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Konfettiregen für den neuen und alten Deutschen Meister: Robert Lewandowski stemmt die Meisterschale in den Dortmunder Himmel. (Foto: Menne)
Eigentlich ist Roman Weidenfeller (31) ja gar nicht dafür bekannt, seine Gefühle gemeinsam mit den Fans so exzessiv auszuleben. Am Samstag, es war kurz vor Sieben, aber musste das wohl einfach sein. Weidenfeller stand unten im Gang zum Kabinentrakt und sang mit dem schwarzgelben Anhang, der fünf Meter über ihm gefährlich über einer Brüstung hing und frenetisch das kundtat, was ohnehin alle wussten: „Wer ist Deutscher Meister? BVB Borussia!“ Und Dortmunds Keeper gröhlte am lautesten.
Großkreutz´Gesangsqualitäten
Der emotionale Ausnahmezustand im Signal Iduna Park hatte schon zuvor zu wenig rationalen Handlungen geführt. Kevin Großkreutz (23), der vor einem Jahr nach einer Attacke von Felipe Santana mit einem Haartrimmer den Verlust seiner halben Haarpracht beklagt hatte und danach aussah wie ein gerupftes Huhn, musste um seine Haare am Samstag nicht fürchten. Was beim Dortmunder Mittelfeldspieler offenbar zu einem euphorischen Gefühlsausbruch führte.
Großkreutz schnappte sich auf der Tribüne kurzerhand das Mikro von Stadionsprecher Norbert Dickel und mimte den Vorsänger bei einer gemeinsamen Hymne mit den Anhängern. Über die Gesangsqualitäten des BVB-Edelfans im Profikader breiten wir an dieser Stelle lieber den Mantel des Schweigens, nur soviel: Es war laut, es war schrill und es war schrecklich.
Chaoten stürmen Platz
In der Anhängerschaft war zuvor ein Zwist über die dumme und leichtsinnige Aktion einer größeren Gruppe von BVB-Fans auf der Südtribüne entbrannt. Eindringliche Appelle von Stadionsprecher Dickel an die Vernunft prallten an einigen Unverbesserlichen ab, die schon vor dem Abpfiff der Partie gegen den SC Freiburg die Zäune enterten und sich nach dem Schlusspfiff zu Hunderten dem massiven Aufgebot an Ordnungskräften entgegen stemmten.
Fotostrecke Die Feier im Stadion
Zweimal gelang es den Sicherheitskräften, den Mob zurückzudrängen, mitten hinein in die Zeremonie der Schalenübergabe von BVB-Präsident Dr. Reinhard Rauball an Kapitän Sebastian Kehl (32) durchbrachen die sogenannten Fans die Mauer aus Ordnern. Pfiffe vom großen Rest vernünftiger Anhänger gellten durch den Signal Iduna Park, auf der Westtribüne schaute die Mannschaft stumm zu, wie sich die Menschenmenge über den grünen Rasen ergoss. Die Stimmung war dahin.
Ehrenrunde fällt aus
Die eigentlich geplante Ehrenrunde mit Schale fiel aus, nicht nur Trainer Jürgen Klopp fand später deutliche Worte. „Wenn sie“, meinte Klopp, „diese Ehrenrunde von uns gewollt haben, haben sie es sich selbst versaut.“ Den Stolz über eine herausragende Saison mit zum Teil wunderschön anzuschauendem Fußball wollte sich Klopp nicht kaputt machen lassen.
Beim 4:0 gegen den am Samstag überforderten SC aus Freiburg waren die ersten 45 Minuten ein Anschauungsunterricht für modernen Fußball, mit tollen Kombinationen, ganz viel Einsatz- und Spielfreude und auch wunderbar herausgespielten Toren. Robert Lewandowski schraubte sein Torkonto auf 22 Ligatreffer und egalisierte eine Uraltmarke von Manfred Burgsmüller, Jakub Blaszczykowski zeigte mit ebenfalls zwei Treffern auf, warum Klopp ihm im Pokalendspiel am Samstag den Vorzug vor Mario Götze geben sollte. Es war auch ein polnischer Nachmittag an einem großen Dortmunder Tag.
Endspiel im Kopf
Am späten Abend trafen sich Mannschaft, Trainer, Funktionäre und Edelsponsoren im In-Restaurant „View“ im Dortmunder U zu einem Fünf-Gänge-Menü mit Steinbutt und Rinderfilet. In gediegener Atmosphäre wurde nett gegessen, in kurzen Ansprachen dankten Klopp, Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Präsident Dr. Rauball der Mannschaft für eine weitere Saison der Rekorde.
Ein Jahr nach der SensationsMeisterschaft feierte die Elf des BVB die Titelverteidigung am offiziellen Tag der Schalenübergabe in weitaus beschaulicherem Rahmen – zu diesem Zeitpunkt hatte das anstehende Pokalfinale am Samstag gegen die Bayern längst den Weg in die Köpfe der Spieler gefunden. Die Bitte von Klopp, sich „nicht die Lampen auszuschießen“, bereitete der Meistermannschaft keine Probleme. „Schließlich“, meinte Innenverteidiger Mats Hummels, „haben wir in Berlin in einer Woche die Chance, Historisches zu leisten.“
Fotostrecke Borussia Dortmund feiert im Restaurant "View"
Freiburgs Christian Streich hatte während der 90 Minuten eine Kostprobe davon bekommen, wie sich die Mehrzahl seiner Trainerkollegen in Spielen gegen den BVB in dieser Saison gefühlt haben müssen. „Wir wollten mitkicken, aber das hat Dortmund nicht zugelassen.“