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Angeklagter Tennislehrer hatte fast eine Million Fotos auf den Handys

hzTennislehrer-Prozess

Die Ermittlungen gegen den Tennislehrer aus Dorsten sind für die Polizei eine echte Herausforderung. Auf den Handys des Angeklagten sollen fast eine Million Fotos gespeichert worden sein.

Dorsten/Essen

, 30.01.2019 / Lesedauer: 3 min

Alles begann in Köln. Damals hatte eine Frau Anzeige erstattet, weil sie Chatverläufe bei einer Verwandten gesehen hatte. Darin war sie aufgefordert worden, ihre Kinder in sexuelle Handlungen einzubeziehen. Was daraus im Laufe der Ermittlungen geworden ist, hat die Beamten der nun zuständigen Kreispolizeibehörde in Recklinghausen selbst fassungslos gemacht.

Auswertung immer noch nicht abgeschlossen

Auf einem der Handys des Angeklagten sollen rund 860.000 Fotos gespeichert sein. Auf einem weiteren über 100.000. Dazu Chatverläufe mit rund 9000 Frauen. Erst war nur eine Beamtin mit der Auswertung befasst, dann zwei – inzwischen gibt es eine eigene Ermittlungskommission mit sechs Personen. „Das ist sonst einfach nicht zu schaffen“, sagte eine der Beamtinnen am Mittwoch im Prozess am Essener Landgericht. „Wir sind mit der Auswertung immer noch nicht durch.“

Über 50 neue Strafakten sind bereits angelegt worden – alle mit Hinweisen auf Anstiftung zum Kindesmissbrauch. Daraus wird möglicherweise ein weiterer Prozess entstehen.

Außerdem habe sich herausgestellt, dass der Angeklagte im Internet gezielt nach Inzesthandlungen und Kindesmissbrauch gesucht habe. „Danach hat er gegoogelt“, sagte die Beamtin den Richtern. In ganz Deutschland würden inzwischen Ermittlungsverfahren gegen Mütter laufen, die Kontakt zum Angeklagten gehabt hätten.

Frauenbesuche stillschweigend hingenommen

Im Dorstener Tennisverein war der 39-Jährige vor etwas mehr als vier Jahren aufgetaucht. „Er war ein unwahrscheinlich engagierter, tennisverrückter Mensch“, sagte eine Frau aus dem Vorstand als Zeugin. „Er brachte große Begeisterung mit.“

Dass sich der Angeklagte an der Anlage immer wieder mit Frauen getroffen hat, sei natürlich auffällig gewesen. Missbilligt habe man das auch - aber nicht eingegriffen. „Wir haben überlegt: Geht uns das etwas an? Und haben dann gesagt: eigentlich nicht.“

Schwierigkeiten habe es nur gegeben, weil der Angeklagte nicht „greifbar“ und unzuverlässig gewesen sei. Man sei ständig hinter Unterlagen und Unterschriften hergelaufen. Irgendwann habe es dann aber auch Beschwerden gegeben. „Weil er ständig am Handy war.“

„Ich hatte immer das Gefühl, dass er eine Rolle spielt"

Als Mensch habe man den Angeklagten eigentlich gar nicht kennenlernen können. „Ich habe immer das Gefühl gehabt, dass er eine Rolle spielt, dass er nicht echt ist“, so die Zeugin. „Außerdem hat er immer versucht, andere zu manipulieren.“

Die gleichen Beobachtungen hatte man auch in einem Gelsenkirchener Tennisverein gemacht, zu dem der 39-Jährige im Frühjahr 2018 gewechselt war. Dort hatte man ihm schließlich sogar verboten, im Tennisheim nachts noch Frauen zu empfangen. „Wir sind doch hier kein Puff“, soll eine der Mitarbeiterinnen dem Angeklagten direkt ins Gesicht gesagt haben. Er selbst habe jedoch immer bestritten, dass es bei den Treffen um sexuelle Kontakt ging. „Was denkt Ihr denn? Ich bin doch verheiratet.“

So oder so ähnlich sollen seine Antworten gewesen sein.

Im Dorstener Verein soll sogar darüber spekuliert worden sein, ob der Angeklagte vielleicht nebenbei als Callboy arbeitet. Bei den Durchsuchungen der Polizei habe man deshalb auch nicht an Missbrauch gedacht, sondern an Steuerhinterziehung oder Drogen. Der Prozess wird am 15. Februar fortgesetzt.

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