Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Seit eineinhalb Jahren leitet Andrea Coenen-Brinkert die Stadtbücherei an der Lavesumer Straße. Dabei blickt sie auf 20 Jahre mitunter skurrile Momente in ihrem Beruf zurück.

Haltern

, 11.09.2018 / Lesedauer: 3 min

Einmal, erinnert sich Büchereileiterin Andrea Coenen-Brinkert, da habe eine Nutzerin ein Buch zurückgegeben, in dem eine Salamischeibe lag. „Die ältere Dame hat sich ein Brot gemacht und war wohl so fasziniert beim Lesen, dass sie die Salamischeibe ins Buch gelegt hat“, erinnert sich Coenen-Brinkert. Erst bei der Buchrückgabe sei das dann aufgefallen: „,Da ist ja die Salami. Die habe ich schon gesucht’, hat die Frau gesagt. Das Buch hat sie natürlich ersetzt“, sagt Andrea Coenen-Brinkert und schmunzelt.

Zwar sei das nicht in Haltern passiert, aber mit ihren 20 Jahren Bibliothekserfahrung blickt Coenen-Brinkert auf einige skurrile Momente zurück: Seien es auf dem Klo gebunkerte Lektüre in der Stadtbibliothek Kempen, möglicherweise verzweifelte Abiturienten in Haltern, die Abiturhilfen in Geschichte unter den Regalen verstecken oder Würfel aus Gesellschaftsspielen, die zwischen den Ausleihen verschwinden.

„Dass jemand Bücher versteckt, ist mir das erste Mal in Recklinghausen passiert. Ich hab gar nicht verstanden, warum das Buch hinten an der Wand liegt. Meine Kollegen haben nur angefangen zu lachen“, erinnert sich Coenen-Brinkert. „Es war sogar ein Lesezeichen drin. Es ist die pure Angst der Menschen, dass das Buch ausgeliehen werden könnte.“

Aber warum dann nicht einfach ausleihen? Entweder weil der Ausweis nicht dabei ist oder man keinen habe, sagt Coenen-Brinkert. „Dabei ist der Ausweis kostenfrei und man kann hier ja auch kopieren.“

20 Mahnungen am Tag

Teuer kann es erst werden, wenn ausgeliehene Bücher nicht mehr zurückgegeben werden: Wer 20 Romane ausleiht, der schuldet der Bücherei nach der 3. Mahnung 20 Euro. „Das wird pro Ausleihvorgang berechnet, nicht pro Buch.“ Danach gehe es aber um Ersatzforderungen und um den Wert jedes einzelnen Buches.

„Aktuell haben wir eine Forderung von mehreren hundert Euro“, erklärt Coenen-Brinkert. Dabei handele es sich um alte Heimatkundebücher, bei denen die Preise schnell zwischen 100 und 300 Euro lägen. „Sobald man die Bücher nur noch über ein Antiquariat bekommen kann, ist das stellenweise ein Verlust.“ Deshalb wird nach der 3. Mahnung auch ein Einzugsbeamter der Stadt aktiv, der die Nutzer zu Hause aufsucht. „Ich will ja nur meine Medien wiederhaben, dann ist bei mir alles okay“, sagt Andrea Coenen-Brinkert. Jeden Morgen verschickt die Bücherei bis zu 20 Mahnungen.

Pro Monat verzeichnet die Bücherei rund 7200 Ausleihen. Besonders häufig sind darunter DVDs, Kinderbücher und Romane. „Vor allem freitags gibt es viele Ausleihen für DVDs, weil dann die Übernachtungsparties stattfinden“, sagt Andrea Coenen-Brinkert.

Lesen Sie jetzt