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Halterner Ehepaar zeigt faszinierende Urlaubsfotos aus der Antarktis

hzAntarktis

Martin Seine und Katrin Laakmann waren bereits zum zweiten Mal in der Antarktis. Während ihrer fast vierwöchigen Reise schwammen die beiden sogar im Krater eines aktiven Vulkans.

Haltern

, 17.03.2019 / Lesedauer: 5 min

Schnee und Eis bedeckt große Teile der Landschaft. Im Hintergrund ragen einige riesige Felsen und Gletscher empor. Und mittendrin ein paar rote Farbtupfer. Auf der dicken Eisschicht stehen einige rote Zelte. Und daneben zwei Halterner: Katrin Laakmann und Martin Seine.

Wenn die beiden von ihrem vergangenen Urlaub erzählen, funkeln ihre Augen. Über 7000 Fotos und viele tolle Erinnerungen haben die beiden mitgebracht. Fast vier Wochen war das Ehepaar unterwegs. Gemeinsam mit fast 180 weiteren Abenteuerlustigen nahmen die beiden an einer Expeditions-Kreuzfahrt teil. Und bei dieser 24-tägigen Reise stand der Expeditions-Aspekt eindeutig im Vordergrund.

Erst ins Flugzeug, dann ins Schiff

Es habe auch Passagiere gegeben, erzählen sie, die dachten, die Reise werde mehr eine normale Kreuzfahrt. Doch die beiden Halterner wussten, was auf sie zukommt. „Wir wussten, es ist eine Expedition“, sagt Katrin Laakmann. Bereits zum zweiten Mal besuchten sie „einen der faszinierendsten Kontinente“, wie es die 48-Jährige nennt. Doch bis sie überhaupt dort ankamen, verging einige Zeit.

Halterner Ehepaar zeigt faszinierende Urlaubsfotos aus der Antarktis

Auf Deception Island sind noch einige von Vulkanasche verschüttete Boote und Überreste von Häusern zu sehen. © Privat

Für die beiden Halterner begann die Expedition am Düsseldorfer Flughafen. Von dort flogen sie 14 Stunden nach Buenos Aires. Von da ging es weiter zur südlichsten Stadt Argentiniens - Ushuaia. Dort begann dann die Reise mit einem Schiff. „Das Leben an Bord war schon gemütlich“, erzählt Martin Seine. Die Kabinen seien mit denen eines Fährschiffs vergleichbar, was durchaus auch Vorteile mit sich brachte. Denn in der kleinen Dusche könne man „nicht bei Seegang umkippen“, sagt Katrin Laakmann.

Auch nach mehreren Wochen noch frisches Essen

An Seetagen gab es viele Vorträge für die abenteuerlustigen Passagiere. Biologen, Geologen, Historiker und viele weitere Wissenschaftler informierten über diverse Themen rund um die Reise. Und auch für eine gute Verpflegung war gesorgt. „Essen gab es reichlich“, erzählt Martin Seine mit einem Lachen. Noch immer frage er sich, wie es nach drei Wochen immer noch frischen Salat geben konnte. Einzig die Paprikavorräte seien bereits nach zwei Wochen ausgegangen, erinnert er sich.

Zuerst steuerte das Schiff die Falklandinseln an, die nächste Station war das unbewohnte Südgeorgien. Dort sind nur im Sommer in Grytviken einige Mitglieder der „South Georgia Heritage Trust“, die sich um die Konservation einer alten Walfangstation und der Natur kümmern und die Einhaltung der Biosecurity überprüfen. Beim Biosecurity-Check wird alles Mitgebrachte untersucht und genau geguckt, ob irgendwelche Pflanzen oder Samen eingeführt werden.

Halterner Ehepaar zeigt faszinierende Urlaubsfotos aus der Antarktis

Auf ihrer Reise sahen Martin Seine und Katrin Laakmann Eisberge in einzigartigen Formen. © Privat

Den Biosecurity-Check musste das Ehepaar jedes Mal durchführen, wenn sie an Land gingen. Doch das gehöre nun mal dazu. „Es ist ja keine Kreuzfahrt, sondern eine Expeditionsreise“, sagt Martin Seine.

