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Keine Kapazitäten mehr: Gynäkologin hat 500 Kassenpatientinnen gekündigt

hzMedizin

500 gynäkologische Kassenpatientinnen mussten sich zum Jahresbeginn eine neue Praxis suchen. Die Ärztin ihres Vertrauens hat ihnen gekündigt. Sie und ihr Partner setzen andere Schwerpunkte.

Dorsten

, 26.01.2019 / Lesedauer: 4 min

Von „akuten Entwicklungen“ ist in dem Brief die Rede, den Miriam Schwarz (Name geändert) Ende November 2018 erhielt und der der Redaktion vorliegt. Absender ist Dr. Katharina Möller-Morlang, die seit 2011 mit ihrem Partner Dr. Thomas von Ostrowski am Südwall eine Spezialklinik für Kinderwunschbehandlung leitet. Mit den „aktuten Entwicklungen“ meint sie nicht nur den Umstand, dass zwei angestellte Ärztinnen fast gleichzeitig ausgefallen sind. Sie schreibt von „mehreren Neuerungen von staatlicher Seite“, die einen „deutlichen, zusätzlichen zeitlichen Mehraufwand bedeuten oder die Versorgung so erschweren, dass ich Ihre Betreuung nun nicht mehr adäquat leisten kann“.

Als Kassenpatientin nichts wert?

Fast drei Jahrzehnte war Miriam Schwarz Patientin in der Praxis. „Ich wurde schon von der Mutter der jetzigen Ärztin betreut“, sagt sie. Doch auch dieser Hinweis half ihr nicht. Telefonisch wurde ihr auf Nachfrage „ganz lieb mitgeteilt“, dass es keine Chance gebe, sie weiterhin zu betreuen. Die Dorstenerin vermutet allerdings: „Wir sind als gesetzlich versicherte Patienten nichts wert. Mit uns kann man es ja machen.“

Keine Kapazitäten mehr: Gynäkologin hat 500 Kassenpatientinnen gekündigt

Dr. Katharina Möller-Morlang hat die Praxis am Südwall im Jahr 2011 von ihrer Mutter übernommen. Jetzt konzentriert sie sich ausschließlich auf die Pränatalmedizin. © privat

Die Enttäuschung kann Thomas von Ostrowski nachvollziehen, den Vorwurf weist er zurück: „Wir haben schon 2011, als wir die Praxis übernommen haben, allen gynäkologischen Patientinnen mitgeteilt, dass aufgrund unserer Spezialisierung im Bereich Kinderwunsch und Pränatalmedizin eine konstante Betreuung der allgemeinen Frauenheilkunde langfristig nicht möglich ist.“

Thomas von Ostrowski hat „bereits 2011 die reguläre frauenärztliche Behandlung eingestellt“ und betreut nur noch Hochrisiko-Schwangerschaften auf Zuweisung anderer Frauenärzte. Seine Partnerin hat die Patientinnen, die zuvor von ihrer Mutter Hanna viele Jahre betreut wurden, „aus Verbundenheit weiterbetreut, aber immer mit dem Hinweis, dass dies nicht auf Dauer möglich sein wird. Neue Patientinnen haben wir nicht mehr aufgenommen.“

Der Wunsch nach einem Kind

Ein gemeinsames Kind ist für viele Paare die Krönung ihrer Beziehung. Doch nicht immer geht der Kinderwunsch in Erfüllung. Bei fast jedem fünften Paar klappt es nicht auf natürlichem Weg. Sie können sich bei Endokrinologen und Reproduktionsmedizinern helfen lassen.

Die moderne Reproduktionsmedizin kann bei rechtzeitiger Diagnose und Therapie den meisten ungewollt kinderlosen Paaren bis zu einem Alter von 40 Jahren der Frau helfen – wenn sie nicht zu schnell aufgeben. Ende Dezember hat der NRW-Landtag beschlossen, kinderlose Paare bei unerfülltem Kinderwunsch besser zu unterstützen - durch eine Förderung der Reproduktionsmedizin.

Neues Gesetz fordert schnellere Terminvergabe

Für Katharina Möller-Morlang und Thomas von Ostrowski sind das gute Nachrichten. Weniger erfreulich ist aus ihrer Sicht, was Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) in erster Lesung im Dezember im Deutschen Bundestag vorgestellt hat: das Gesetz für schnellere Termine und bessere Versorgung von gesetzlich Versicherten. „Gesetzlich Versicherte warten zu oft zu lange auf Arzttermine“, sagte Spahn. „Das wollen wir ändern. Und zwar zusammen mit den Ärzten. Deswegen sollen diejenigen besser vergütet werden, die helfen, die Versorgung zu verbessern. Dann lohnt es sich für Ärzte auch, Patienten zeitnah einen Termin zu geben.“

Keine Kapazitäten mehr: Gynäkologin hat 500 Kassenpatientinnen gekündigt

Dr. Thomas von Ostrowski bestätigt, dass die Zahl der Kinderwunschpatienten steigt. Die Praxis bekommt Zuweisungen von Frauenärzten auch außerhalb Dorstens. © privat

Die beiden Dorstener Fachärzte für Pränatalmedizin würden wohl bestraft, denn sie haben „insbesondere wegen der deutlich weiter steigenden Zahlen an Kinderwunschpatienten“ keine Kapazitäten mehr, wie sie sagen. „2000 Therapien oder Abklärungen“ stehen jährlich in ihrem Terminkalender. „Wir mussten die allgemeine frauenärztliche Betreuung einstellen, um Paaren mit schwerer Vorgeschichte oder vor Krebstherapien kurzfristige Termine zu ermöglichen“, betont Thomas von Ostrowski. Er glaubt, dass die rund 500 gekündigten Patientinnen problemlos kompetente Frauenärzte in Dorsten und Umgebung finden werden.

Dass Ärzte in großem Stil Kassenpatienten kündigen, um sich auf einen medizinischen Bereich zu konzentrieren, ist ein Einzelfall in Dorsten, glaubt Urologe Dr. Stefan Möllhoff. „Die Praxis von Frau Dr. Möller-Morlang ist eine reine Spezialpraxis für Kinderwunsch. Aus anderen hausärztlichen oder fachärztlichen Praxen ist mir sowas nicht bekannt“, sagte der Ärztesprecher auf Anfrage.

Viele Patientinnen hätten im Dezember aber auch Verständnis für ihren Schritt gezeigt, sagen Katharina Möller-Morlang und Thomas von Ostrowski. Als Dank für die gute Betreuung in den letzten Jahren haben sie und ihr Praxisteam nach eigenen Angaben Karten, Blumen und Pralinen bekommen.

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