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Eltern sollten neben ihrer Rolle als Mutter oder Vater auch ein eigenes Leben praktizieren. „Man muss das Augenmerk auch auf sich selbst richten“, sagt Erziehungsberater Dr. Jan-Uwe Rogge.

Haltern

, 26.12.2018 / Lesedauer: 3 min

Wie können Eltern sich trotz Problemen mit pubertierenden Heranwachsenden eine Leichtigkeit bei der Erziehung bewahren?

Indem ich nicht immer Mutter oder Vater bin. Indem ich auch ein Leben jenseits der Mutter, also ein Leben als Frau praktiziere. Indem ich nicht nur Eltern sondern auch ein Paar bin. Das heißt also, dass ich über die Erziehung hinaus ein Augenmerk auf mich selbter richte. Ich kann nur für Kinder gut sorgen, wenn ich selber gut für mich sorge. Fürsorge fängt bei mir selber an, ist nicht nur ein ständiges Geben sondern auch ein Bekommen. Im Sinne des Bekommens heißt das auch, dass ich die Kinder, auch die pubertierenden, als Geschenke wahrnehme, die mir auch etwas geben. Dann bekommt man da eine Leichtigkeit hinein.

Was kann ich machen, wenn mein Kind immer auf Durchzug schaltet?

Dann muss ich den passenden Zeitpunkt abwarten, bei dem man sich auch einlässt auf den Anderen – sowohl das Kind auf mich als auch ich auf das Kind. Ich kann nicht einfach drauflos quatschen.

Was ist zu tun, wenn der Teenager genauestens um die Schrauben weiß, an denen gedreht werden muss, um die Eltern zur Weißglut zu bringen?

Die Frage ist dann: „Wozu macht ein Kind das?“ Es ist in der Regel so, dass das Kind dann Aufmerksamkeit bekommt. Viele Kinder bekommen heute gerade in der Pubertät ihre Aufmerksamkeit nicht über positive Aktionen, sondern indem sie nerven. Vielleicht sollte ich mir dann die Fragen stellen: „Was übersehe ich eigentlich an positiven Eigenschaften an meinem Kind? Und wozu hat es diese Grenzüberschreitungen und Reibereien nötig?“

Sind Helikopter-Eltern, die pausenlos um das Kind herumkreisen, das eigentliche Problem?

Ich habe Schwierigkeiten mit dem Eltern-Bashing. Ich finde, die meisten Eltern machen einen verdammt guten Job. Die Aufgabe besteht darin, die Eltern in ihrem Bemühen ernst zu nehmen.

Was sollen Eltern tun, wenn das Kinderzimmer ständig unaufgeräumt ist?

Es gibt ein Leben jenseits des Kinderzimmers. Wer ständig ins Kinderzimmer guckt, hat zu viel Zeit.

Hausarrest, Handyverbot - was ist von Bestrafungen zu halten?

Bestrafungen erzeugen einen Machtkampf und diesen Machtkampf verlieren die Eltern.

Welche Erziehungsform befürworten Sie?

Ich plädiere für eine partnerschaftliche Erziehung. Partnerschaftlichkeit heißt aber nicht, dass man mit Kindern gleichrangig lebt. Weil man als Eltern mindestens eine Generation älter ist und Erfahrungen hat. Auf diese Erfahrungen wollen Pubertierende bauen. Aber zur Partnerschaftlichkeit gehört auch Gleichwertigkeit, das heißt man geht ins Leben, um von den Anderen zu lernen.

Warum ist Pubertät auch eine Chance?

Es ist eine Veränderung des Pubertierenden. Aus dem Kind wird ein Erwachsener. Und für die Eltern ist es auch nochmal eine Chance, über sich nachzudenken. Wenn Kinder in die Pubertät kommen, dann können Eltern ihr Eltern-Sein ein Stück weit loslassen, um den Blick wieder auf die Paarbeziehung zu fokussieren. Das heißt also, aus Eltern werden Partner.

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