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Halternerin (50) verkauft plüschige Tiersofas - so klappt der Weg in die Selbstständigkeit

hzTipps zur Existenzgründung

Kathrin Tuschhoff kreierte lange nebenberuflich Plüsch-Tiersofas. Dann wagte die Finanzbuchhalterin den Absprung. Wir zeigen, wo Hilfen auf dem Weg in die Selbstständigkeit zu bekommen sind.

Haltern

, 17.01.2019 / Lesedauer: 6 min

Als ihr kleiner Liebling, Hündin Emma, starb, gab sich die Halternerin Kathrin Tuschhoff einen Ruck. Sie kündigte ihren Job als Finanzbuchhalterin und setzte voll und ganz auf ihre Leidenschaft. Mit „Das Tiersofa“ eröffnete die Fünfzigjährige im Frühjahr 2018 im Dortmunder Kaiserstraßenviertel einen Laden für Hunde- und Katzencouchen. Rosi ist Kathrin Tuschhoffs zweite Hündin und als „Test-Kuschler“ immer dabei.

Was die Tierliebhaberin stolz und glücklich macht, wie sie die Hürden des Selbstständigmachens meisterte und was sie über ihr Alter denkt, verrät die Halternerin in unserem Video. Dazu gibt es viele Tipps zur Existenzgründung hinsichtlich Finanzierung, Versicherung, Fördermitteln und Anlaufstellen.

Video
Gründerserie "Losmachen" mit "Das Tiersofa"

Hier bekommen Sie Hilfe bei der Existenzgründung:

Erste Anlaufstelle ist die Wirtschafts- und Standortförderung der Stadt Haltern am See:

Wenn es um eine Existenzgründung geht, arbeitet die Stadt Haltern eng mit dem Startercenter des Kreises in Recklinghausen sowie - je nach Gründungsvorhaben - mit der Industrie- und Handelskammer Gelsenkirchen-Buer und der Handwerkskammer Münster in der Emscher-Lippe-Region (ebenfalls Gelsenkirchen-Buer) zusammen. „Alle drei Stellen bieten eine qualifizierte Gründungsberatung an“, sagt Maria Lichter vom Fachbereich Wirtschafts- und Standortförderung der Stadt Haltern. „Wir helfen den Interessierten aber auch sehr gerne, bürokratische und formale Hürden zu überwinden.“

  • In Haltern finden auf Initiative der Stadt sechsmal im Jahr kostenlose Sprechstunden für Existenzgründer statt. Ein Vertreter des Startercenters NRW in Recklinghausen informiert dabei in einem persönlichen Gespräch über Möglichkeiten und Voraussetzungen für die Verwirklichung einer Geschäftsidee. NRW-weit helfen 75 Startercenter Existenzgründern bei allen Fragen auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit und bei der Firmenentwicklung. Träger der Einrichtungen sind Handwerkskammern, Industrie- und Handelskammern und kommunale Wirtschaftsförderungen. Die nächste kostenlose Sprechstunde findet am 13. März in der Stadtverwaltung an der Muttergottesstiege statt (Anmeldungen unter der Telefonnummer 933-272 bei Maria Lichter sind erforderlich). Die weiteren Termine: 8. Mai , 10. Juli, 4. September, 19. November.
  • Während einer bundesweiten Aktionswoche bietet die Stadt Haltern als Partner der Gründerwoche Workshops und Seminare zum Thema berufliche Selbstständigkeit an. Unterstützt wird die Gründerwoche vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie.
  • Ist die Geschäftsidee noch nicht hinreichend ausgereift, vermittelt die Stadt an das Startercenter des Kreises in Recklinghausen (siehe Startercenter).
  • Ist ein Gründungsfahrplan vorhanden, kann die Stadt bei der Standort- oder Ladenlokalsuche helfen. Maria Lichter erklärt: „Die Wirtschaftsförderung steht in engem Kontakt mit den Immobilienbesitzern und kann bei der Vermittlung von potenziellen Ladenlokalen behilflich sein.“
  • Abhängig vom Gründungsvorhaben kommt die kommunale Bauordnung ins Spiel. Dort muss gegebenenfalls ein Antrag auf eine Nutzungsänderung gestellt werden, wenn beispielsweise in den Räumen einer ehemaligen Pizzeria ein Bekleidungsgeschäft entstehen soll.
  • Ein Gewerbebetrieb muss beim Ordnungsamt angemeldet werden. Das ist auch online möglich.

Im Schnitt suchen pro Monat zwei Personen mit Gründungsinteresse den Fachbereich Wirtschaftsförderung in Haltern auf, erklärt Beraterin Maria Lichter. Nach ihren Angaben können Daten über die Anzahl und den Verlauf der daraus entstandenen Selbstständigkeiten „nicht systematisch erhoben werden“.

www.haltern-am-see.de

Beratung im Startercenter des Kreises Recklinghausen:

Mehr als 300 Personen haben im vergangenen Jahr das Beratungsangebot des Startercenters des Kreises Recklinghausen in Anspruch genommen, ähnlich viele wie im Vorjahr. Zugleich wurden mehr als 450 Gespräche geführt. Die Beratung im Startercenter ist kostenlos und mehrfach möglich.

