Pro & Kontra: Ist Gladbach reif für den Europacup?
DORTMUND Satte 16 Punkte und nur drei Gegentore nach sieben Spielen, bislang als einziges Team den FC Bayern bezwungen, auf Tabellenplatz drei geführt – Borussia Mönchengladbach überrascht in der Bundesliga.
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Lucien Favre, der „Fohlen“-Flüsterer, ist kein Zaunkönig, der mit Megafon und Fans lautstark einen Heimsieg in der Kurve bejubelt. Und das, obwohl Mönchengladbach derzeit auf dem dritten Rang liegt, obwohl der Schweizer in seinen 19 Borussia-Spielen satte 36 Punkte (nur Bayern und Bayer waren in dieser Phase besser) geholt hat, obwohl seine Elf den bajuwarischen Überfliegern als einzige Mannschaft die Flügel stutzen konnte.
Fünf Siege
Damals, nach dem 1:0-Überraschungssieg, hatte der Tenor das Motto: Auch blinde „Fohlen“ finden mal etwas Hafer. Und auch nach inzwischen sieben Spielen, fünf Gladbacher Siegen, einem Remis und nur einer Niederlage, sei es in etwa so sinnvoll, Prognosen für den Saisonverlauf zu wagen, wie heute das Wetter an Weihnachten vorherzusagen.
Doch erinnern wir uns einfach mal bewusst an den Schnee von gestern: Mainz grüßte nach sechs Runden von Rang eins, Hannover als Dritter, und beide waren an die Spitze gekommen, um zu bleiben, zogen am Ende in die Europa League ein.
Gefährliche Mischung
Das kann auch Gladbach. Favres Philosophie vereint Elemente aus den Erfolgsmodellen der vergangenen Saison: Mainzer Spielfreude trifft hier auf eiskalten 96-Konterfußball, eine gefährliche Mischung – allerdings für den Rest der Liga.
Zwar mahnt der 53-Jährige: „Wir dürfen nicht vergessen, wo wir herkommen.“ Doch die geglückte Relegation schweißt zusammen, aus der nervlichen Extremerfahrung kann Großes entstehen. Nur eines wird auch im Erfolgsfall nicht geschehen: Dass wir Lucien Favre als Schweizer Feierbiest sehen.
Kontra: Zu viel Euphorie (von Gerd Strohmann)
Jetzt mal langsam mit den jungen Fohlen, die da einigen Phantasten in ihren schönsten Träumen schon wieder schwungvoll aus der Realität davongaloppieren. Ist ja auch richtig schön, so ein Platz drei nach sieben Spieltagen, mit einer prächtig funktionierenden Defensive, die erst drei Gegentreffer zugelassen hat.
Zügel anziehen
Aber wer es gut meint mit den Gladbachern, der sollte in seinen Erwartungen jetzt zügig die Zügel anziehen. Denn auf der Weide, auf der die Fohlen da gerade grasen, gibt es nicht nur gesundes grünes Futter. „Könige der Minimalisten“, so betitelte die Frankfurter Rundschau gerade die Rheinländer, die Gefahr ist erkannt, und sie wird zunehmend auch gebannt werden.
Denn diese vielen 1:0-Siege, die die Fohlen in der Tabelle so herrlich nach oben getrieben haben, sie haben ja System. Hinten die Reihen geschlossen, vorn jede Menge Geduld, irgendwann klappt das schon.
Reichlich Schwächen
Aber das kann auf Dauer nicht gehen, weil die Klasse der Bayern, die Kreativität der Dortmunder Borussen, die Erfahrung der Bremer und die individuelle Qualität der Schalker fehlen. Gladbach war vor wenigen Monaten noch dem Abstieg geweiht, weil es reichlich Schwächen hat, weil der Kader nicht ausgeglichen genug ist, weil das Team keine Konstanz hat.
Und es hat sein Gesicht kaum geändert. Lucien Favre ist ein exzellenter Trainer, aber kein Zauberer. Bisher ist er vom Erfolg geküsst, aber beim Misserfolg ist er auch bei der Berliner Hertha gescheitert. Gönnen wir den Fohlen den Aufschwung, bis zum Spitzenteam ist es noch ein weiter Weg über viele saftige Weiden.














