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Medienhaus Lensing
31.08.2010 18:12 Uhr
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Löw lüftet Kapitäns-Schleier - «Fokus auf Belgien»

Frankfurt/Main (dpa) Die wochenlang schwelende Kapitäns-Frage ist entschieden - künftig soll es nicht nur eine Führungskraft in der Nationalmannschaft geben. Die Debatte um die Binde soll von nun an aber in den Hintergrund rücken - auch um einen EM-Fehlstart des WM-Dritten zu vermeiden.

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Michael Ballack (l) und Philip Lahm buhlen um das Kapitänsamt. 

Für den 1. September hat Joachim Löw endlich sein Votum pro Michael Ballack und/oder Philipp Lahm angekündigt, für den Bundestrainer aber gibt es Wichtigeres. «Ich weiß, wie es ausgeht», erklärte Manager Oliver Bierhoff beim Treffpunkt des 21-köpfigen Kaders ohne den 98-maligen Nationalspieler Ballack in Frankfurt am Main.

Vor der Öffentlichkeit wollte Cheftrainer Löw aber zunächst im Teamquartier «Villa Kennedy» die Akteure über seine Entscheidungen informieren. «Wichtig ist jetzt, dass Jogi mit der Mannschaft spricht, mit dem Mannschaftsrat und den Betroffenen», sagte Bierhoff vor dem Auftakt in die Qualifikationsrunde zur Fußball-EM 2012 am 3. September in Belgien. Er forderte ein Ende der Diskussionen: «Damit dann auch wieder der Fokus auf dem Spiel liegt.»

Vieles deutet auf eine Lösung mit mehreren Führungskräften hin. Sowohl der langjährige «Capitano» Ballack als auch WM-Kapitän Lahm hatten ihren Führungsanspruch deutlich formuliert. Am Dienstag ging Lahm kommentarlos an den Reportern vorbei. Einen «alleinigen Leitwolf, der durch die Kapitänsbinde bestimmt wird», werde es nicht mehr geben, verriet der ehemalige DFB-Kapitän Bierhoff bereits vor der Bekanntgabe durch Löw.

«Die WM hat gezeigt, dass wir die Verantwortung auf mehrere Schultern übertragen müssen. Man hat auch gesehen, einer allein kann es nicht. Es sind viele Chefs auf dem Platz gefragt», verdeutlichte Bierhoff. Der Manager verwies explizit auf die neue Generation Spieler, «die eine flache Hierarchie haben».

Obwohl Löw aus Fitness-Gründen auf den 33-jährigen Ballack nach dessen langer Verletzungspause für die EM-Ausscheidungsspiele gegen Belgien und vier Tage später in Köln gegen Aserbaidschan verzichtet, will der gelassen wirkende Bundestrainer das Tauziehen um die Binde nicht bis zu einer möglichen Rückkehr des Leverkuseners verlängern. «Jetzt werden wir uns auf die beiden Spiele vorbereiten», unterstrich Löw seine Priorität. Fehlende Konzentration könnte die Gefahr eines EM-Fehlstarts gegen die unbequemen Belgier im Stadion «Roi Baudouin» von Brüssel erhöhen, zumal Löw bei seinen 17 nominierten WM-Fahrern ohnehin noch Trainingsrückstand sieht.

Ein persönliches Treffen mit Ballack werde es «weder am Dienstag noch am Mittwoch geben», übermittelte Löw aus dem Teamhotel, in dem er sein Personal auf die «neue Periode» bis zur EURO 2012 in Polen und der Ukraine einstimmt. «Der Trainer wird das schon bei den Trainingseinheiten klar deutlich machen, dass es hier um das Spiel in Belgien geht», betonte Bierhoff. «Wichtig ist für die junge Mannschaft, dass sie direkt wieder Tritt fast und nicht denkt, die WM geht hier automatisch weiter. Auch gegen Belgien muss man aufpassen, dass man keinen Fehltritt macht.»

Der ehemalige DFB-Spielführer hält die Kapitäns-Debatte ebenso wie Löw für «überbewertet». Torhüter Manuel Neuer machte den Zwiespalt deutlich, mit dem Ballacks und Lahms Kollegen das Gerangel verfolgen. «Wir sind gespannt. Es ist schon wichtig», sagte der Schalker einerseits, um danach anzuschließen: «Letztlich ist es aber egal, wer von beiden Spielern Kapitän ist. Jeder von ihnen wird Verantwortung auf dem Platz übernehmen.» Lahm hatte vor allem mit dem Zeitpunkt seiner öffentlich verkündeten Ambitionen unmittelbar vor dem verlorenen WM-Halbfinale gegen Spanien für Unverständnis gesorgt.

Wesentlich bedeutender ist für Neuer, wie Löw die von ihm überraschend selbst wieder eröffnete Torwart-Debatte beendet. «Ich würde mich freuen, wenn ich spielen würde», erklärte der 24-Jährige zur Nummer-1-Frage, die durch die Rückkehr des Leverkuseners René Adler einen neuen Schub erhält. «Ich weiß nicht, ob sie offen ist», sagte dazu Neuer und machte damit deutlich, dass er sich nach dem Turnier in Südafrika gegenüber Adler und dem Bremer Tim Wiese im Vorteil sieht.

Ohne Frage gehen die WM-Spieler mit einem Bonus in die neue Etappe. Sami Khedira, dem sein Aufstieg bei der WM nach Ballacks Verletzungs-Ausfall ebenso wie Mesut Özil sogar einen Platz im Starensemble von Real Madrid bescherte, gab sich vor der ersten Trainingseinheit kämpferisch. «Mich interessiert die Diskussion ziemlich wenig», erklärte der 23-Jährige, ohne den Namen Ballack zu erwähnen. Seinen erkämpften Status im Mittelfeld neben Bastian Schweinsteiger will Khedira unbedingt verteidigen: «Ich werde weiter Gas geben, unabhängig davon, welche Spieler dabei sind.»

20 der 21 eingeladenen Spieler haben unterdessen das erste Training der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in Belgien absolviert. Nur der Leverkusener Stefan Kießling fehlte bei der Übungseinheit auf einem Nebenplatz der Frankfurter Arena. Der 26 Jahre alte Stürmer laboriert an Rückenproblemen.



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