Checkliste

Das sind die wichtigsten Überlegungen auf dem Weg in die Selbstständigkeit

  • 1. Ist ein Businessplan erstellt?
  • 2. Welche Krankenversicherung ist erforderlich/möglich - gesetzlich oder privat?
  • 3. Wie sieht es mit der gesetzlichen Rentenversicherung aus? Für einige Berufe, zum Beispiel Logo- und Ergotherapeuten, ist die gesetzliche Rentenversicherung Pflicht. Die meisten Selbstständigen müssen sich über eine Pflegeversicherung selbst absichern.
  • 4. Ist eine freiwillige Arbeitslosenversicherung abgeschlossen? Das wird in den meisten Fällen empfohlen.
  • 5. Auch an eine Berufsunfähigkeitsversicherung sollten Existenzgründer denken. Diese ist in der Regel nicht mehr über die gesetzliche Rentenversicherung abgedeckt.
  • 6. Die Frage der Haftpflichtversicherung muss geklärt werden: Betriebs- und Berufshaftpflichtversicherungen sind möglicherweise erforderlich (im Einzelhandel kann es sinnvoll sein, sich auch gegen verschiedene Schadensfälle wie Glasbruch oder Wasserschäden abzusichern).
  • 7. Ein Prüfung der zahlreichen Fördermöglichkeiten lohnt sich in jedem Fall.
In allen Fragen helfen die Startercenter.

Ob die Ratsuchenden sich auch tatsächlich selbstständig gemacht haben, versucht das Startercenter mittels Umfragen in Erfahrung zu bringen. Wie Beraterin Eva-Maria Wobbe berichtet, betrage die Rücklaufquote der von den Ratsuchenden beantworteten Fragebögen gut 15 Prozent. Von diesem Personenkreis hätte sich ein Drittel kurzfristig selbstständig gemacht, ein weiteres Drittel sei in der Vorbereitungsphase gewesen. Die übrigen hätten den Gedanken, sich selbstständig zu machen, wieder verworfen. „Hier kann es aber auch sein, dass sich inzwischen ein Jobangebot ergeben hat oder vielleicht familiäre Situationen sich geändert haben, so dass eine Selbstständigkeit gerade nicht zu verwirklichen ist“, gibt Eva-Maria Wobbe zu bedenken.

Das sind die Leistungen des Startercenters:

  • Ein Businessplan ist hilfreich, um das Geschäftskonzept zu konkretisieren und zu strukturieren. Im Fall der Beantragung eines Kredits ist der Businessplan sogar zwingend notwendig. „Auch wenn sich die Geschäftsidee noch nicht vollständig herauskristallisiert hat, helfen wir“, sagt Eva-Maria Wobbe. Fragen des Kapitalbedarfs werden hierbei ebenfalls geklärt.
  • Das Basisseminar „Ich bin dann mal selbstständig“, das in Kooperation mit dem Startercenter in Herne durchgeführt wird, bringt Gründungswillige in ihrem Vorhaben weiter. Überhaupt werden vielfältige Seminare angeboten. Dabei geht es unter anderem um Buchführung, Steuerberatung, Versicherungen, Marketing und Werbung, Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten. Zu allen diesen Fragen kann natürlich immer auch die Sprechstunde des Startercenters genutzt werden.
  • Das Startercenter hilft beim Förderantrag: Die Kreditanstalt für Wiederaufbau, kurz: KfW gewährt unter bestimmten Umständen ein kostengünstiges Startgeld bis zu 30.000 Euro. Auch die öffentlichen Darlehensprogramme der NRW.Bank können bei der Existenzgründung helfen. Laut Eva-Maria Wobbe ist eine Geschäftsgründung mitunter sogar ohne Eigenkapital möglich. „Zumindest, wenn man es im Nebenerwerb betreibt und/oder nicht allein davon leben muss.“
  • Kontakte zur Agentur für Arbeit: Die Behörde engagiert sich unter Umständen für Arbeitslose, die sich selbststänig machen wollen. Sie zahlt ALG I- oder ALG II-Leistungen dann maximal sechs Monate weiter.

Im Startercenter wird auch die Frage der Rechtsform des künftigen Unternehmens geklärt. Ein Ein-Mann-Unternehmen im Einzelhandel beispielsweise muss sich im Handelsregister nicht als GmbH eintragen lassen.

www.kreis-re.de/Inhalte/Wirtschaft/Startercenter/

Beratung der Handwerkskammer Münster in der Emscher-Lippe-Region:

Geht es um eine Geschäftsgründung im handwerklichen Bereich, kann auch direkt das Startercenter der Handwerkskammer Münster in der Emscher-Lippe-Region in Gelsenkirchen aufgesucht werden.

Bei vielen Berufen im Handwerk besteht eine Meisterpflicht, d.h. Selbstständigkeit in dem Beruf ist nur erlaubt, wenn eine Qualifikation als Meister vorliegt. Dazu zählen beispielsweise Tischler, Bäcker und Optiker. Es gibt außerdem zulassungsfreie Handwerksberufe (z. B. Fliesenleger, Raumausstatter) und handwerksähnliche Betriebe (Schnellreiniger, Bestattungsgewerbe, Kosmetiker, Speiseeishersteller).

