DORTMUND Exakt um 20:20 gab es im Signal Iduna Park kein Halten mehr. Der Schlusspfiff von Schiedsrichter Florian Meyer beendete endgültig die letzten kleinen Zweifel an der Titelverteidigung von Borussia Dortmund. Der BVB ist nach dem 2:0 (1:0) über Borussia Mönchengladbach tatsächlich am Ziel und wieder Deutscher Meister.Von Dirk Krampe
Die achte Meisterschaft in der Vereinsgeschichte krönt eine erneut überragende Saison des Titelverteidigers. 75 Punkte hat Dortmund bis hierhin geholt, drei mehr noch als zum gleichen Zeitpunkt im vergangenen Jahr, wo Dortmund mit jugendlicher Unbekümmertheit zum Titel gestürmt war. Diesmal trieb der Klub mit schier unglaublicher Konstanz die Bayern erneut zur Verzweiflung. Der Sieg gegen Gladbach war das 26. Spiel in Serie ohne Niederlage.
Ein Tollhaus
Als Shinji Kagawa mit dem 2:0 die Vorentscheidung erzwungen hatte, glich das Dortmunder Stadion einem Tollhaus aus feierenden und singenden Fans. Meisterschalen wurden in die Luft gereckt, eine ganzes Stadion und eine ganze Stadt waren stolz auf ihre Fußballmannschaft. Und als Meyer die Partie beendete, durften sie endlich wieder beginnen, die großen Feiern.
Der Bayern-Sieg in letzter Minute in Bremen hatte bei Borussia Dortmund wie aus dem Nichts so etwas wie Druck erzeugt. Die Fans in Feierlaune, die Kneipen der Innenstadt voll, doch der Treffer von Franck Ribery 30 Sekunden nach Ende der offiziellen Spielzeit zum 2:1-Sieg in Bremen bedeutete auch, dass der BVB nur bei einem eigenen Sieg schon an diesem Wochenende die Meisterschaft perfekt machen könnte.
Nervöser Beginn
Dortmunds Spieler sahen das Drama in den Katakomben des Stadions, ein Teil der Mannschaft bekam auf dem Rasen die Nachricht vom Bayern-Siegtreffer von Stadionsprecher Norbert Dickel. Für einen kurzen Moment gingen die Köpfe nach unten.
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Und entsprechend nervös begannen die Schwarzgelben, bei denen sich ungenaue Anspiele wie ein roter Faden durch die ersten 20 Minuten zogen. Dortmunds Trainer Jürgen Klopp hatte nach der Mannschaftsbesprechung am Nachmittag etwas überraschend auf Kevin Großkreutz verzichtet, der sich im Training einen Nasenbeinbruch zugezogen hatte, damit aber zwei Tage normal trainiert hatte. Offenbar erschien Klopp das Risiko dann doch zu groß, Großkreutz stand nicht einmal im Kader.
Großchance für Gladbach
Gladbach, doch mit einem allerdings wenig inspriert aufspielenden Marco Reus angetreten, hätte gleich die erste Großchance haben können – als der Abseitspfiff den frei in den Raum startenden Reus nach einer perfekten Weiterleitung von Mike Hanke stoppte, durften alle durchatmen. Die Wiederholung zeigte, dass Reus deutlich hinter Mats Hummels postiert war – eine Fehlentscheidung des Unparteiischen-Gespanns unter der Leitung von Florian Meyer.
Die Gäste verschleppten nahezu nach jeder Balleroberung das Tempo und nahmen ihren Torhüter mit – Marc ter Stegen hatte nach 20 Minuten mehr Ballkontakte als Reus vorne. Der Versuch, die Dortmunder zu locken, fruchtete aber zunächst nicht.
Erste BVB-Möglichkeit
Nach Lukasz Piszczeks verunglückter Flanke hatte Shinji Kagawa mit einem Rechtsschuss eine erste Chance für den BVB (15.), fünf Minuten später traf er zwar nach Schmelzers Flanke den Ball nicht richtig, die Kugel kullerte aber an dem am Boden liegenden ter Stegen vorbei an den Pfosten (20.).
Eine Standardsituation half dem BVB dann in die Spur: Schmelzers perfekte Flanke kam scharf in Richtung Gladbacher Fünf-Meter-Raum, Ivan Perisic, der Großkreutz auf der linken Seite ersetzte, sprintete in die Flugbahn und hielt im richtigen Moment den Kopf hin – 1:0 (23.)
Feiermodus bei den Fans
Auf den Rängen schalteten die Fans endgültig in den Feiermodus („Und schon wieder Deutscher Meister, BVB!“), auf dem Platz klaute Schiedsrichter Meyer den Gästen ein reguläres Tor, das alle Gesänge abrupt verstummen ließ. Filip Daems hatte perfekt auf Hanke geflankt, Meyers Assistent Holger Henschel aber sah den Belgier im Abseits. Auch diese Entscheidung entlarvten die Fernsehbilder als Fehlentscheidung (34.).
Die Fans durften weitersingen und sahen nach der Pause einen BVB, der die endgültige Entscheidung erzwingen wollte. Die dickste Chance der ersten Minuten nach dem Wechsel aber hatten wieder die Gäste: Langer Ball auf Reus, Weidenfeller zögert beim Herauslaufen, doch Reus‘ Schuss aus spitzem Winkel klärte Marcel Schmelzer auf der Torlinie (54.). Auf der Gegenseite behinderten sich Kagawa und Blaszczykowski bei Kehls Lupfer in den Gladbacher Strafraum gegenseitig (57.).
Kein Halten mehr bei Klopp
Das große Ziel aber rückte näher, und als Shinji Kagawa nach Lewandowskis Vorarbeit klug wartete, bis ter Stegen am Boden lag und dann flach am Gladbacher vorbei zum 2:0 einschob (59.), gab es im Signal Iduna Park kein Halten mehr. Die Fans standen kopf, Trainer Jürgen Klopp raste die Seitenlinie entlang und bedankte sich als Erstes bei Vorbereiter Lewandowski, der beim Pass auf Kagawa einen üblen Tritt von Stranzl kassierte.
Ab da saß niemand mehr im Signal Iduna Park, die Luft knisterte in Erwartung des Abpfiffs. Dortmund stoppte auch noch Gladbachs vielversprechenden Konter durch Reus, der allein auf Weidenfeller zusteuerte, dann aber von gleich drei BVB-Spielern gestoppt wurde und sich ein erstes Bild vom Dortmunder Laufvermögen machen konnte.
Götzes Rückkehr
Und 18 Minuten vor dem Abpfiff schenkte Jürgen Klopp dem lange verletzten Mario Götze die ersten Rückrunden-Minuten. Das ganze Stadion spendete Applaus, es waren Sekunden voller Emotionen, die niemanden unberührt lassen konnten. Das Spiel plätscherte dahin, dann der Abpfiff und ein lang gezogener Jubelschrei aus mindestens 72000 Kehlen. „Seht ihr Bayern, so wird das gemacht“, schallte es von den Rängen. Die Party konnte beginnen.
Das war der dritte schwarzgelbe Talk. Wir blicken zurück auf eine launige Gesprächsrunde mit Lars Ricken, Neven Subotic und Carsten Cramer. Sendung verpasst? Hier gibt es den Mitschnitt in voller Länge. mehr...