Arbeitsmarkt: Jeder Zweite bekommt nur einen befristeten Vertrag
BERLIN Immer mehr Menschen erhalten nur noch befristete Arbeitsverträge. Die Bundesregierung sieht jedoch keinen Grund zu handeln: Etwa die Hälfte der Arbeitnehmer mit einem befristeten Vertrag werde später unbefristet übernommen, sagte eine Sprecherin des Bundesarbeitsministeriums am Mittwoch.
Jeder zweite Vertrag ist mittlerweile nur befristet gültig. (Foto: dpa)
Ausländer stärker betroffen
Den IAB-Statistikern zufolge stieg die Quote der befristet Beschäftigten von 5,7 Prozent im Jahr 1991 auf 8,9 Prozent im Jahr 2008. Besonders betroffen seien den Angaben zufolge jüngere Arbeitnehmer und Ausländer. Demnach ist bei Neueinstellungen in Deutschland inzwischen fast jeder zweite Job nur noch befristet. Der Anteil der befristeten Verträge an den Neueinstellungen stieg von 32 Prozent im Jahr 2001 auf 47 Prozent im ersten Halbjahr 2009. In Ostdeutschland lag der Anteil laut Studie bei 53 Prozent, im Westen des Landes bei 45 Prozent.
"Verlängerte Probezeit"
„Befristete Verträge werden in den Betrieben inzwischen als verlängerte Probezeit genutzt“, sagte Claudia Weinkopf, Arbeitsmarktexpertin des Instituts für Arbeit und Qualifikation an der Universität Duisburg-Essen in einem Zeitungsinterview. Die Unternehmen wollen sich nicht binden und in der Krise möglichst flexibel bleiben.
Die Vizechefin des Deutsche Gewerkschaftsbunds (DGB), Ingrid Sehrbrock, sagte laut einem Medienbericht, junge Menschen seien gezwungen, ihre Lebens- und Familienplanung am nächsten verfügbaren Job auszurichten. Sehrbrock forderte die Bundesregierung auf, Unternehmen per Gesetz dazu zu zwingen, Befristungen zu begründen.




