Interview: Mathias Richling über Politik, Kabarett und das Zelten

BOCHUM Mathias Richling ist ein Beobachter der Politik, entlarvt in seinem Kabarett-Programm Worthülsen und Sprechblasen der Mächtigen. Am 3. September ist er Gast des Zeltfestivals Ruhr. RN-Redakteur Benedikt Reichel sprach mit ihm und erfuhr, warum Richling mit Winfried Kretschmann zelten gehen würde.

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  • Mathias Richling tritt mit seinem aktuellen Programm "Der Richling-Code" am 3. September beim Zelfestival Ruhr auf.

    Mathias Richling tritt mit seinem aktuellen Programm "Der Richling-Code" am 3. September beim Zelfestival Ruhr auf. Foto: Rafael Kroetz

  • Mathias Richling tritt mit seinem aktuellen Programm "Der Richling-Code" am 3. September beim Zelfestival Ruhr auf.

    Mathias Richling tritt mit seinem aktuellen Programm "Der Richling-Code" am 3. September beim Zelfestival Ruhr auf. Foto: Rafael Kroetz

  • Mathias Richling tritt mit seinem aktuellen Programm "Der Richling-Code" am 3. September beim Zelfestival Ruhr auf.

    Mathias Richling tritt mit seinem aktuellen Programm "Der Richling-Code" am 3. September beim Zelfestival Ruhr auf. Foto: Rafael Kroetz

  • Mathias Richling tritt mit seinem aktuellen Programm "Der Richling-Code" am 3. September beim Zelfestival Ruhr auf.

    Mathias Richling tritt mit seinem aktuellen Programm "Der Richling-Code" am 3. September beim Zelfestival Ruhr auf. Foto: Rafael Kroetz

Ich wage zu bezweifeln, dass ich Ihnen eine Frage stellen kann, die sie nicht schon drei Mal beantwortet haben. Daher drehen wir den Spieß um. Sie bekommen die erste Frage.
(Lacht) Das ist wunderbar. Traumhaft. Also, wenn ich klassisch fragen soll, dann würde ich fragen: Wie machen Sie das eigentlich. Das würde mich mal interessieren. Das ist die meist gestellte Frage: Herr Richling, wenn Sie Figuren spielen, wie machen Sie das eigentlich? Daher frage ich Sie: Wenn Sie schreiben, wie machen Sie das eigentlich?

Ich lege beide Hände auf die Tastatur und drücke mit teils recht starkem Druck die Tasten nach unten…
Sehr erstaunlich. So einfach kann das sein. Seit Jahren plagt mich diese Frage.

Herr Richling, ich habe Sorge, dass das zu persönlich wird. Ich übernehme wieder.
Ja, gut.

Wann haben Sie das letzte Mal gezeltet?
Noch gar nie. Ich bin kein Camper. Das ist zu unvorhersehbar. Dann stürzt das Zelt ein, dann kommen die Schnaken rein, man hört den Nachbarn schnarchen. Nein, das ist nichts für mich.

Das sind viele negative Assoziationen…
Wahrscheinlich ist das auch eine pränatale Geschichte. Als Kind hatten wir eine Wohnung in der Nähe eines Zeltplatzes, ich habe da abends mit Kindern gespielt und bin dann im Halbdunkeln denen hinterher gerannt und habe mich stranguliert - an so einer Leine. Ich fahr auch kein Motorrad, nachdem ich einmal runtergefallen bin. Wollten Sie mich irgendwohin einladen?

Nein…
Achso, Sie meinen, weil ich am 3. September im Zelt spiele. Wie originell.

Hätte ja sein können, dass Sie auch positive Erinnerungen haben.
Ans Spielen im Zelt sehr wohl. Kurioserweise. Die Zuschauer, die dorthin kommen, sind für die Umgebung im Zelt dermaßen trainiert, dass die Stimmung besser ist, wenn es regnet, als wenn die Sonne schein.