Die Inselgruppe befindet sich schon in der sogenannten Antarktischen Konvergenz. Diese ist meist durch Nebel und unterschiedliches Wetter auf beiden Seiten gekennzeichnet. „Dort beginnt die Antarktis“, erklärt Katrin Laakmann. Entlang dieser Konvergenz gibt es starke Winde aus westlicher Richtung, die „Furious Fifties“ und „Screaming Sixties“. Sie wehen ganzjährig und werden von keinerlei Landmasse behindert.

Der Antarktis-Vertrag

Der Antarktis-Vertrag ist eine internationale Übereinkunft über die Nutzungsrechte und Gebietsansprüche der Antarktis. Er wurde 1959 beschlossen und trat 1961 in Kraft. Der Vertrag besagt, dass die Antarktis zwischen 60 und 90 Grad südlicher Breite nur für friedliche Zwecke genutzt werden darf - besonders für wissenschaftliche Forschungen. Insgesamt enthält er 14 Artikel, darunter Artikel 4, der besagt, dass keine Gebietsansprüche diskutiert werden. Solange der Vertrag besteht, dürfen zudem keine neuen Ansprüche angemeldet werden.

Überquert man die Grenze dieser Zone, fällt die Temperatur innerhalb von nur einer Stunde um fünf bis sechs Grad. „Klimatechnisch ist man dann in der Antarktis“, sagt Martin Seine. Südgeorgien werde aufgrund der Tier- und Pflanzenwelt oft als „Serengeti des Polarmeers“ bezeichnet, verrät seine Frau.

Langwieriger Biosecurity-Check

Denn Südgeorgien hat viele schützenswerte Arten. Darunter auch die größte Königspinguin-Kolonie. Früher wurden Rentiere bewusst auf die Insel gebracht. Auch Ratten fanden unbeabsichtigt ihren Weg aufs Festland. Beide Tierarten stellten eine Gefahr für bereits dort lebende Tiere dar, weshalb beide wieder ausgerottet wurden.

Halterner Ehepaar zeigt faszinierende Urlaubsfotos aus der Antarktis

Auf Südgeorgien beobachteten Katrin Laakmann und Martin Seine eine riesige Königspinguin-Kolonie. © Privat

Von Südgeorgien aus ging es dann weiter Richtung Westantarktis. Da es keine Anlegestellen für die Boote gab, fuhren die Passagiere immer in kleinen Schlauchbooten zum eisigen Festland.

Dort angekommen mussten sie oft aus dem Boot ins kalte Wasser springen und zum Ufer laufen, erinnert sich Martin Seine. Eine solche Anlandung dauerte oft mehr als einen halben Tag. „Man muss immer damit rechnen, dass spontan ein Sturm aufzieht“, erklärt er. Daher sei es wichtig, immer zuerst Notfallausrüstungen und -rationen an Land zu bringen.

Tiere sollen nicht gestört werden

Das Notfallequipment bringt ein Expeditionsteam an Land. Dieses steckt dann auch Wege für die Passagiere ab. „Damit man weiß, wo man herlaufen darf und wo nicht“, so Katrin Laakmann. Zudem dürfen nicht alle Passagiere zeitgleich an Land sein, was einen solchen Ausflug auf das arktische Festland noch zeitaufwendiger mache.

Halterner Ehepaar zeigt faszinierende Urlaubsfotos aus der Antarktis

Während ihrer fast vierwöchigen Reise schoss das Halterner Ehepaar viele beeindruckende Fotos. Unter anderem von einer Gletscherzunge in den Hängen des Drygalski-Fjordes. © Privat

Denn die International Association of Antarctica Tour Operators (IAATO) schreibt vor, wie viele Personen dort gleichzeitig erlaubt sind. Diese Zahlen variieren von Ort zu Ort. Auch der Umgang mit den dort lebenden Tieren ist genau geregelt. „Man versucht, die Tiere nicht zu stören“, erzählt Katrin Laakmann. Dieser Versuch führte an einem Tag dazu, dass die Passagiere nicht an Land gehen konnten, da eine Pinguin-Kolonie zu nah war.

Was ist die IAATO?

Die International Association of Antarctica Tour Operators (IAATO) ist ein internationaler Verband, der die Natur der Antarktis bestmöglich schützen und gleichzeitig dafür sorgen will, dass neben Wissenschaftlern auch normale Bürger die Möglichkeit haben, diese einzigartige Landschaft zu sehen. Jährlich dürfen daher nur maximal 42.500 Nicht-Wissenschaftler in die Antarktis reisen. In welchem Umfang Anlandungen erlaubt sind, hängt von der Anzahl der Reisenden ab. Schiffe werden in vier Kategorien eingeteilt: Bis zwölf Passagiere, 13 bis 200 Passagiere, 201 bis 500 Passagiere sowie mehr als 500.

