Neuer "Biosprit": Wegen E10 müssen Millionen Autofahrer mehr zahlen
DORTMUND Für zehn Prozent der deutschen Autofahrer könnte die Umstellung auf den neuen „Biosprit“ Super E10 teuer werden: Weil ihre PKW den Kraftstoff mit zehn Prozent Bioethanol nicht tanken dürfen, müssen sie möglicherweise auf das etwa sechs Cent teurere Super Plus zurückgreifen. Der Grund: Viele Tankstellen werden das „normale“ Super E5 wohl aus dem Angebot streichen.
Damit Autofahrer das neue E10 tanken, wird wohl der Preis für Superbenzin hochgeschraubt. (Bild: dpa)
Bei Aral-Stationen, die E10 schon anbieten, hat der ADAC beobachtet, dass Super E5 de facto aus dem Programm genommen wurde. Auch beim Branchenzweiten Shell zeichnet sich ab, dass der Superkraftstoff mit 95 Oktan aus dem Sortiment fliegt. Der Konzern wolle die Verordnung zur Schutzsorte „innerhalb unseres bisherigen Portfolios“ abbilden, beantwortet Sprecherin Cornelia Wolber die Nachfrage etwas kryptisch. Der Konzern Total indes kündigt an, auch in Zukunft Super E5 und Super Plus parallel anzubieten.
Grund für den Wegfall von „normalem“ Super bei vielen Tankstellen sei ein Mangel an unterirdischen Benzintanks. „Es können nicht alle 14 700 Stationen in Deutschland einfach so umgebaut werden“, sagt Klaus Picard, MWV-Hauptgeschäftsführer. Wenn eine neue Sorte hinzukommt, müsse eine andere Sorte gehen, so Picard.
Mineralkonzerne sind auf mehr Umsatz aus
Doch warum kippen die Konzerne nicht einfach das seltener gekaufte Super Plus? „Super Plus richtet im Motor keinen Schaden an, alle Benziner können es tanken“, erklärt MWV-Sprecherin Retzlaff. „Umgekehrt gibt es aber Fahrzeuge, bei denen die Hersteller Super Plus empfehlen. Den Kunden könnten die Konzerne dann kein Benzin mit 98 Oktan mehr anbieten.“
Für ADAC-Sprecher Andreas Hölzel stellt sich die Sachlage indes wie folgt dar: „Die Mineralölkonzerne wollen kein Super E5 anbieten, weil sie mit Super Plus E5 mehr verdienen können. Da wird es noch das eine oder andere Scharmützel geben“, kündigt Hölzel an.
Preisentwicklung unklar
Bislang können Autofahrer erst an ein paar hundert Tankstellen in Deutschland den neuen Biosprit tanken. Marktführer Aral hat mit der Umstellung in den östlichen Bundesländern begonnen, die anderen Konzerne ziehen nach. Eigentlich sollten bis Ende März alle Tankstellen mit E10 ausgestattet sein. Sabine Götz, Sprecherin des Automobilclubs von Deutschland (AvD) vermutet jedoch, dass eine flächendeckende Umstellung erst im Laufe des Jahres vollzogen sein wird.
Wie teuer der Biosprit sein wird, ist noch unklar. Der AvD hat beobachtet, dass E10 bis zu fünf Cent günstiger als „normales“ Super verkauft wird. Gleichzeitig kündigte Aral jetzt an, dass der Biosprit künftig die günstigste Benzinsorte im Portfolio sein wird – so wie bislang in der Regel das „normale“ Superbenzin E5. Der „Biosprit“ E10 soll zur Senkung des klimaschädlichen Treibhausgases CO2 beitragen.






