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Freispruch im „Marionetten-Prozess“: Unternehmersohn konnte die Richter nicht überzeugen

hzRaubüberfälle

Ein 26-jähriger Azubi aus Haltern ist am Mittwoch am Essener Landgericht von dem Vorwurf freigesprochen worden, den Sohn einer angesehenen Halterner Unternehmerfamilie zu Raubüberfällen angestiftet zu haben.

Essen/Haltern

, 08.08.2018 / Lesedauer: 3 min

Der 26-Jährige soll den Unternehmersohn außerdem zu einem Griff in den Firmentresor der Familie angestiftet zu haben. Die Richter schenkten den belastenden Angaben des Sohns keinen Glauben.

Unternehmersohn stellte sich als „Räuber-Marionette“ dar

„Wir sind aus dem Zeugen nicht schlau geworden“, hieß es in der Urteilsbegründung. Unterm Strich sei die behauptete Version des Unternehmersohns, eine Art „Räuber-Marionette“ gewesen zu sein, weder nachvollziehbar noch in sich schlüssig gewesen und hätte letztlich nicht überzeugen können. Man habe bei der Vernehmung vielmehr den Eindruck von einem tief verunsicherten Menschen gewonnen, der meinte, sich möglicherweise Freundschaften erkaufen zu müssen.

Dass der 20-Jährige – obwohl aus der angesehenen Unternehmerfamilie stammend – tatsächlich zwei bewaffnete Raubüberfälle auf einen Kiosk an der Sixtusstraße (Beute 90 Euro) und eine Tankstelle an der Thiestraße (ohne Beute) verübt hat, bezeichneten die Richter wörtlich als „unstreitig“. Gleiches gelte für das Entwenden von 20.000 Euro Bargeld aus dem Firmentresor.

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Angeklagten als Drahtzieher bezeichnet

Warum der Halterner den Angeklagten allerdings als Drahtzieher für seine freimütig eingeräumten Taten bezeichnet hat, können sich die Essener Richter auch nicht so richtig erklären. Für die Verteidigung gibt es dafür eigentlich nur eine Version. Die Raubüberfälle habe der Unternehmersohn offensichtlich verübt, „um im Freundeskreis als cooler Typ zu gelten“.

Nach dem aufgeflogenen Tresor-Coup im Elternhaus habe der Sohn offensichtlich unter immensem Druck gestanden, zu Hause ein Motiv dafür zu nennen. Und statt den wahren Grund anzugeben – er brauchte Geld für nächtelange Rotlichtorgien -, habe er den Angeklagten einfach mit reingezogen und sich als ausgenutztes Opfer hingestellt. „Er konnte und wollte ja seinem Vater schlecht erklären, dass er mit dem Geld seine Azubi-Kumpel ständig in den Puff einlädt. Da hat er einfach eine andere Geschichte erzählt“, sagte Verteidiger Hans Reinhardt (Marl).

Laut Urteil muss der freigesprochene Auszubildende für die vom 8. Februar bis zum 16. Juli zu Unrecht abgesessene Zeit in der Untersuchungs-Haft finanziell entschädigt werden. „Ich hoffe, dass der Albtraum heute endlich vorbei ist“, hatte der 26-Jährige kurz vor der Urteilsberatung noch erklärt.

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