Nach Insolvenz: Schlecker-Fall ruft Staatsanwalt auf den Plan - dm will Läden
Stuttgart/Karlsruhe Das einst strahlende Schleckerreich liegt am Boden. Die Folgen der spektakulären Pleite beschäftigen nun auch die Staatsanwaltschaft. Und die Konkurrenz der insolventen Drogeriekette fängt an, sich die Rosinen aus dem zerfallenden Kuchen zu picken.
Ratlosigkeit bei den Schlecker-Frauen. (dpa)
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Hoffnungsschimmer
Derweil gibt es zumindest für einen Teil der Mitarbeiter bei den zukunftsträchtigen Schlecker-Töchtern IhrPlatz und Schlecker XL einen Hoffnungsschimmer: Die Drogeriemarktkette dm hat Interesse an bis zu 80 Läden.
Die Staatsanwaltschaft berichtete, dass ihre sogenannte Vorprüfung im Fall Schlecker ein routinemäßiges Vorgehen bei Insolvenzen sei. So werde nun geklärt, ob Insolvenzverschleppung vorliegt. Es handele sich dabei nicht um ein Ermittlungsverfahren. Ein Sprecher der Insolvenzverwaltung war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.
Staatsanwaltschaft wird immer informiert
Jedes Amtsgericht informiere bei Insolvenzfällen immer auch die Staatsanwaltschaft. Im Fall Schlecker trat die zunächst zuständige Ulmer Ermittlungsbehörde die Aufgabe an die Kollegen in Stuttgart ab, wo die Schwerpunktstaatsanwaltschaft in Wirtschaftsstrafsachen sitzt.
Der Sprecherin zufolge ist mit einem Ergebnis nicht vor Juli zu rechnen. Herauskommen könne dann, dass ein Ermittlungsverfahren eingeleitet wird, weil ein ausreichender Anfangsverdacht gegeben ist. Andererseits könne die Vorprüfung auch ergeben, dass rechtlich nichts zu beanstanden ist. Variante drei sei, dass die Staatsanwaltschaft noch mehr Zeit benötige und die Vorprüfung auch im Juli vorantreibe.
Anton Schlecker kann nicht belangt werden
Allerdings könnte Anton Schlecker als Einzelperson in der von ihm gewählten Rechtsform eingetragener Kaufmann (e.K.) nicht wegen einer Insolvenzverschleppung belangt werden. Das gelte aber nicht für die Töchter IhrPlatz GmbH + Co. KG und die Schlecker XL GmbH. Außerdem griffen bei Anton Schlecker - sollte er sich tatsächlich schuldig gemacht haben - die Straftatbestände Bankrott, Untreue oder Betrug, die mit einer Insolvenzverschleppung zusammenhängen können.
Geprüft werde nun etwa die Buchführung im Schlecker-Reich. Auch Geschäfte wie beispielsweise Verkäufe von Grundstücken schaue sich die Staatsanwaltschaft genau an, berichtete die Sprecherin.
dm meldet Interesse an
Für einen kleinen Teil der von der Firmenpleite betroffenen Mitarbeiter gibt es wieder Grund zur Hoffnung auf eine Perspektive. Nach den jüngst geplatzten Verhandlungen mit dem Münchner Investor Dubag über einen Einstieg bei den Schlecker-Tochterfirmen IhrPlatz und Schlecker XL meldete die Drogeriemarktkette dm am Montag Interesse an einigen Dutzend Filialen an.
Sie will bis zu 80 Märkte der insolventen Schlecker-Töchter IhrPlatz und Schlecker XL übernehmen. „Logistisch ließen sich die Märkte sofort integrieren, eine Umstellung auf unser Ladenbild könnten wir zeitnah vollziehen,“ erklärte dm-Chef Erich Harsch in einer Mitteilung des Karlsruher Unternehmens. Der Insolvenzverwalter von IhrPlatz war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.
Alle Standorte analysiert - 80 kommen in Frage
Man habe alle Standorte der Schlecker-Töchter Markt für Markt analysiert, sagte ein dm-Sprecher weiter. Höchstens 80 größere Filialen hätten sich danach für dm als interessant erwiesen. Neben der Größe sei auch der „Standort in seinem Umfeld“ entscheidend gewesen bei der Auswahl.
Neun Objekte von Schlecker und IhrPlatz habe man schon übernommen, sagte Harsch weiter. Ein entsprechender Vertrag sei soeben unter Dach und Fach gebracht worden. In die Modernisierung bestehender und in die Eröffnung neuer Märkte investiert dm im laufenden Jahr mehr als 100 Millionen Euro. Die Drogeriemarktkette will 2012 mindestens 130 neue Märkte eröffnen und liegt mit ihrer aktuellen Geschäftsentwicklung nach eigenen Angaben deutlich über Plan.





