Leichtathletik: Betty Heidler packt den Hammer aus: "Das fuchst mich immer noch"
DORTMUND So einfach ist das. „Mein Ziel ist es einfach, weit zu werfen und zu gewinnen“, sagt Hammerwurf-Europameisterin Betty Heidler vor dem Continental Cup (ehemals Weltcup) am Wochenende in Split. Vorher stellte sie sich den Fragen von RN Redakteur Gerd Strohmann.
Daumen hoch: Hammerwurf-Europameisterin Betty Heidler. (Foto: dpa)
Betty Heidler: Aber natürlich, warum denn nicht?
Kürzlich beim ISTAF in Berlin, an einem Sonntag, fand das Hammerwerfen am Samstag allein und verlassen auf einem Nebenplatz statt.
Heidler: Erinnern Sie mich nicht, das fuchst mich immer noch. Dann hätten sie den Wettbewerb gleich streichen sollen.
Aber Sie waren vorgewarnt.
Heidler: Es hieß im Vorfeld, das Hammerwerfen der Frauen am Samstag würde richtig beworben, es kämen 10 000 Zuschauer. Aber es kamen keine 100, alles war eindeutig auf den Sonntag ausgelegt. Das ist respektlos gegenüber einem Weltklassefeld. Ich werde mir sehr überlegen, ob ich da noch mal mitmache.
Sonst haben Sie aber ein perfektes Jahr hinter sich?
Heidler: Perfekt ist ein großes Wort, aber es war ein sehr, sehr gutes Jahr. Jemand hat mir gesagt, ich hätte nur erste und zweite Plätze belegt. Und der EM-Titel ist die Krönung. Ja, es hat alles geklappt.
Was hat dieses Jahr ausgemacht?
Heidler: Die Konstanz, die ich an den Tag gelegt habe, war auch für mich beeindruckend. Mein Leistungsniveau stimmte, die Technik war stabil, ich hatte immer das Gefühl, da kann nichts schief gehen.
Das Gefühl hatten Sie in den Jahren zuvor nicht immer?
Heidler: Das ist auch ein Prozess. Ich kann mich inzwischen auf meine mentale Stärke verlassen. Früher habe ich viel zu sehr die Dinge um mich herum an mich herangelassen, habe mir einen Kopf gemacht, was wird, was kann passieren. Das ist vorbei, ich konzentriere mich nur auf mich.
Sie haben schon so einige internationale Titel gewonnen und trotzdem heißt es: Betty Heidler ist einen harten Weg über die letzten sechs Jahre gegangen. Ist dieses Urteil nicht zu hart?
Heidler: Vielleicht geht man etwas streng mit mir um, so viele Ausrutscher gab es gar nicht. Aber natürlich gab es ein paar kleine Katastrophen, wie das Scheitern bei der WM in Helsinki und das schlimme Aus bei Olympia in Peking. Das prägt dann manchmal die öffentliche Meinung.
Manchmal sind Negativerlebnisse auch heilsam...
Heidler: Stimmt, man lernt soviel daraus. Weil man die Gründe sucht, weil man die Technik analysiert, weil man Fehler abstellen kann. Und am Ende heißt es dann: Da steht alles richtig!
Und nun sind Sie an dem Punkt, an dem Sie ihre Erfolge und Titel auch versilbern können?
Heidler: Ich will mich auf jeden Fall nicht beklagen. Für meinen Lebensunterhalt sorgt meine Anstellung bei der Bundespolizei. Das, was durch den Sport in die Kasse kommt, ist mein Zubrot. Das ist sicher nicht vergleichbar mit dem, was Sprinter verdienen können, aber auch bei einer erfolgreichen Hammerwerferin macht es sich bemerkbar. Doch, das kann man so sagen.
Haben Sie nebenbei überhaupt noch Zeit für Ihr Jurastudium?
Heidler: Im Winter auf jeden Fall, da studiere ich intensiv. Aber im Moment ist es immer noch so: Das Training geht vor, die Uni bastel` ich so drumherum.
Gönnen Sie sich auch mal Urlaub?
Heidler: Ja, gleich nächste Woche fange ich an. Dann wird abtrainiert, das sieht so aus: Radfahren, Inlineskaten, Reiten. Sitzen kann ich nicht.
Betty Heidler fehlen sportlich noch zwei Dinge: der Weltrekord und der Olympiasieg. Sie haben die Wahl?
Heidler: Wenn nicht beides geht, dann der Olympiasieg. Das wäre das Höchste.













