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Zwei «Verrückte» retten Spaniens Fußball-Stolz

Valencia (dpa) Spanien liegt zwei «Verrückten» zu Füßen: Die als schrullig und besessen geltenden Trainer Marcelo Bielsa und Diego Simeone führten Athletic Bilbao und Atlético Madrid ins Finale der Europa League am 9. Mai in Bukarest.

  • Marcelo Bielsa hat es mit dem baskischen Team von Athletic Bilbao ins Finale geschafft. Foto: Alfredo Aldai

    Marcelo Bielsa hat es mit dem baskischen Team von Athletic Bilbao ins Finale geschafft. Foto: Alfredo Aldai Foto: dpa

Spaniens Fußball-Stolz ist damit nach dem Scheitern von Real Madrid und des FC Barcelona in der Champions League wenigstens etwas wiederhergestellt. «Bravo! Es gibt ein spanisches Finale in Europa!», jubelte die Sportzeitung «AS», die die argentinischen Trainer mit Lob überhäufte: «Zwei Generäle mit klaren Ideen und Eisenhand in Samthandschuhen.»

Hannover-96-Bezwinger Atlético Madrid schlug im spanischen Halbfinalduell den FC Valencia nach dem 4:2-Heimsieg auch auswärts mit 1:0 (0:0). Vor 54 000 Zuschauern im ausverkauften Mestalla-Stadion machte Adrian López mit einem Traumtor in der 60. Minute nach Vorlage des früheren Bundesliga-Profis Diego die Hoffnungen der Hausherren endgültig zunichte. Der Europa League-Sieger von 2010 (2:1 nach Verlängerung über den FC Fulham in Hamburg) muss im Finale auf Kapitän Tiago verzichten. Der Portugiese sah nach einer Tätlichkeit an Roberto Soldado die Rote Karte.

Gegen Sporting Lissabon machte Bilbao die Fiesta perfekt. Das junge und spielstarke Team, das zuvor Manchester United und Schalke 04 ausgeschaltet hatte, bog die 1:2-Niederlage vom Hinspiel daheim mit 3:1 (2:1) um. Nach den Toren von Markel Susaeta (17.) und Ibai Gomez (45.+1) sowie dem zwischenzeitlichen Ausgleich durch Ricky van Wolfswinkel (44.) rechneten die 40 000 in San Mamés bereits mit einer Verlängerung, als Fernando Llorente in der 88. Minute die Portugiesen aus allen Träumen riss. «Nach meinem Treffer habe ich schon vor dem Abpfiff vor Freude auf dem Feld geweint», so der Torschütze.

«Weder Barça noch Real, Athletic, Athletic», schrien Tausende noch am frühen Morgen auf Bilbaos Hauptplatz Moyúa - viele sprangen trotz kühler Temperaturen in den Brunnen. Die vielbejubelten Trainer blieben derweil nach dem Abpfiff nüchtern und bescheiden. «Ich habe nichts gemacht, nur die Spieler begleitet», sagte Bielsa (56). Der Ex-Nationalcoach von Argentinien und Chile, «El Loco», der Verrückte genannt, ist ein Eigenbrötler, der sich stundenlang Fußballvideos reinzieht und als Kandidat auf die Nachfolge von Pep Guardiola bei Barça gehandelt wird. Der frühere argentinische Nationalspieler Diego Simeone gilt als sein Schüler und Fan. «In Bukarest wird es ein Spiel unter Freunden geben», versicherte der 42-Jährige cool.

In der rumänischen Hauptstadt kommt es nun zwischen Bilbao und den «Colchoneros», den «Matratzenmachern» aus Madrid - die pikanterweise 1903 als Filiale Bilbaos entstanden - zum neunten Mal in der Geschichte von Europa League beziehungsweise UEFA-Cup zum Endspiel von zwei Teams aus einem Land. Ein spanisches Finale gab es auch 2007, als der FC Sevilla in Glasgow Espanyol Barcelona bezwang.

In Spanien staunt man unterdessen über die Leistung Bilbaos, das auch im modernen Millionenfußball weiter nur Basken einsetzt - wie seit der Clubgründung vor 114 Jahren. Für Bilbao ist es der erste Einzug in ein Europapokal-Endspiel seit 1977, als man Juventus Turin unterlag. Die «Löwen» stehen auch noch im spanischen Pokalfinale am 25. Mai gegen den FC Barcelona. «Die Welt geht in eine andere Richtung, aber wir zeigen, dass man mit unserer Philosophie Erfolg haben kann», so der junge Präsident und Ex-Stürmer Josu Urrutia (44).

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Autor
Emilio Rappold, dpa
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    27. April 2012, 13:02 Uhr
    Aktualisiert:
    27. April 2012, 13:05 Uhr