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Die Deutsche Glasfaser verlegt Kabelstränge, die Telekom stellt ihr Netz um. Sind Bürger schlecht informiert, kann es zu irritierenden Situationen kommen. Wie kürzlich in Haltern. Wir erklären, was es mit dem schnellen Internet auf sich hat.

Haltern

, 22.08.2018 / Lesedauer: 4 min

Es war nicht die feine Art, mit der Mitarbeiter der Deutschen Glasfaser kürzlich versuchten, das schnelle firmeneigene Breitbandnetz in einem Vierfamilien-Wohnhaus in Haltern zu verkaufen. Elisabeth S. (Name ist der Redaktion bekannt) jedenfalls ist erbost. Und verunsichert.

Was war geschehen? Während die Deutsche Glasfaser in der Straße das Kabel für schnelles Internet verlegte, klingelten zwei Mitarbeiter an ihrer Haustür. In dem Mehrfamilienhaus stießen sie zunächst auf einen älteren Herrn, der parterre wohnt, erzählt Frau S. Die Männer, die sich als Mitarbeiter der Deutschen Glasfaser ausweisen konnten, baten um Einlass.

Neuer Anschluss angeblich unumgänglich

Im Wohnzimmer des Seniors sollen sie dann erklärt haben, dass die Deutsche Telekom ihr System umstellen und ab 2019 nicht mehr in dieser Straße mit ihren Diensten zur Verfügung stehen werde. Das betreffe auch die Telefonanschlüsse. Ein neuer Anschluss sei daher unumgänglich. Und es sei sinnvoll, umgehend an Ort und Stelle einen Vertrag mit der Deutschen Glasfaser zu schließen, um von dem Angebot des Unternehmens profitieren zu können. „Der Mieter war vollkommen verunsichert und glaubte den Männern“, sagt Elisabeth S. Von einer Unterschrift habe sie ihn aber im letzten Moment abhalten können.

Denn inzwischen war die Halternerin im Hausflur auf einen der beiden Männer gestoßen und hatte von deren Anliegen erfahren. „Wir wussten zwar grundsätzlich von der Umstellung der Telekom, die hatte uns ja ein Informationsschreiben geschickt.“ Doch der Überraschungsbesuch der Vertreter des Konkurrenzunternehmens habe auch sie irritiert.

Glasfaser-Sprecherin: „Darf nicht passieren“

„Als der Vertreter aber sagte, alle anderen im Haus hätten den Vertrag bereits unterschrieben, wurde ich misstrauisch.“ Denn die vier Parteien hatten sich schon Wochen vorher abgesprochen, nur einen Telefonanschluss in Auftrag geben zu wollen.

Um den Mieter davor zu bewahren, gleich ein ganzes Leistungspaket der Glasfaser zu ordern, sei sie sofort zu ihm gegangen. „Im Nachhinein ist der Mann froh, dass nichts aus dem Vertrag mit der Glasfaser wurde“, erklärt Elisabeth S. „Er braucht doch nur ein Telefon.“ Die fragwürdigen Verkaufsmethoden des Unternehmens kritisiert sie dennoch aufs Heftigste.

Auch Johanna Meppelink, Sprecherin der Deutschen Glasfaser, zeigte sich betroffen. Grundsätzlich sei es ja legitim, neue Kunden zu werben. „Allerdings sollte dies sachlich und höflich geschehen.“ Die Unternehmenssprecherin kündigte Konsequenzen an. „So etwas darf nicht passieren.“ Auch sei es absolut überflüssig, „zu erklären, was die Telekon macht oder nicht macht“. Die Deutsche Glasfaser beauftrage teilweise auch externe Mitarbeiter mit der Kundenwerbung. Meppelink: „Wir werden herausfinden, wer sich derartig verhalten hat. Und das wird Folgen haben.“

Bitte um Verständnis

Die betroffenen Halterner bat die Glasfaser-Sprecherin um Verständnis. Sollten andere Bürger ähnliche Erfahrungen gemacht haben, bittet sie diese, sich im Büro an der Rochfordstraße 1 zu melden. Meppelink stellte klar: „Niemand wird jemals ohne Telefon sein, nur weil er sich nicht für die Deutsche Glasfaser entscheidet.“

Telekom verspricht problemloses Telefonieren mit „IP“

Auch die Deutsche Telekom betont: „Unsere Kunden können auch nach der Umstellung weiter problemlos telefonieren.“ Unmissverständlich macht George-Stephen McKinney, Sprecher der Deutschen Telekom, klar, dass sich für die Telefon-Kunden des Unternehmens auch mit der sogenannten IP-Umstellung nichts ändern wird. Im ersten Quartal 2019 soll dieser Prozess bundesweit abgeschlossen sein.

Was aber hat die IP-Umstellung überhaupt zu bedeuten? Das analoge (alte) Telefonnetz der Telekom wird auf eine digitale Übertragungstechnik umgestellt. Die Abkürzung IP steht für Internet-Protokoll – das ist ein universeller technischer Standard. Das IP-Netz überträgt sämtliche Daten über einen einzigen Anschluss: Telefonie, E-Mails, Surfen im Internet, Fernsehen mithilfe des Internets. „Um die Technik modernisieren zu können, müssen veraltete Anschlüsse abgeschaltet werden“, so die Telekom.

IP-Umstellung in Haltern läuft nach Plan

Die IP-Umstellung in Haltern läuft nach Angaben des Sprechers „nach Plan“. Da die Umstellung nicht nur nach Ortsnetzen erfolge, kann das Unternehmen nur eine bundesweite Zahl nennen. Demnach stellt die Telekom jede Woche 70.000 Kunden um.

„Der Kunde merkt gar nichts“

Um am Telekom-Telefonnetz angeschlossen zu bleiben, muss der Telefonkunde laut McKinney „gar nichts“ tun: „Die Umstellung erfolgt im Hintergrund. Der Kunde merkt das gar nicht.“ Eventuell könne der Anschluss wenige Minuten nicht erreichbar sein. Die Umstellung ist kostenlos. Telefonkunden zahlen genauso viel wie vorher. McKinney: „Alles bleibt unverändert.“

Will der Kunde allerdings mehr als nur die Telefonie in Anspruch nehmen, wird in vielen Fällen ein neuer Internet-Router erforderlich. Dieser muss nicht zwingend von der Telekom sein. Es gibt auch Fremdhersteller. Natürlich müssen auch entsprechende Verträge zur Nutzung des schnellen Internets abgeschlossen werden.

Die Tiefbauarbeiten der Deutschen Glasfaser sind in den Ortsteilen weitgehend beendet. Wie Bau-Projektmanager Peter König jetzt auf Anfrage erklärte, seien nur noch an einer Brücke in Hamm-Bossendorf entsprechende Arbeiten zu erledigen. Sobald dies geschehen sei, werde der Ortsteil ans schnelle Netz angeschlossen. In Lippramsdorf und Freiheit laufen nach Königs Angaben in diesen Wochen die Freischaltungen. Der Projektleiter rechnet damit, dass auch diese Arbeiten „in Kürze“ beendet sein werden.
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