«Azzurri»-Comeback: Italiener feiern Cassano
Rom (dpa) Vom «Enfant terrible» zum «Retter des Vaterlandes»: Antonio Cassano ist der neue Liebling der Tifosi. Der von Marcello Lippi hartnäckig ignorierte Stürmer führte die «Azzurri» nach dem WM-Debakel beim 2:1-Sieg in der EM-Qualifikation gegen Estland praktisch im Alleingang zum Comeback.
Die Italiener um Kapitän Pirlo feiern ihren knappen Sieg.
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Mit seinem Ausgleichstor und der Vorlage zum Siegtreffer von Leonardo Bonucci bedankte sich Cassano für das Vertrauen des neuen Nationalcoaches Cesare Prandelli. «Sant'Antonio rettet Italien», titelte die «Gazzetta dello Sport» nach dem ersten Sieg der «Squadra Azzurra» in 2010. Und der «Corriere dello Sport» fragte in Richtung des einstigen Nationaltrainers: «Lippi, hast du Cassano gesehen?»
Mit dem mühsam erkämpften Erfolg machte der viermalige Weltmeister den ersten Schritt in Richtung EM 2012 in Polen und der Ukraine. Ein weiterer Sieg am Dienstag in Florenz gegen das Team der Färöer-Inseln soll nach dem bislang katastrophalen Jahr endgültig die Wende einläuten. «Italien ist auf dem richtigen Weg», meint «Tuttosport».
Die Tifosi atmen jedenfalls auf und feiern ihren neuen Superstar Cassano. Der Stürmer von Sampdoria Genua, der in der Champions League-Qualifikation auch gegen Werder Bremen getroffen hatte, avancierte in Tallinn zum umjubelten Matchwinner. Als die Italiener Freitagabend zur Halbzeit nach dem Tor von Sergej Senjow (31. Minute) 0:1 hinten lagen und sich bereits das nächste Debakel abzeichnete, riss Cassano das Ruder herum. Zuerst verwandelte er einen Eckball von Kapitän Andrea Pirlo mit seinem vierten Länderspieltor zum Ausgleich in der 60. Minute. Dann legte er nur drei Minuten später mit der Hacke so genial für Leonardo Bonucci (63.) auf, dass der Verteidiger nur noch vollstrecken musste.
«Bravo Cassano», gratulierte Prandelli. Für ihn war der jahrelang als nicht teamfähig verschriene Süditaliener ein «Vorbild für alle». «Ich habe Fehler gemacht, aber jetzt bin ich gut gestartet und hoffe, dass es so weitergeht», meinte Cassano. Als neuen Kopf des Team sieht er sich aber nicht: «Das ist vor allem Daniele De Rossi», meinte der Genueser.
«Er hat das Toreschießen einfach in den Genen», sagte Prandelli über seinen «Fantasista», den Giovanni Trapattoni vor mehr als sechs Jahren schon als «Zukunft des italienischen Fußalls» bezeichnet hatte. Unter Trapattoni debütierte Cassano 2003 in der Nationalelf. Auch Roberto Donadoni nahm ihn 2008 mit zur EM. Bei Lippi bekam Cassano jedoch nie eine Chance.
Neben dem überragenden Cassano bekamen in der mit sechs Debütanten angetretenen Mannschaft auch der Stuttgarter Abwehrspieler Cristian Molinaro und der Deutsch-Italiener Riccardo Montolivo am Wochenende gute Kritiken. Der Sohn einer Kielerin habe sich «in den Dienst der Mannschaft gestellt» und Regisseur Andrea Pirlo den Rücken frei gehalten lobte die «Gazzetta».
Trotz des Sieges konnte Italien längst noch nicht überzeugen. «Zur Pause waren die Jungs verunsichert», räumte Trainer Prandelli ein. Abwehrspieler Giorgio Chiellini betonte, dass vor allem in der Defensive noch einiges zu tun sei. «Deshalb sollten wir uns auch nicht fragen, wie viele Tore wir gegen die Färöer-Inseln schießen, sondern erstmal darauf achten, dass wir zu Null spielen», mahnte der Verteidiger von Juventus Turin. Der Außenseiter verlor zu Hause 0:3 (0:2) gegen WM-Teilnehmer Serbien.













