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Fiesta ohne Ende: Casillas führt Jubel-Polonaise an
am 30. Juni 2008 15:45 Uhr
Fiesta ohne Ende - «Campeones, Campeones» sangen die freudetrunkenen EM-Helden auf dem Rasen und reckten glückselig den schweren Silberpokal in die Höhe, «Olé, Olé» brüllten die Fans im Stadion, «Eviva Espana» hallte es selbst durch die Berge im fernen Stubaital.
Ritterschlag
Torschütze Torres (M) wird von König Juan Carlos (r) und Königin Sofia gelobt.

Nach dem größten Triumph der spanischen Fußball-Geschichte seit dem EM-Sieg 1964 kehrten die müden Matadore nachts um 4.00 Uhr in einer Pizzeria in ihrer EM-Wahlheimat Neustift ein und feierten dann bei «Cerveza» und «Vino» im Dorf-Pub bis in den Morgen weiter. Erfolgstrainer Luis Aragonés war der erste, der gegen 6.00 Uhr die private Feier verließ und in sein Bett im Teamhotel «Milderer Hof» schlüpfte. «Das ist ein glücklicher Tag für Spanien», hatte der 69- Jährige nach dem historischen 1:0-Finalsieg gegen Deutschland gesagt.

Begeistert hatte Regierungschef Jose Luis Rodriguez Zapatero - der seinen Ruf als «Unglücksbringer» der Nationalelf nun los ist - dem spanischen Königspaar Juan Carlos und Sofia die Hände geschüttelt. «Ich freue mich für alle, für das Team und für ganz Spanien. Für mich ist es ein Privileg, dass ich als erster Regierungschef seit Wiedereinführung der Demokratie in Spanien bei einem Titelgewinn dabei sein kann», schwärmte Zapatero. Und wie viele andere Spanier träumt auch er bereits von höheren Weihen 2010: «Das Beste kommt noch. Jetzt holen wir den Weltmeistertitel.»

Überschwänglich feierte die heimische Presse die mit Abstand beste EM-Mannschaft. Sechs Siege, 12:3 Tore - mit begeisterndem Offensiv- Fußball sind die technisch versierten Spanier, die zuletzt vor 24 Jahren im EM-Finale waren, in den Fußball-Himmel gestürmt. «Spaniens bester Fußball hat Europa erobert», schrieb «El País», und «Marca» schwärmte: «Es ist kein Traum mehr, es ist Wirklichkeit: Wir sind die Könige Europas. Jahrzehnte des Schwermuts sind nun vorbei.»

Das Wichtigste für Spanien ist die Gewissheit, dass man das eigene Trauma, bei großen Turnieren trotz wunderbaren Fußballs stets früh zu scheitern, überwunden ist. «Die Selección hat Europa verführt. Spanien hat gesiegt, gewonnen hat auch der Fußball. Es gibt keine Angst und auch keine Komplexe mehr. Spanien hat die letzte große Prüfung seiner jüngeren Sportgeschichte bestanden», schrieb «AS».

Auch die internationale Presse war sich einig, dass es nicht nur ein Sieg des besten Teams, sondern ein Sieg für den Fußball insgesamt war. «Eine wunderbare EURO wird von tiefer Gerechtigkeit gekrönt», resümierte «The Guardian». Die technische Kommission der UEFA untermauerte die Überlegenheit der Spanier am Montag mit der Auswahl des «Allstar-Teams». Neun iberische Profis gehören zu den 23 Besten, Mittelfeldspieler Xavi wurde zum «Spieler des Turniers» gekürt.

Zwei Namen sind mit diesem Triumph für immer verbunden. Fernando Torres, der in der 33. Minute den umjubelten Siegtreffer erzielte, und Trainer Aragonés. «Er ist wie ein Vater für uns, die wichtigste Person», lobte der 24-jährige Stürmer vom FC Liverpool den scheidenden Coach, dem er den Erfolg widmete: «Wir freuen uns für den Trainer. Mit diesem Sieg ist er in die Geschichte des spanischen Fußballs eingegangen.»

Dem «Weisen aus Hortaleza» (Stadtteil von Madrid) ist zwar der älteste Trainer, der je den EM-Titel gewonnen hat. Doch trotz seiner fast 70 Jahre tanzte er mit seinen Spielern nach dem Abpfiff um 22.36 Uhr ausgelassen wie sonst wohl nur seine Enkel, die der «Opa» gern erwähnt, über den Rasen. Wenige Minuten später sah dem als Dickkopf und Griesgram geltenden weißhaarigen Mann seine Freude niemand mehr an. «Ich bin eigentlich nicht emotional, zeige meine Gefühle nicht gern nach außen. Doch glauben sie mir: In mir drin sind große Emotionen.» Für Aragonés taugt die Art und Weise, wie seine Elf zum Titel stürmte, sogar zum «Modell und Vorbild» der Zukunft.

Millionen Fans von Galicien im Norden bis Andalusien im Süden begingen den Erfolg ihres Teams mit einer Mega-Fiesta. Hunderttausende strömten nach dem Abpfiff mit rotgelben Fahnen auf die Straßen und feierten Kapitän Iker Casillas & Co. mit Hupkonzerten. Die größte Party stieg auf dem Kolumbus-Platz in Madrid, wo rund 70 000 Menschen zusammenkamen und den Sieg auf einer Großleinwand verfolgten. Die Sause dauerte noch den ganzen Montag an. Um 19.30 Uhr wurden die Helden auf Madrids Flughafen erwartet, wo sie im offenen Bus zum «Plaza de Colón» im Zentrum fuhren. «Es wird ein gewaltiges Fest geben. Für mich hat sich ein Traum erfüllt. Es ist gerecht, dass wir den Titel gewonnen haben, weil wir den besten Fußball gespielt haben», sagte Torres.

 
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