Bei der Handwerkskammer sind die Beratungsangebote ebenfalls kostenlos. Nach einem Erstgespräch (im Fall einer Betriebsübernahme findet dieses in dem betreffenden Betrieb statt) können folgende Punkte „abgearbeitet“ werden.

  • Businessplan
  • Hilfen bei der Finanzplanung werden gegeben. Sogar eine Musterfinanzierung kann gemeinsam erarbeitet werden.
  • Geht es um Fördermittel, sind NRW.Bank, Kreditanstalt für Wiederaufbau und Bürgschaftsbank die großen Player, weiß Wido Kintzel, Geschäftsstellenleiter der Handwerkskammer in der Emscher-Lippe-Region in Gelsenkirchen. Sie böten „für jede Lebenslage“ den passenden Kredit. Ist das Konzept gut, kann es auch komplett ohne Eigenkapital verwirklicht werden - „bis zu einem Investitionsvolumen in Höhe von 100.000 Euro“, meint Kintzel. Auch hinsichtlich Haftungsfreistellungen und öffentlichen Bürgschaften sei einiges zu machen. Diese allgemeinen öffentlichen Mittel müssen bei einer Hausbank beantragt werden - meistens seien das Sparkassen und Volksbanken, sagt der Unternehmensberater. Die Bank stellt dann den Antrag bei KfW oder NRW.Bank. Auf Wunsch begleitet die Handwerkskammer diesen Vorgang.
  • Wido Kintzel verweist auch auf das regionale Wirtschaftsförderungsprogramm des Landes (RWP). Ab einem Investitionsvolumen von 150.000 Euro gebe es dort „geschenktes Geld“, sagt er.
  • Handwerksmeister, die auch Arbeitsplätze schaffen, haben ein Recht auf die Meistergründungsprämie. Sie beträgt 7500 Euro bei einem Mindest-Investitionsbedarf in Höhe von 15.000 Euro. Auch hier berät die Handwerkskammer.
  • Von den Beratungskosten, die durch die Leistungen eines freien Unternehmensberaters entstehen, können bis zu 50 Prozent erstattet werden. Die Handwerkskammer gibt Hilfestellung beim Antrag.
  • Ein Förderprogramm der Agentur für Arbeit macht es möglich: ALG-I-Bezieher, die sich selbstständig machen, können sechs weitere Monate ihre bisherigen Hilfen beziehen, ALG-II-Bezieher auch länger. Auch die Sozialversicherungsbeiträge werden in dieser Zeit übernommen (Gründungszuschuss).

www.hwk-muenster.de


Beratung im Startercenter der IHK Nord Westfalen:

Das Startercenter der Industrie- und Handelskammer Nord Westfalen in Gelsenkirchen-Buer ist zuständig für den Kreis Recklinghausen sowie die kreisfreien Städte Gelsenkirchen und Bottrop. Es bietet eine umfangreiche und kostenlose, auf Handel, Dienstleistung und Industrie spezialisierte Beratung an. Dabei werden sowohl Existenzgründer mit einem großen Unternehmen (auch im Zuge einer Betriebsübernahme) als auch Ein-Mann-Betriebe unterstützt. „Es ist durchaus üblich, dass Existenzgründer mit einem Betrieb zunächst einmal allein starten“, erklärt IHK-Gründungsberater Klemens Hütter.

Derzeit ist die Zahl der Existenzgründungen im Bereich von Handel und Industrie rückläufig, war von dem Experten zu erfahren. Hütter führt dies unter anderem auf die gute Konjunktur mit einhergehender sinkender Risikobereitschaft, auf die gute Arbeitsmarktlage und die rege Nachfrage nach Fachkräften zurück.

Aktuell werden Betriebe nach Auskunft von Klemens Hütter vorwiegend im Bereich Dienstleistungen gegründet, sei es beispielsweise mit Hilfsangeboten für alte Menschen, Hausmeister-Servicediensten oder auch Kioske.

Im zertifizierten Startercenter der IHK werden angeboten:

  • Hilfe bei der Erstellung eines Geschäftsplans. Dazu wird auf der Webseite der IHK auch umfangreiches elektronisches Werkzeug zur Verfügung gestellt.
  • Finanzplanung: Ein Darlehensprogramm der KfW gewährt Gründern ein Startgeld in Höhe von bis zu 100.000 Euro. Bei einer Vollfinanzierung kommt auch hier die Bürgschaftsbank mit ins Spiel, wenn der Kreditnehmer zusätzliche Sicherheiten zur Abdeckung des Risikos benötigt. Eine positive Stellungnahme der IHK zum geplanten Projekt ist hier Voraussetzung. Außerdem gibt es laut Hütter noch zahlreiche weitere Fördermöglichkeiten, darunter auch Zuschüsse, die nicht zurückgezahlt werden müssen.
  • Beratung hinsichtlich notwendiger Versicherungen
  • Seminare und Weiterbildungsangebote

www.ihk-nordwestfalen.de

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