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Medienhaus Lensing
30.06.2008 13:24 Uhr
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Luis Aragonés: «Bin absolut glücklich»

Wien (dpa) Am Ende hat er es allen bewiesen. Als Luis Aragonés mit seinen Spielern, die seine Enkel sein könnten, ausgelassen über den Rasen tanzte, war der 69 Jahre alte Trainer am Ziel seiner Träume.Von Ulli Brünger, dpa

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Luis Aragonés wird von seinen Spielern nach dem EM-Sieg auf Händen getragen. 

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Seine Schützlinge warfen ihn sogar hoch in die Luft, aber schon kurz darauf hatte der älteste Coach, der je einen EM-Titel gewonnen hat, seine Bodenhaftung wieder. Und die Glückseligkeit sah ihm niemand an. Mit gewohnt grießgrämiger Miene saß der weißhaarige Spanier vor Hunderten von Journalisten und mühte sich redlich, seine Gefühle in Worte zu kleiden. «Ich bin eigentlich nicht emotional, zeige meine Gefühle nicht gern nach außen. Doch glauben sie mir: In mir drin sind große Emotionen.»

Ganz Spanien liegt dem «Weisen aus Hortaleza» (Stadtteil von Madrid) zu Füßen. Aragonés ist der Architekt des Erfolges. Er hat die Ansammlung von Fußball-Künstlern zu einer Einheit zusammengeschweißt, sie zum ersten großen Titel nach 44 Jahren geführt. Es war ein langer und beschwerlicher Weg für den keineswegs allseits beliebten Coach, der in seiner vierjährigen Amtszeit mit großen Widerständen zu kämpfen hatte. Nun ist er mit sich und der Welt im Reinen. «Es ist ein glücklicher Tag für Spanien, auch ich bin absolut glücklich.»

Siegtorschütze Fernando Torres, der Spanien mit dem Treffer in der 33. Minute in den Fußball-Himmel geschossen hatte, widmete den Sieg dem Coach. «Er ist wie ein Vater für uns, die wichtigste Person. Er hat uns Spielern immer vertraut», schwärmte der 24 Jahre alte Stürmer vom FC Liverpool. «Wir freuen uns für den Trainer. Mit diesem Sieg ist er in die Geschichte des spanischen Fußballs eingegangen.»

Daheim werden sie Aragonés nun wohl ein Denkmal setzen, dabei hatten sie ihn vorher teilweise verflucht. Auch, weil er Real Madrids Ikone Raúl, mit 44 Toren erfolgreichster Schütze der «Selección», vor der EM aussortierte. Jetzt sind Kritiker und Besserwisser verstummt. Mehr noch: Als Spanien mit dem historischen Sieg gegen Italien sein Viertelfinal-Trauma überwunden hatte, drehte sich der Wind endgültig: Die Fans flehten «Quedate Luis!» (bleib Luis), der Verbandspräsident bettelte, seine Spieler, und die von ihm wenig geschätzten spanischen Medien unternahmen fast verzweifelte Versuche, ihn umzustimmen.

Doch der prinzipientreue Aragonés hielt an seinem Entschluss fest, nach der EM als Nationalcoach aufzuhören: «Es ehrt mich, dass meine Arbeit so geschätzt wird», sagte er vor dem Halbfinale gegen Russland. «Aber es bleibt dabei. Punktum! Ich bin wie Milch. Wenn das Verfallsdatum einmal abgelaufen ist, kann man sie nicht mehr trinken.»

Der Dickschädel trug stets viel zu seinem schlechten Image bei. Er gilt als Griesgram und Grantler. Als ihm einmal bei einem Empfang ein Blumenstrauß überreicht wurde, soll er diesen direkt im Mülleimer entsorgt und gezischt haben: «Bin ich vielleicht eine Frau?». Enorm geschadet hat ihm seine rassistische Entgleisung im Oktober 2004, als er seinen Stürmer José Antonio Reyes motivieren wollte mit dem Satz: «Du bist besser als dieser beschissene Schwarze» - gemeint war Reyes' Konkurrent bei Arsenal London, Thierry Henry. Spaniens Fußballverband (RFEF) brummte Aragonés eine Geldstrafe von 3000 Euro auf, musste sie später aber wieder zurücknehmen.

Über seine Zukunft verlor Aragonés nach dem Finalsieg kein Wort. Als eine Frage in dieser Richtung auftauchte, verfinsterte sich seine Miene. Der UEFA-Mitarbeiter neben ihm reagierte prompt: «Herr Aragonés möchte dazu nichts sagen. Bitte nur Fragen zum Turnier.» Das Geheimnis wird sicher bald gelüftet. Fenerbahce Istanbul hatte schon am vorigen Mittwoch verbreitet, Aragonés habe einen Vorvertrag unterzeichnet. Doch das Dementi des Spaniers folgte sogleich. «Ich verstehe das nicht. Ich habe nichts unterschrieben.»

Fest steht: Der «Selección» sagt Aragonés «Adiós». Und dann begibt sich der fast 70-Jährige in seiner Heimat auf einen ganz neuen Pfad. Denn er muss noch ein Versprechen einlösen, das er vor der EM gab: «Wenn wir Europameister werden, pilgere ich auf dem Jakobsweg.»



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