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Medienhaus Lensing
FC Schalke 04
13.04.2010 15:00 Uhr
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Assauer im Interview: "Beim DFB ist keine klare Linie zu erkennen"

DORTMUND Er hat sich nie einen Maulkorb umlegen lassen. Rudi Assauer, ehemaliger Manager des Fußball-Bundesligisten Schalke 04, übt im Interview Kritik am DFB und spricht über die Meisterschaftschancen "seiner" Königsblauen.Von Gerd Strohmann und Hermann Beckfeld

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Immer ein Freund des offenen Wortes: Rudi Assauer (Foto: Sat.1)

Rudi Assauer, sind Sie so freundlich und verraten uns, wer deutscher Fußball-Meister wird?
Rudi Assauer: Es bleiben ja nur noch zwei Aspiranten übrig, Leverkusen hat sich ja wohl aufgegeben. Bayern ist sicher der Favorit, sie müssten schon einen dicken Bock schießen, wenn sie sich da noch runterhauen. Aber jede Überheblichkeit macht es wieder spannend.

 Lange Zeit war Leverkusen auf dem Platz an der Sonne...
Assauer: Ich weiß nicht, was da los ist. Sie haben einen erfahrenen Trainer mit Jupp Heynckes und lassen auf einmal die Flügel hängen, brechen fast zusammen. Da kommt dann Schalke mit einer Jugend-Truppe und spielt sie an die Wand.

Sind Sie denn zufrieden mit „Ihren“ Schalkern?
Assauer: Die jungen Burschen lernen noch dazu, da bin ich mir sicher. Aber sie verlieren eben auch Spiele, dass du sagst: Ach du lieber Gott. Wie jetzt gerade in Hannover.

Haben Sie Ihre Erwartungen übertroffen?
Assauer: Absolut! Ich habe gesagt, wenn sie unter die ersten Drei oder Vier kommen, dann spielen sie ein Riesenjahr. Und danach sieht es ja wohl aus. Da wird sicher nicht der Fußball auf hohem Niveau zelebriert, aber sie arbeiten Fußball, sie ackern und malochen auf dem Platz. Und das ist aller Ehren wert.

Und wenn die Königsblauen doch noch Meister werden, feiern Sie dann mit auf dem Balkon?
Assauer (lacht): Wenn ich auf den Balkon wollte, müsste ich ja ein paar andere runterschubsen. Nein, da gibt es auch keine Wehmut mehr, das Kapitel ist ad acta gelegt.

Und das sollen wir glauben?
Assauer: Ja, das sollten Sie. Die Kontakte sind gleich Null, das tut auch nicht mehr weh. Es ist jetzt eine andere Welt, eine andere Denke. Lassen wir es dabei.

Welchen Anteil hat Felix Magath an dem guten Abschneiden des FC Schalke?

Assauer: Sicher zu 100 Prozent. Denn das ist ja nun sicher keine Zuckertruppe. Es ist schon eine Sensation, mit der ich nun wirklich nicht gerechnet habe.

Was ist sonst für Sie die Überraschung der Saison?
Assauer: Sicher die starken Frankfurter. Erstaunlich, was mein alter Kumpel Michael Skibbe da ohne wirklich große Spieler rausholt. Aber eigentlich kein Wunder, er ist bei uns ja glänzend ausgebildet worden.

Wer ist für Sie der Aufsteiger der Saison?
Assauer: Ich freue mich immens, dass Kevin Kuranyi wieder zu alter Stärke gefunden hat. Er ist wieder so locker, dass er sich sagt: Gleich kommt der Ball in den Strafraum, und dann hau ich ihn auch rein.

Raten Sie Bundestrainer Löw, ihn zur WM mitzunehmen?
Assauer: Sportlich gibt es da ja wohl keine Einwände, denn wir haben ja nicht ein paar Bessere. Aber warum soll ich mich da einmischen? Das ist doch manchmal das reinste Kasperltheater. Da hat einer eine Idee, der andere sagt nein, alles geht durcheinander. Ich erkenne da keine klare Linie mehr.

Ihre Kritik richtet sich offenbar direkt an den DFB?
Assauer: Nun, er gibt in diesen Zeiten sicher kein gutes Bild ab. Vieles ist nicht mehr verständlich, ich frage mich oft, was haben die da eigentlich vor. Jahrzehntelang hat man dort super gearbeitet, jetzt gibt es ständig Ärger. Die Außenwirkung ist aktuell katastrophal.

Was sich bis zur WM kaum noch ändern dürfte...
Assauer: Das ist es ja, wir sollten dringend dafür sorgen, uns vernünftig und erfolgversprechend auf die WM vorzubereiten. Aber wie soll das gehen, wenn sie sich gegenseitig nicht angucken. Der eine ist beleidigt, der andere will das nicht, da wackelt einfach zu viel. Und dann darf jeder auch kommentieren. Etwa Matthias Sammer. Der erzählt immer gleich ein ganzes Buch, der muss ja ein Fachwissen haben, das ist ja unglaublich.

Was trauen Sie der Mannschaft denn bei der WM zu?
Assauer: Man muss arge Bedenken haben. Nicht nur wegen der Qualität der Mannschaft, sondern wegen des ganzen Drumherums.

Würden Sie mit Manuel Neuer oder Rene Adler spielen?
Assauer: Mit Manuel, keine Frage. Der hat was im Kopf, hat ein Klasse-Elternhaus, der ist ein guter Typ. Und er ist besser als Rene, trotz des Spiels am letzten Samstag in Hannover.

Sie besuchen immer noch die Schalker Heimspiele. Sie gelten als Vater der Arena. Betreten Sie sie mit Stolz?

Assauer: Was nutzt der Stolz, wenn man nichts mehr zu sagen hat. 


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