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Medienhaus Lensing
05.09.2010 12:33 Uhr
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Blanc und «Bleus» nach 0:1 mit dem Rücken zur Wand

Paris (dpa) Abonnements-Verlierer Frankreich blamiert sich nach dem WM-Fiasko auch unter dem neuen Fußball-Nationaltrainer Laurent Blanc munter weiter. Der Neuanfang ging beim 0:1 in Paris gegen betreute Weißrussland zum Start der EM-Qualifikation gründlich in die Hose.Von Emilio Rappold, dpa

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Frankreichs neuer Trainer Laurent Blanc hat gegen Weißrussland ein glückloses Händchen. 

Blanc und seine «Bleus» stehen vor dem zweiten Qualifikationsspiel in Bosnien bereits mit dem Rücken zur Wand. Der jüngst noch als «Retter» begrüßte Coach backt derweil kleine Brötchen und malt ein Horrorszenario: «Der Aufbau des Teams kann Monate dauern und eventuell auch niemals gelingen», warnte der 44-Jährige.

«Der Alptraum geht weiter», klagte das Blatt «Sud-Ouest» nach dem siebten Länderspiel nacheinander ohne Sieg. Weltuntergangsstimmung vermittelte die Riesen-Schlagzeile von «L'Équipe»: «Katastrophal!» Am Sonntag legte die Sportzeitung nach: «Willkommen bei den Kleinen (Teams)», hieß es groß auf Seite 1. Blanc räumte nach dem Abpfiff ernüchtert ein: «Wir haben unbeholfen und naiv agiert.» Am Tag nach der Schlappe fügte er auf einer Pressekonferenz mit rauem Realismus an: «Wer kann vor dem heutigen Kontext schon behaupten, dass wir nach Bosnien fahren, um zu gewinnen?» Zumal die Personalprobleme der «Équipe tricolore» mit drei weiteren Verletzten rapide zunehmen.

Rund 76 000 Zuschauer im fast ausverkauften Stade de France mussten erkennen, dass der Weltmeister von 1998 nicht zu Unrecht auf Platz 21 der FIFA-Weltrangliste abgestürzt ist. Selbst der Besuch von Staatschef Nicolas Sarkozy in der Kabine brachte kein Glück. Ohne Bayern-Star Franck Ribéry und die ebenfalls als WM-«Sünder» gesperrten Nicolas Anelka, Patrice Evra und Jérémy Toulalan zeigten die Franzosen gegen die eigentlich harmlosen Gäste, die von Ex-DDR- und Hertha-Trainer Bernd Stange gecoacht werden, eine schwache Vorstellung. Nur das 20-jährige Mittelfeld-Talent Yann M'Vila wusste zu gefallen. Erfahrenere Profis wie Florent Malouda, Gael Clichy und Bacary Sagna präsentierten sich in blamabler Verfassung.

Die Strafe folgte auf dem Fuße: Der eingewechselte Sergej Kisljak machte in der 86. Minute nach Pass des Ex-Stuttgarters Alexander Hleb die Überraschung perfekt. Bis dahin hatte «Bleus»-Torwart Hugo Lloris nicht einen einzigen Ball halten müssen. «Sensationell! Ich hoffe, dass wir in Zukunft so weitermachen», jubelte der 62-jährige Weltenbummler Stange. Während der Jubel in der Gästekabine nicht aufhören wollte, herrschte bei den Franzosen Tristesse pur. «Wir haben Mist gebaut», sagte Philippe Mexès niedergeschlagen.

«Das Team war unproduktiv, mutlos und kaum gefährlich», lautete das Urteil das Fachmagazin «France Football». Andere Medien sprachen von einer «Demütigung» und einem «harten Schlag». Dabei war die Hoffnung auf den Neuanfang unter «Le Président» Blanc trotz der 1:2- Schlappe im Freundschaftsspiel in Oslo gegen Norwegen doch so groß gewesen. Die Fans im Stadion feuerten die Équipe wider Erwarten pausenlos an, so «als hätte es die WM-Blamage nie gegeben» («France Football»). Immer wieder hallte das «Allez la France» durchs Stadion. Vor den Fernsehern saßen knapp neun Millionen Franzosen, so viele wie selten zuvor bei einem Qualifikationsspiel der «Grande Nation».

Wer soll gegen Bosnien die Tore schießen, fragen sich die Fans. Gleich drei Stürmer verletzten sich gegen die Weißrussen und müssen am Dienstag passen: Loic Remy, Louis Saha und Guillaume Hoarau. Jimmy Briand von Olympique Lyon wurde nachnominiert, Karim Benzema von Real Madrid soll wieder einsatzfähig sein. «Wir müssen uns wieder fangen», hofft Blanc, der 2009 mit Girondins Bordeaux Meister geworden war. Kollege Stange, der schon in den 1980-er Jahren als DDR-Coach 1:0 in Frankreich gewonnen hatte, sprang ihm zur Seite: «Man kann doch nicht in ein paar Wochen ein Team aufbauen. Ich arbeite seit drei Jahren (in Weißrussland) und erst jetzt sieht man die Früchte.»



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