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Tore wie am Fließband schürten eine übergroße Erwartungshaltung an BVB-Stürmer Paco Alcacer - die konnte er natürlich nicht erfüllen. Doch die Ursachen für die Ladehemmung liegen tiefer.

Dortmund

, 21.02.2019 / Lesedauer: 4 min

Es gab keinen Widerspruch. Mit der wärmenden spanischen Sonne im Gesicht und der starken Hinrunde im Rücken wirkte die Zuversicht von Paco Alcacer (25) fast zu bescheiden. Es hätte ja kaum besser laufen können für den Dortmunder Torjäger mit der Ausnahme-Quote seit seinem Wechsel zum BVB im Sommer 2018.

Viele offene Fragen bei Paco Alcacer

„Wir hoffen“, sagte er im Trainingslager in Marbella demütig, „dass es in der Rückrunde so weitergeht.“ Sechs Wochen später gesellen sich zu Alcacers Zurückhaltung ernsthafte Zweifel. Ist der Spanier tatsächlich der Ausnahme-Stürmer, als der er hier startete, oder war die sensationelle Effizienz seiner Anfangstage in Deutschland die Ausnahme? Findet Alcacer permanent zu Form und Fitness, oder bleibt er ein Dauerpatient mit wiederkehrenden Problemen und Anpassungsschwierigkeiten an die hohen Belastungen?

„Es ist unsere Aufgabe, ihn stabiler zu bekommen, dass diese Muskelverletzungen Ausnahmen bleiben.“
Michael Zorc

Seit fünf Monaten ist Alcacer Borusse. Mehr als zwei Monate davon, genau 62 Tage, sind als Fehltage verzeichnet, weil er die körperlichen Beanspruchungen nicht gewohnt ist und nicht verträgt. Trotz der intensiven Bemühungen der medizinischen Abteilung kommt Alcacer nicht richtig auf die Beine.

„Es ist unsere Aufgabe, ihn stabiler zu bekommen, dass diese Muskelverletzungen Ausnahmen bleiben“, sagte BVB-Sportdirektor Zorc im Januar. Der Stürmer selber sagt: „Ich muss etwas vorsichtiger sein. Wenn du zwei Jahre lang wenig gespielt hast, dann brauchst du Zeit, um wieder hereinzukommen. Es geht nur peu à peu.“

Die Fakten: Bei 32 Saisonspielen stand Alcacer 24 Mal im Kader, neunmal in der Startelf. Nach seinen 13 Einwechslungen traf er zehn Mal. In der Bundesliga spielte er nie durch, nur zweimal in der Champions League. Weil er aber so unfassbar gut einschlug, für seine ersten neun Tore ganze 237 Minuten benötigte, zog der BVB bereits am 23. November die 25 Millionen Euro teure Kaufoption für den bis dahin vom FC Barcelona nur ausgeliehenen Angreifer, der dies als „einen Vertrauensbeweis“ bewertete. Alcacers ist bis Sommer 2023 an den Klub gebunden. Und der Klub, so scheint es, auch von ihm abhängig.

Paco Alcacers Quoten-Knick hat tieferliegende Gründe

Erst Jokertore in Serie, jetzt seit sieben Spielen ohne Treffer: BVB-Stürmer Paco Alcacer fehlen aktuell die nötige Fitness und Sturmpartner Marco Reus. © Fotos: imago/ Grafik: Klose

Neben Alcacer kann nur Superstar Marco Reus auf eine gefällige Torproduktion verweisen. Zorc: „Wir können nicht wochenlang Marco Reus und Paco Alcacer ersetzen. Da fehlen uns allein in der Bundesliga zwei Spieler mit zusammen 25 erzielten Toren.“ Gerade auf das Zusammenspiel der beiden Netzausbeuler kann der BVB nicht verzichten.

Mit Marco Reus fehlt Paco Alcacer ein Vorlagengeber

„Marco hat seinen Anteil an meinem Spiel“, sagt Alcacer, „wir verstehen uns auf und neben dem Platz sehr gut.“ Das Wechselspiel der Mittelstürmer mit ihm und Götze ging auf, solange Reus in der Zulieferung mitwirkte. Ohne ihn kann auch Alcacer seine Dynamik und seine Technik seltener ausspielen, seinen herausragenden ersten Kontakt und den zielsicheren Abschluss nicht so oft anbringen.

Paco Alcacers Quoten-Knick hat tieferliegende Gründe

Bremes Schlussmann Jiri Pavlenka hatte mit dem Elfmeter von Paco Alcacer keine Mühe. © imago

Im DFB-Pokalspiel gegen Werder Bremen scheiterte der Spanier eher schmählich vom Elfmeterpunkt und zog gefrustet von dannen. Aus der Hoffnung, „dass es in der Rückrunde so weitergeht“, ist eine vage Frage geworden.

Ein robuster Stürmer fehlt im BVB-Kader

Mario Götzes Treiben in der Offensive ist vor allem in Sachen Engagement aller Ehren wert, doch ein Knipser wird aus ihm nicht. Er sucht eher die Breite des Feldes, liefert lieber den Impuls als den Einschlag. Ein robusterer Stürmertyp, der im Strafraum ein Kopfballduell gewinnen und im Zentrum den Ball behaupten kann, fehlt im Borussen-Kader. Trainer Lucien Favre hält so einen Spieler für verzichtbar.

Paco Alcacers Quoten-Knick hat tieferliegende Gründe

Die BVB-Spieler mit den meisten Toren in der laufenden Bundesliga-Saison.

Die Partien in Tottenham und Nürnberg zeigten ein anderes Bild. Zum ersten Mal seit vier Jahren blieb der BVB zweimal hintereinander ohne Torerfolg. Nur mit Dribblings und Kombinationen geht es halt auch nicht. Seine Elf, fordert Favre, solle alle Spielsituationen beherrschen. Eine Brechstange liegt nicht im Werkzeugkasten.

Alcacer wartet seit dem 18. Dezember auf ein Tor

Von Alcacer zu erwarten, dass er weiter Buden im Akkord beisteuert wie bis in den November hinein, wäre illusorisch. Zu erwarten, dass er mit verbesserter Fitness wieder in Torlaune kommt, muss erlaubt sein. In Dortmund wartet er seit dem 18. Dezember auf einen Torjubel. Eine derart lange Wartezeit soll die Ausnahme bleiben beim Ausnahme-Stürmer.

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