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Julian Brandt spielt eine herausragende Rückrunde. Der Nationalspieler kann Bayer Leverkusen im Sommer für rund 25 Millionen Euro verlassen. Die Frage lautet, ob er das möchte - und zum BVB will.

Dortmund

, 13.03.2019 / Lesedauer: 4 min

Ausstiegsklauseln können manchmal eine fiese Sache sein, Borussia Dortmund weiß das nur zu gut. Mario Götze hat 2013 für diese bittere, wenn auch gut bezahlte Erkenntnis gesorgt. 37 Millionen Euro, ab nach München - der BVB musste hilflos zusehen, wie einer der talentiertesten Fußballer der Vereinsgeschichte ausgerechnet zum FC Bayern wechselte.

Das letzte Wort hat der Spieler

Ausstiegsklauseln können manchmal allerdings auch eine wunderbare Sache sein, auch das weiß Borussia Dortmund nur zu gut. Marco Reus ist der wohl prominenteste Beweis. 17 Millionen Euro, zurück nach Dortmund - aus heutiger Sicht einer der besten Transfers der Vereinsgeschichte. In diesem Fall blieb der anderen Borussia, der aus Mönchengladbach, die schmerzhafte Rolle des machtlosen Zuschauers. Auch Axel Witsels Wechsel im vergangenen Sommer wäre ohne Ausstiegsklausel wohl nicht realisierbar gewesen.

Mal gewinnt man, mal verliert man - so ist das mit Ausstiegsklauseln, die Spielerberater gerne in den Verträgen ihrer Klienten verankern, weil sie das Heft des Handelns lieber im eigenen Besitz behalten möchten, als es an die Verantwortlichen des Klubs weiterzureichen. Das letzte Wort hat der Spieler, nicht der Klub.

Unruhe in Leverkusen

Bei Bayer Leverkusen sorgt dieser Umstand derzeit durchaus für Unruhe. Julian Brandt, 22 Jahre alt, als Fußballer vielleicht sogar ein bisschen vergleichbar mit dem Spieler Götze im Jahr 2013, hält das Heft des Handelns ebenfalls in der Hand. Wenn er möchte, kann er in diesem Sommer wechseln, für eine feste und in diesen Tagen – so verrückt das klingen mag - fast spöttisch niedrige Ablösesumme von rund 25 Millionen Euro. Brandts eigentlicher Marktwert wird auf gut 45 Millionen Euro geschätzt. Tendenz steigend.

Macht der BVB ernst? Julian Brandt wird durch Ausstiegsklausel zum Objekt der Begierde

Beim Leverkusener 2:3 in Dortmund spielte Brandt (l.) groß auf. © dpa

Allein dieser Umstand ruft Interessenten auf den Plan, auch Borussia Dortmund. Brandt ist nicht nur ein außergewöhnlich guter Fußballer, er ist auch ein außergewöhnlich sicheres Investment. Die Tatsache, dass Brandt bei der Weltmeisterschaft in Russland im vergangenen Sommer eine der wenigen positiven Erscheinungen in der deutschen Nationalmannschaft war, in dieser Saison in der Liga auf 14 Scorerpunkte (vier Tore, zehn Vorlagen) kommt und in der Rückrunde unter dem ehemaligen BVB-Trainer Peter Bosz vollends aufblüht (drei Tore, sieben Vorlagen), liefert weitere gute Gründe, um mal bei Papa Jürgen Brandt, gleichzeitig Berater des Sohnemanns, vorstellig zu werden und nachzufragen, wie die Zukunftspläne des Mittelfeldspielers so aussehen.

Dritte Saison ohne Champions League?

Denn eigentlich ist genau das der springende Punkt. Brandt kann selbst entscheiden, wie es weitergeht, weil seine festgeschriebene Ablösesumme nicht abschreckt, sondern magnetisch anzieht. Bislang hat sich der gebürtige Bremer stets so geäußert, dass die Verantwortlichen in Leverkusen ihren Optimismus noch nicht verloren haben, Brandt auch in der kommenden Saison unterm Bayer-Kreuz tricksen zu sehen. Zumal er in der vergangenen Saison seinen ursprünglich 2019 auslaufenden Vertrag bis 2021 verlängert hat. „Da ich genau weiß, was ich für die Zukunft will und mich hier wohlfühle, weiß ich nicht, warum ich gehen sollte“, hat Brandt gesagt.

„Deshalb gibt es keinen Grund, über etwas anderes nachzudenken.“
Mario Götze wenige Monate vor seinem Wechsel zum FC Bayern

Die Ausstiegsklausel aber ist trotz der Vertragsverlängerung geblieben. Brandt ist zwar doppelt so teuer geworden, kostet jetzt 25 statt 12 Millionen Euro, läuft aber dennoch weiterhin mit einem Schnäppchen-Schild um den Hals über den Transfermarkt. Viel dürfte bei seiner Entscheidung davon abhängen, ob sich die Werkself, derzeit Tabellensechster mit vier Punkten Rückstand auf die Champions-League-Ränge, noch für die Königsklasse qualifiziert. Eine dritte Saison in Serie ohne die größte aller Fußballbühnen könnte Brandts Wunsch nach einer neuen Herausforderung entscheidend vergrößern.

Sollte es so kommen, wird der BVB seinen Hut in den Ring werfen, auch wenn Michael Zorc gegenüber dieser Redaktion sagt: „Wenn wir alle Spieler verpflichten würden, die in der Presse gehandelt werden, dann müssten wir das Stadion nochmal verkaufen.“ 25 Millionen Euro für Brandt wären allerdings auch so noch übrig.

„Am perfekten Fleck“

Am Ende entscheidet der Spieler. Noch wähnt sich Brandt bei Bayer „am perfekten Fleck“, was bei Mario Götze und Borussia Dortmund 2013 ganz ähnlich war. Er könne sich vorstellen, noch lange beim BVB zu bleiben, hatte Götze damals im Januar gesagt. Sein Vertrag laufe bis 2016. „Deshalb gibt es keinen Grund, über etwas anderes nachzudenken.“ Im April, keine vier Monate später, griff die Ausstiegsklausel - und Götze vermutete seinen perfekten Fleck in München.

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