Rauschende BVB-Meisterfeier: Wenn Gefühle Achterbahn fahren

DORTMUND Sie kannten das ja schon aus dem Vorjahr, diese Volldusche aus Gerstensaft, und vielleicht fiel die Gegenwehr bei Jürgen Klopp (44), Sportdirektor Michael Zorc (49) und Hans-Joachim Watzke (52), den Architekten der achten Deutschen Meisterschaft von Borussia Dortmund, ja auch deshalb diesmal geringer aus. Die BVB-Macher fügten sich in ihr Schicksal. Breit grinsend und mit der Gewissheit, wieder etwas Besonderes vollbracht zu haben.

ie Momente nach dem Abpfiff der Partie gegen Borussia Mönchengladbach (2:0): Der Signal Iduna Park ein Meer von Emotionen, auf den Rängen, auf dem Rasen, in den Katakomben. Mittendrin die Spieler, die „Unfassbares“ geleistet hätten, wie Trainer Jürgen Klopp, durchnässt und nicht gerade wohl riechend, in jedes Mikrofon diktierte, das sich ihm entgegenstreckte. „Ich danke Zorc, Watzke und Präsident Dr. Reinhard Rauball, dass sie mir dieses Team zusammengestellt haben. Diese Mannschaft“, befand der Dortmunder Trainer, „kann jeder trainieren, sie hat einen außergewöhnlichen Charakter.“

Gänsehaut pur

Es waren Sekunden und Minuten, die jeden bewegen mussten, die einen gefangen nahmen, die Gänsehaut produzierten. Weil die Freude aus jeder Pore quoll, weil sie so ehrlich war, so ursprünglich. Der BVB feierte die Meisterschaft, als habe sie eine Ewigkeit der Entbehrungen beendet. Dabei hatten sie fast genau vor einem Jahr an gleicher Stelle noch genauso intensiv gefeiert.
    
Der außergewöhnliche Charakter dieser Mannschaft, den Klopp beschrieb, hatte zuvor dafür gesorgt, dass sich auch die letzten Zweifel an der erfolgreichen Titelverteidigung in Luft auflösten. Auf den Rängen schalteten die Fans spätestens mit dem 1:0 von Ivan Perisic (23.) endgültig in den Feiermodus („Und schon wieder Deutscher Meister, BVB!“), der zweite Treffer von Shinji Kagawa (59.) legte endgültig den Deckel auf diese Saison und sorgte für einen Jubelschrei aus mindestens 70 000 Kehlen. Klopp raste im Turbotempo die Seitenlinie entlang, eine Traube aus schwarzgelben Leibern begrub den Torschützen.

Saison voller Rekorde

Die Party konnte beginnen, nach dem Abpfiff von Schiedsrichter Florian Meyer gab es kein Halten mehr. „Seht ihr Bayern, so wird das gemacht“, skandierten die Fans, Stolz auf eine erneut außergewöhnliche Saison lag in der Luft. „Wir haben den Zweiten, den Dritten und den Vierten binnen zehn Tagen geschlagen“, zählte Sportdirektor Zorc auf. „Es gab selten einen verdienteren Meister als in dieser Saison!“ Wer wollte ihm widersprechen?

Der sensationellen Meisterschaft hat Borussia Dortmund erneut eine Saison voller Rekorde folgen lassen. „Fans, Mannschaft, Trainer, wir sind alle Teil einer großartigen Gemeinschaft“, meinte der verletzte Kevin Großkreutz (23), der als einer der ersten mit einem der großen Bierkrüge das Feld stürmte. „Wir haben ein Zeichen gesetzt, dass wir immer noch hungrig sind.“ Dieser Hunger könnte in 81 Zähler nach dem 34. Spieltag münden – auch das wäre Rekord.

Nächste Feier wartet

Und nach dem Pokalfinale in Berlin wartet ganz am Schluss ja vielleicht noch die nächste Feier. „Jetzt“, kündigte Watzke am Abend an, „wollen wir auch das Double holen.“ Später am Abend ging die Feier beim Dortmunder Stamm-Italiener Piazza Navona in der Gartenstadt in die Verlängerung. Innenverteidiger Neven Subotic hatte zuvor schon mit „seinen“ Fans wie im Vorjahr auf der Lindemannstraße gefeiert.

Zahlreiche Fans harrten trotz Dauerregens vor dem Lokal aus. Beifall brandete auf, als die Spieler im feinen Zwirn und in Begleitung ihrer Frauen und Freundinnen erschienen. Erst um Mitternacht bekamen die Sieger ihren verdienten Lohn im Form eines opulenten Vier-Gänge-Menüs. Wegen der noch ausstehenden Herausforderungen sollte die Feier in kleinem Rahmen ablaufen, doch an diesem Abend gab es keine Beschränkungen. Es wurde eine lange Nacht.

Besinnliche Momente

In all dem Wirrwarr aus überschäumender Freude und großen Emotionen gab es auch besinnliche Momente. Felipe Santana, dessen Zeit in Dortmund enden könnte, musste mit den Tränen kämpfen. Das galt auch für Florian Kringe. „Ich bin doch schon seit Ewigkeiten Borusse“, stammelte er.

In zwei Wochen werden die Gefühle wieder Achterbahn fahren. Dann wird Kapitän Sebastian Kehl (32) nach der Partie gegen den SC Freiburg aus den Händen von Liga- und BVB-Präsident Dr. Reinhard Rauball die Meisterschale in Empfang nehmen. „Es wird ein sehr emotionaler Moment werden“, meinte er am Abend aufgewühlt. Auch da gab es keinen Widerspruch.
 

Lade TED
 
Ted wird geladen, bitte warten...
 

KOMMENTARE

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

?

KOMMENTAR HINZUFÜGEN

Überschrift (max. 70 Zeichen)
Meine Meinung (Noch  Zeichen verfügbar.)
Benutzername
Passwort
Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschließen.
Um sich registrieren zu können, müssen Sie uns mindestens einen Benutzernamen, ein Passwort und Ihre E-Mail-Adresse mitteilen.

gewünschter Benutzername

gewünschtes Passwort

Wiederholung Passwort

E-Mail

Abonummer

Ich bin damit einverstanden, künftig über Neuigkeiten informiert zu werden

Ich habe die AGB gelesen und stimme diesen zu.

Ich habe die Datenschutzerklärung gelesen und stimme dieser zu.

Sicherheitsfrage
Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wie viel ist 7 x 3?   
Autor
Dirk Krampe
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    22. April 2012, 17:35 Uhr
    Aktualisiert:
    22. April 2012, 18:32 Uhr