Man lernt im Zelt Menschen sehr gut kennen. Mit welcher Figur aus ihrem Programm können Sie sich vorstellen zu zelten?
Schwierig. Sehr schwierig. Entweder schläft man 20 Tage vorher, so dass man die Nacht über jemanden beobachten kann, dann wäre Herr Westerwelle hoch interessant. Ob der wirklich so verzwungen und verkorkst ist im normalen Leben wie auf der politischen Bühne? Aber es gibt ja auch sehr freundliche Politiker. Herr Kretschmann (Grüner Ministerpräsident in Baden-Württemberg / Anm. d. Red.) würde mich sehr interessieren.
    
Ich glaube, er hat Zelt-Erfahrungen.
Worüber auch immer ich mich aufregen würde beim Zelten, er würde mir erklären, dass es so sein muss, und ich würde es verstehen.

Wie lernen Sie eine Figur für Ihr Programm kennen? Gucken sie täglich stundenlang Phönix oder beschatten Sie diese Menschen persönlich?
Stalking? Nein, das nicht. Das geht nach so vielen Jahren sehr schnell. Es ist wie bei einem Zahnarzt, der ins Gebiss schaut und genau weiß, wo etwas faul ist, wo er bohren muss. So erkennt man das instinktiv sehr gut. Ich habe zudem einen sehr guten Regisseur, den Günter Verdin.

Brauchen wir denn noch politisches Kabarett? Politik wirkt derweil auch ohne Kabarettisten sehr humorvoll.
Das ist richtig. Der Witz ist, dass die Zuschauer der Politik dies zwar sehen, es aber meist immer noch für etwas Ernstes halten. Dass man ihnen wahnsinnig viel Mist erzählen kann und sie einen trotzdem noch wählen. Ich habe Politiker in meinem Programm daher manchmal wörtlich zitiert. Ihre Sätze sind teilweise unglaublich austauschbar.

Wenn der Kabarettist Richling die Politik entlarvt, stelle ich mir das für den Mensch Richling als Staatsbürger sehr frustrierend vor.
Das stimmt. (Lacht.)

Sie müssen der politikverdrossenste Mensch sein…
Das ist völlig richtig. Aber wenn Sie sich mal umschauen, wie verdrossen die Leute teilweise mit ihrem Leben sind. Ich bin dafür zufrieden mit meinem Leben. Das gleicht sich wieder aus. (Pause.) Aber wir sind in einer Umbruchzeit, der Wähler wird sich dessen bewusst. Die Leute lassen sich das nicht länger gefallen. Das sehen wir hier in Baden-Württemberg.

Jetzt sprechen sie von Stuttgart 21?
Stuttgart 21 ist von dem, wie es bewältigt wurde, ein ähnlich revolutionäres Ereignis wie 1989. Wir hatten keine Mauer, sind nicht unterdrückt worden. Aber die Ossis haben 40 Jahre gebraucht, bis sie gemerkt haben, dass sie eine Demokratie wollen. Wir haben 60 Jahre gebraucht, bis wir gemerkt haben, dass wir schon eine haben.

Eine Revolution aus dem Schwabenland…
Der Rest Deutschlands hat das noch nicht ganz verstanden. Aber wir hier sind schon soweit (lacht). Wir Schwaben werden immer so behäbig dargestellt. Aber wir sind Vorreiter. Wir haben den ersten grünen Regierungschef weltweit.

Wie viel politisches Wissen braucht man, um ihrem Programm folgen zu können?
Gar keins. Ich kann keine Informationsvorleistung geben. Das müssen die Medien machen. Ich kann nur Dinge bearbeiten, von denen ich erwarte, dass die Leute sich damit beschäftigt haben. Aber man muss auch nicht alles verstehen, an einem Abend. Wenn Sie ein Buch lesen und es einige Zeit später nochmals lesen, werden Sie
feststellen, dass Ihnen auch vieles entgangen ist. Man nimmt nur das mit, womit man sich persönlich beschäftigt.

"Der Richling-Code"

Mathias Richling ist am Samstag, 3. September, mit seinem aktuellen Programm „Der Richling-Code“ beim Zeltfestival. Niemand aus Politik und Show bleibt verschont – sei es Bundeskanzlerin Angela Merkel, der erste grüne Ministerpräsident Winfried Kretschmann oder Altkanzler Helmut Schmidt. Der Kabarettabend beginnt um 20 Uhr, Einlass ist eine Stunde zuvor. Karten für Mathias Richling gibt es an den bekannten Vorverkaufsstellen.  
 
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