Fans feiern Schwarzgelb: Abschied unter Tränen

DORTMUND Der 5. Mai 2012 wird allen Spielern von Borussia Dortmund lange in Erinnerung bleiben. Es war der Tag der großen Meisterehrung, aber auch ein Tag des Abschieds. Für Toni da Silva, Florian Kringe und Lucas Barrios war es das letzte Heimspiel im Signal Iduna Park. Die schwarzgelben Fans bereiteten ihnen einen unvergesslichen Schlussapplaus – und lockten vor allem beim Argentinier ein paar Tränen der Rührung hervor.

  • Die Augen schwammen in Tränen: Lucas Barrios verabschiedet sich bei den Dortmunder Fans. Weitere Bilder gibt es in unserer Galerie.

    Die Augen schwammen in Tränen: Lucas Barrios verabschiedet sich bei den Dortmunder Fans. Weitere Bilder gibt es in unserer Galerie. dpa


Um 15.15 Uhr bat Stadionsprecher Nobby Dickel am Samstag zum ersten großen Moment des Tages. Drei dicke Blumensträuße lagen bereit, dazu drei großformatige Bilder. Gedacht waren sie für drei Spieler, die den BVB unterschiedlich lange verbunden gewesen waren, sich auf ihre ganz spezielle Art aber alle ins schwarzgelbe Gedächtnis gebrannt hatten: Florian Kringe, Toni da Silva und Lucas Barrios.

Dank an Kringe, da Silva und Barrios

„Bevor es gleich losgeht, möchten wir uns bei drei Spielern bedanken, die uns verlassen werden“, rief Dickel ins Mikrofon - und die Blicke im ganzen Stadion konzentrierten sich plötzlich auf die kleine Delegation, die sich unten an der Seitenlinie aufgebaut hatte.

Als erstes wurde Toni da Silva von BVB-Boss Hans-Joachim Watzke und Sportdirektor Michael Zorc in die Arme geschlossen. Der Brasilianer war 2010 ablösefrei aus Karlsruhe gekommen und hatte selten eine tragende Rolle gespielt. Auf immerhin 27 Einsätze brachte er es dennoch – und auf ein besonderes Tor.

da Silvas Bilderbuchtor

Am 24. Oktober 2010 hatte ihn Jürgen Klopp in der 74. Minute aufs Feld geschickt. Der Gegner hieß 1899 Hoffenheim, und der Klub aus dem Kraichgau führte mit 1:0. 19 Minuten trabte der Brasilianer eher unauffällig über den Rasen, dann schlug in der dritten Minute der Nachspielzeit seine große Stunde. Einen Freistoß aus zentraler Position zirkelte er Sekunden vor dem Abpfiff ins obere Toreck. Es war ein Bilderbuchtor – und so etwas wie der Beginn des Meisterrausches. „Dieses Tor wird jedem Borussen immer im Kopf bleiben“, gab Dickel dem gerührten 33-Jährigen am Samstag auf den weiteren Karriereweg. Die Fans im Stadion bedankten sich mit höflichem Applaus.

Dann wurde es lauter – und zwar wesentlich. Lucas Barrios war an der Reihe. Der Torjäger also, der den BVB im Vorjahr zur Meisterschaft schoss, in dieser Saison aber von Robert Lewandowski auf die Bank verwiesen wurde. Für 8,5 Millionen Euro plus Bonuszahlungen wechselt der 27-Jährige nun ins Fußball-Entwicklungsland China zum dortigen Meister Guangzhou Evergrande. Und es ist höchst fraglich, ob dem Angreifer dort ähnliche Emotionen entgegenschlagen werden wie in Dortmund.

Sprechchöre für Barrios

„Muchas gracias Lucas“, hielten ihm die Fans auf der Südtribüne auf einem Banner entgegen und lockten ihn mit ohrenbetäubenden „Lucas, Lucas“-Sprechchören. Doch bevor er mit ihnen die Welle machen konnte, schmiss er sich in die Arme von Watzke und Zorc. Es waren herzliche Szenen, die wohl auch den Dank der Dortmunder Verantwortlichen dafür ausdrückten, dass sich der Argentinier als Joker vorbildlich verhalten hatte. Für einen Moment unterbrachen die restlichen Spieler ihr Aufwärmprogramm und klatschten in die Hände. Auch Jürgen Klopp applaudierte seinem besten Stürmer der vergangenen drei Jahre.

Als Barrios dann den Blumenstrauß aus der Hand legte und sich vor der Südtribüne zur Welle hinunterbeugte, da waren sie klar zu erkennen, die Tränen in den Augen des sonst so coolen Torjägers. 39 Mal hatte er für den BVB in der Bundesliga ins Tor getroffen. So emotional wie am Samstag hatte er jedoch kein einziges davon gefeiert.

Dickel bricht die Stimme weg

Doch wer auf der Tribüne glaubte, das Emotionsbarometer könnte nicht weiter ausschlagen, der wurde nur eine Minute später eines Besseren belehrt. Denn einer wartete noch auf seinen Strauß: Florian Kringe. 15 Jahre lang hatte der 29-Jährige das BVB-Trikot übergestülpt, drei Jahre davon hatte er auf Leihbasis in Köln und Berlin verbracht. Genau wie Kevin Großkreutz ist auch er – trotz seiner Geburt in Siegen – ein „Dortmunder Junge“. Als er jetzt für seine Verdienste geehrt wurde, brach sogar Nobby Dickel die Stimme weg. Dann ging es für Kringe noch ein letztes Mal als Borusse vor die Südtribüne. Der Mittelfeldspieler genoss den warmen Applaus. Nach schweren Jahren voller Verletzungen und sportlicher Enttäuschungen hatte er sich diesen Abschied mehr als verdient.
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Autor
Matthias Dersch
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    5. Mai 2012, 18:04 Uhr
    Aktualisiert:
    5. Mai 2012, 20:18 Uhr
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