Bayer und Ballack heftig bestraft: Gibt solche Tage
Leverkusen (dpa) Es gibt Tage im Fußball, da gelingt der einen Mannschaft alles, die andere hat förmlich die Seuche an den Füßen. Das 3:6 von Leverkusen gegen Mönchengladbach bot Anlass, über einen dieser verrückten Tage zu philosophieren. Nur Michael Ballack tauchte ab.
Michael Ballack (l) diskutiert mit Schiedsrichter Wolfgang Stark.
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Das Bild hatte Symbolcharakter. Kurz vor dem Ende des verrücktesten Spiels der noch jungen Bundesligasaison stand der einstige Trainer-Lehrling Michael Frontzeck in Siegerpose am Rand des Rasens, sein früherer Chef Jupp Heynckes schien sich auf seinem Stuhl so klein wie möglich zu machen. Verkehrte Welt in der BayArena: Die hochambitionierte Leverkusener Werkself am Boden zerstört, die «Fohlen» nach dem 6:3 im siebten Fußball-Himmel - Michael Ballack war da längst desillusioniert mit Leichenbittermiene ausgewechselt. Statt erhofftem Form- und Fitnessanstieg gab es für den DFB-Kapitän im Wartestand neuen Frust und Stagnation.
«Es gibt solche Tage, wo gar nichts geht. Und bei der anderen Mannschaft geht dann auch noch jeder Schuss in den Winkel.» Rudi Völler, alter Hase des Geschäfts, versuchte, zumindest verbal, das Beste aus der misslichen Situation zu machen. Der Bayer-Sportchef fand ein simples Konzept für die rasche Besinnung auf Wesentliches: «Aufarbeiten - und weiter geht's.»
Die schnelle Nachbetrachtung der 90 Minuten gelang Völler und Heynckes perfekt. Auch Frontzeck tat sein Übriges, das 3:6 als etwas darzustellen, das es im Fußball hin und wieder gibt. «Ein außergewöhnlicher Tag für uns Gladbacher», hielt Frontzeck nach dem ersten Erfolg gegen den rheinischen Rivalen seit 1994 fest. Und: «Wir haben fast perfekt nach vorn gespielt.» Euphorie: Fehlanzeige - Frontzeck will seine Politik der kleinen Schritte nicht verändern.
Das Bayer-Duo Völler/Heynckes sparte nicht mit Kritik, ohne die am Sonntag defensiv restlos desorientierte Elf kleinzureden oder bloßzustellen. «Wir waren viel zu offen, wir haben das Spielfeld viel zu groß gestaltet», analysierte Heynckes.» Sein Sportchef vermisste so etwas wie den Schweinehund, den auch fußballerisch begabte Teams brauchen. Kein Bayer-Profi haute mal kräftig dazwischen, auch Ballack nicht, die Borussen durften machen, was sie wollten.
Und die genossen den «Sonntag des offenen Tores». Patrick Herrmann mit seinem ersten Erstliga-Doppelpack (20./44. Minute), Roel Brouwers (40.), Juan Arango (56.), Mohamadou Idrissou (60.) und Marco Reus (69.) erzielten das halbe Dutzend fast nach Belieben. Eren Derdiyok (24.), Arturo Vidal (58./Foulelfmeter) und Stefan Kießling (70.) sorgten lediglich für Ergebnis-Kosmetik.
Der Schuss vor den Bayer-Bug war vielleicht gar nicht so schlecht, mag sich Heynckes gedacht haben, nachdem es in der vergangenen Saison immerhin 25 Spieltage bis zur ersten Niederlage dauerte. Jeder unter dem Bayer-Kreuz, auch Ballack, weiß spätestens jetzt: Hochgelobte sind oft tief gefallen.













