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Medienhaus Lensing
08.02.2012 19:04 Uhr
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Opel-Chef: Keine Entscheidung zu Werksschließung

Rüsselsheim/Bochum (dpa) Der defizitäre Autobauer Opel ist in Aufruhr. Angesichts der schwachen Absatzzahlen und der verfehlten Ergebnisziele machen erneut Spekulationen um tiefe Einschnitte die Runde. Von möglichen Werksschließungen ist die Rede.

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Opel kommt nicht aus den roten Zahlen. Foto: Arne Dedert (Foto: dpa)

Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke und der Betriebsrat versuchten am Mittwoch, die Belegschaft zu beruhigen.

«Ich habe überhaupt keinen Hinweis darauf, dass (die US-Mutter) GM plant, bestehende Verträge mit uns zu verletzen», sagte der Opel-Konzern- und Gesamtbetriebsratsvorsitzende Wolfgang Schäfer-Klug. Die Verträge schließen Werksschließungen und betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2014 aus.

Opel-Chef Stracke versicherte in einem Brief an die Mitarbeiter, «dass es bis jetzt keinerlei Entscheidungen im Opel/Vauxhall Management, bei GM oder im Opel Aufsichtsrat gibt, wonach Werke geschlossen, Stellen abgebaut oder Produktionsvolumen verlagert werden sollen.» Weil der Automarkt in Europa angesichts der Schuldenkrise aber allgemein zurückgehe, «müssen wir zweifellos gewisse Probleme lösen».

Das «Wall Street Journal» hatte zuvor berichtet, dass dem Opel-Mutterkonzern General Motors allmählich der Geduldsfaden mit der defizitären Tochter reiße. Das Blatt zitierte einen namentlich nicht genannten GM-Offiziellen, wonach der Konzern die Schließung der Opel-Standorte Bochum und Ellesmere Port in England in Betracht ziehe: «Der Frust über Opel steigt und das Gefühl nimmt zu, dass die Einschnitte der letzten Jahre nicht tief genug gingen.» Wenn man Opel retten wolle, müsse das jetzt geschehen: «Und die Einschnitte werden tief sein.»

Der Bochumer Betriebsratsvorsitzende Rainer Einenkel bezeichnete den Bericht als «Unsinn». Das Bochumer Werk mit derzeit 4300 Stammbeschäftigten und knapp 700 Leiharbeitern sei derzeit mit der Produktion des Modells Zafira Tourer gut ausgelastet. Seit Jahresbeginn seien an fast allen Samstagen in Bochum Zusatzschichten gefahren worden. Hinzu kämen zusätzliche Nachtschichten an Sonntagen.

«Wir haben signalisiert, dass man auf das Bochumer Werk nicht verzichten kann», sagte Einenkel. Die Belegschaft wolle in Ruhe Autos bauen. Derartige Meldungen sorgten jedoch immer wieder für Unruhe und Verunsicherung. «Wir werden denen keinen Grund geben, das Werk zu schließen. Das wird mit Bochum nicht gehen», sagte Einenkel.

In den ersten neun Monaten 2011 verlor GM in Europa allerdings 580 Millionen US-Dollar (440 Millionen Euro). Das war zwar deutlich weniger als im Vorjahr, als sich der Verlust noch auf knapp 1,2 Milliarden Dollar belaufen hatte. Doch eigentlich hätte Opel den Verlust weiter eindämmen sollen. Das vierte Quartal ist dem Bericht zufolge ebenfalls schlecht ausgefallen. GM legt seine Bilanz für das vergangenen Jahr am 16. Februar vor.

Opel-Chef Stracke erklärte gegenüber den Beschäftigten: «In den vergangenen Wochen haben wir immer wieder darauf hingewiesen, dass wir verschiedene Maßnahmen prüfen, um Opel/Vauxhall langfristig profitabel zu machen. Dazu gehört insbesondere eine Verbesserung unserer Margen und die Optimierung unserer Kostenstruktur, indem wir die Skaleneffekte und die Technologien besser nutzen, die uns als Teil des weltweiten GM-Verbundes zur Verfügung stehen.»

Opel hatte sich in der vergangenen Wirtschaftskrise bereits deutlich verschlankt und unter anderem das Werk in Antwerpen geschlossen. 8000 der vormals 48 000 Stellen fielen weg.

Seit längerem mahnen die GM-Manager in Detroit, Opel müsse endlich aus der Krise fahren. Zuletzt hatten GM-Strategiechef Stephen Girsky, der auch dem Opel-Aufsichtsrat vorsitzt, und Betriebsratschef Schäfer-Klug gemeinsam betont, dass Opel trotz schlechter wirtschaftlicher Rahmenbedingungen profitabel arbeiten müsse.

Das Magazin «auto motor und sport» (Donnerstag) zitierte am Mittwoch vorab aus Unternehmenskreisen, dass die Absatzzahlen weiter unter Plan liegen und die Auslastung mit «nur 80 Prozent» zu niedrig sei. Das drücke auf die Margen.

Nach einem schwachen 2011 wird der Autobauer nach einer Prognose des Marktbeobachters IHS Automotive auch im laufenden Jahr seine Absatzziele verfehlen und erneut nur rund 1,2 Millionen Autos in Europa verkaufen, wie das Magazin berichtet. Erst 2014 und 2015 sehe IHS die Chance, dank der neuen Modelle wie mit dem 2014 erwarteten Corsa die Absatzmarke von 1,5 Millionen zu überspringen und damit Auslastung und Rendite zu verbessern.



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