Doch „solange man nicht durch eine Kolonie läuft, ist man den Pinguinen egal“, so die 48-Jährige. Neben verschiedenen Pinguinarten konnte das Ehepaar auch noch viele andere Tiere beobachten. Ein besonderer Moment war die Entdeckung einer großen Ansammlung verschiedener Wale beim Fressen. Insgesamt 121 wurden gezählt. Dies sei die größte dokumentierte Walansammlung der letzten Jahrzehnte an einem Ort gewesen, erzählt Martin Seine.

Tagsüber minus fünf, nachts minus zehn Grad

Insgesamt wurden während ihrer Reise über 1000 Wale gesehen und dokumentiert. Aufgrund der großen Säugetiere im Wasser musste regelmäßig ein Crewmitglied am Bug des Schiffes stehen und mit einem Fernglas das Wasser beobachten. Denn ruhende Wale an der Wasseroberfläche können schnell übersehen und mit dem Schiff verletzt werden.

Eine Nacht durfte das Ehepaar sogar auf dem Festland verbringen. Bei tagsüber minus fünf Grad bauten die beiden mit einigen weiteren Passagieren ihre Zelte auf. Nachts sanken die Temperaturen dann auf minus zehn Grad. „Es ist nicht so kalt, wie man es sich vorstellt“, sagt Martin Seine. „Es ist wie Winterurlaub“, ergänzt seine Frau.

Schwimmen in aktivem Vulkan

Die Nacht auf dem Eis wird das Ehepaar wohl nicht so schnell wieder vergessen. „Man konnte nichts hören als das Knacken des Eises und abbrechende Gletscher“, erinnert sich Katrin Laakmann. Auch wenn besagtes Knacken sogar ziemlich laut sein könne, sei die Ruhe für sie dennoch faszinierend gewesen. Ganz anders waren da die Aufeinandertreffen mit Pinguinen. „Eine Pinguin-Kolonie ist nicht ruhig, sie ist laut“, sagt sie. „Und sie stinken“, ergänzt Martin Seine lachend.

Halterner Ehepaar zeigt faszinierende Urlaubsfotos aus der Antarktis

Unter einem roten Abendhimmel bauten das Ehepaar und weitere Passagiere ihr Zeltlager auf. © Privat

Ein weiteres Highlight auf ihrer langen Reise war der Besuch von Deception Island. Die Insel ist der Gipfel eines aktiven Vulkans, der zuletzt 1970 ausbrach. Im Krater des Vulkans ist ein See, in dem die Passagiere schwimmen konnten. Doch nur die oberste Schicht des schwefelhaltigen Wassers sei warm gewesen, erzählen sie. Direkt darunter herrschten Temperaturen knapp unter dem Gefrierpunkt.

Ein drittes Mal steht noch zur Debatte

Ob die Halterner noch einmal eine solche Reise unternehmen wird, wissen sie noch nicht. „Wir haben so viele faszinierende Sachen gesehen“, sagt Katrin Laakmann. Die Gefahr, beim nächsten Mal ein wenig enttäuscht zu sein, sei auf jeden Fall da. Doch „es reizt schon noch mal“, sagt ihr Mann und fügt noch hinzu, dass die Reise „dann aber anders“ sein müsse.

Halterner Ehepaar zeigt faszinierende Urlaubsfotos aus der Antarktis

Über 1000 Wale wurden während der Fahrt gesehen und dokumentiert. Darunter auch ein aus dem Wasser springender Buckelwal. © Privat

Vielleicht wäre ein Besuch der Antarktis auch zu einem anderen Zeitpunkt noch mal eine Überlegung wert. Denn zu unterschiedlichen Jahreszeiten sei es auch noch mal anders, so Katrin Laakmann. Und sowieso sei es „jedes Mal anders“, pflichtet ihr Mann ihr bei. Doch für die beiden muss es nicht immer ein Abenteuerurlaub sein. „Wir machen auch ganz normalen Urlaub“, sagt die 48-Jährige.

Rückblickend kann Katrin Laakmann über ihre Reise ans Ende der Welt nur eines sagen: „Es hat sich gelohnt.“

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