Flexstrom AG und der Löwenzahn Energie GmbH, die ebenso wie Flexstrom den Brüdern Thomas und Robert Mund gehört, zu überprüfen.
Der Brief wurde aus dem Internet entfernt, nachdem wegen einiger Äußerungen eine einstweilige Verfügung gegen Peters ergangen war (LG Koblenz, AZ: 1 O 32/12). Die Behauptung, Flexstrom habe wirtschaftliche Probleme, sei „schlichtweg falsch“, sagt Sprecher Hempel.






