3. Liga: Preußen sehen Sandhausen nach 1:2-Niederlage beim Feiern zu

MÜNSTER Wie vor knapp einem Jahr gab's am Samstag eine Aufstiegsfeier an der Hammer Straße. Im Mai 2011 feierte der SC Preußen, diesmal musste er zusehen, wie der SV Sandhausen den Aufstieg in die 2. Bundesliga bejubelte. Mit einem 2:1 (1:0)-Sieg machte der Gast die Sache perfekt. Münster zeigte eine offensivschwache erste, dafür aber eine gute zweite Hälfte. Belohnt wurde das Team für die Steigerung nicht.

  • Tim Danneberg jubelt, Philip Heise und Benjamin Siegert hadern.

    Tim Danneberg jubelt, Philip Heise und Benjamin Siegert hadern. Jean-Marie Tronquet (Jean-Marie Tronquet)

Während die Sandhäuser auf dem Platz und im Kabinentrakt lauthals feierten, ärgerten sich die Hausherren über den vergebenen Sieg. "Wir waren in der zweiten Hälfte klar besser, diese Feiereri hätten wir uns ersparen können", sagte Aushilfskapitän Jens Truckenbrod. "Ein Aufstieg des Gegners im eigenen Stadion ist nie schön."

Wieder einmal wirbelte Trainer Pavel Dotchev seine Startelf mächtig durcheinander. Für die angeschlagenen Stefan Kühne (Achillessehnenentzündung) und Rico Schmider (Oberschenkelzerrung) liefen Dominique Ndjeng im Abwehrzentrum und Julian Westermann auf der Sechs auf. Umstellungen gab's auch vorne. Nejmeddin Daghfous rückte ins Team und auf die ungewohnte linke Seite. Massimo Ornatelli begann als hängende Spitze hinter Björn Kluft. Marco Königs blieb erneut draußen. Die angeschlagenen Patrick Huckle und Joe Vunguidica standen wie Kühne gar nicht erst im Aufgebot.

Fallrückzieher von Daghfous

Das Spiel kam nur langsam in die Gänge, Vorteile hatten aber die Hausherren. Eine höchst artistische Fallrückzieher-Einlage von Daghfous war mehr was fürs Auge, als dass er damit Keeper Daniel Ischdonat gefährden konnte (10.). Ansonsten viel Leerlauf in den ersten 20 Minuten. Was nicht unbedingt gegen die Preußen sprach, denn gegen den zweitbesten Sturm der Liga ließen sie erstmal keine Chancen zu. Nach vorne passierte allerdings ebenfalls selten Zielführendes. Lange Bälle und hohe Flanken schieden als Stilmittel ohnehin schon mal aus in Ermangelung an großgewachsenen Spielern auf dem Rasen.

Sehr erstaunlich war es also, dass Westermann nach einem Ornatelli-Freistoß mit dem Kopf an den Ball kam (21.). Der flog drüber, die Szene ging als halbe Chance durch. Ein erster Appetithappen des Spitzenreiters folgte nach einer Ecke, Daniel Schulz köpfte den Ball auf den langen Pfosten, wo aber Philip Heise klärte (24.). Jetzt aber wurde der SVS wach. Julian Schauerte flankte aus dem Halbfeld, Frank Löning schob die Kugel aus kurzer Distanz ganz knapp vorbei (29.). Im dritten Versuch dann war der Ball drin. Roberto Pinto verlud rechts Heise, brachte den Ball dann präzise an den Fünfer, wo Tim Danneberg hochstieg und völlig freistehend zum 1:0 einköpfte (32.).

Breites Gäste-Mittelfeld

Münsters Waffen in der Offensive blieben dagegen stumpf. Westermann und Truckenbrod hatten alle Hände voll zu tun mit dem breiten Gäste-Mittelfeld (4-1-4-1-), Benjamin Siegert war weitgehend lahmgelegt, Daghfous verzettelte sich zu oft, Ornatelli war nicht richtig drin im Spiel - und Kluft war zwar wieder viel unterwegs, lamentierte aber auch wegen fehlender Unterstützung. Münsters Team, in dem nur drei Akteure einen Vertrag für die kommende Saison besaßen, lieferte keine gute erste Hälfte ab, hatte sogar Glück, dass Löning, der sich wieder am langen Pfosten abgesetzt hatte, nach einem Pinto-Freistoß knapp verzog (45.).

Dotchev hatte registriert, dass sich in der Offensive viel zu wenig tat und ließ Kluft und Daghfous die Positionen tauschen. Leichte Besserung trat ein, Ornatelli kam mal zu einem der ganz seltenen Abschlüsse (51.). Etwas mehr Spielkontrolle verschafften sich die Gastgeber. Dass es so schnell zum Ausgleich kommen würde, zeichnete sich aber nicht ab. Doch dann drang Ornatelli in den Strafraum, hielt aus spitzem Winkel scharf drauf, Ischdonat hatte den Fuß noch dazwischen, den Abpraller knallte Kluft dann aber wuchtig ins lange Eck aus drei Metern (55.).

Attacken des SCP

Ja, was war denn nun los? Plötzlich ein völlig anderes Spiel. Der Torschütze hätte nach einer Konter-Kombination über Daghfous und Ornatelli beinahe das Ergebnis komplett gedreht, Ischdonat klärte aber so gerade (58.). Beim anschließenden Eckball köpfte Ndjeng knapp drüber (59.). Nur noch Münster attackierte jetzt, schaltete schnell um. Seltsam, dass nach dieser einfallslosen ersten Halbzeit nun stete Gefahr vom SCP ausging. In manchen Situationen wirkte es fast so, als schwimme der baldige Zweitligist. Der Aufsteiger spielte ganz frech, streute schöne Aktionen ein, auch wenn die Mega-Möglichkeiten noch auf sich warten ließen. Truckenbrod zielte einmal vorbei aus spitzem Winkel (73.). Vom Gast kam gar nichts mehr. Bis zur 83. Minute. Da legte Löning nach einem langen Freistoß perfekt mit der Stirn ab für Danneberg, der unbedrängt aus kurzer Distanz eindrosch. Das 2:1! Der Schütze hatte sich so eben zum Aufstiegshelden gemacht - und nebenbei den Preußen die zweite Heimniederlage der Saison zugefügt.
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SCP: Schulze Niehues - Bourgault, Ndjeng, Hergesell, Heise - Truckenbrod, Westermann (84. Schmider) - Siegert (87. Vujanovic), Ornatelli, Daghfous (60. Königs) - Kluft
SVS: Ischdonat - Schauerte, Pischorn, Schulz, Kandziora - Fiesser (66. Glibo) - Pinto, Danneberg, Ulm (78. Kittner), Öztürk (60. Blum) - Löning
Schiedsrichter: Harm Osmers (Hannover)
Tore: 0:1 Danneberg (32.), 1:1 Kluft (55.), 1:2 Danneberg (83.)
Zuschauer: 5135
Autor
Thomas Rellmann
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    21. April 2012, 13:51 Uhr
    Aktualisiert:
    22. April 2012, 13:29 Uhr
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