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571 Bewohner von Haltern-Mitte haben sich an unserem Ortsteil-Check beteiligt und zeichnen ein insgesamt sehr positives Bild ihrer Nachbarschaft. Doch Wohnungen und Jugendangebote fehlen.

Haltern

, 11.03.2019 / Lesedauer: 5 min

Fast 20.000 Menschen leben in Haltern-Mitte zwischen Stausee und Autobahn. Einmal im Monat sind die Sonntage verkaufsoffen, bei schönem Wetter ziehen die Innenstadt und der See Tausende Gäste in die Stadt. Die Leute, die hier leben, wissen zu schätzen, was sie an ihrem Wohnort haben, doch wer neu zuziehen will, steht vor einer enormen Aufgabe.

Hanna Richter hat sich vor einigen Jahren dieser Aufgabe angenommen. Die heute 42-Jährige ist im Kreis Borken aufgewachsen und hat schon in Köln und in Düsseldorf gewohnt. Vor neun Jahren hat sie im Internet einen Mann kennengelernt, den sie unbedingt treffen wollte. Damals wohnte sie in Burlo an der niederländischen Grenze, er in Oer-Erkenschwick. Ein geeigneter Treffpunkt, zu dem beide gut hinkamen, war Haltern am See: „Dann hab ich ihn vor der Kirche auf dem Marktplatz eingesammelt“, sagt Hanna Richter und lacht herzlich.

Haltern-Mitte: Fast perfekt, wenn man erwachsen ist und keine Wohnung sucht

Die Rekumer Straße ist die zentrale Einkaufsstraße der Stadt. © Benjamin Glöckner

Der Mann war Patrick Begert, und mit dem lebt sie heute zusammen in einem Doppelhaushälfte in Haltern-West. Das Paar hält Hühner im Garten, die Jäger sind mit dem Auto in fünf Minuten in ihrem Revier in Holtwick und gleichzeitig in fünf Minuten in der Innenstadt. „Haltern ist einfach ein sehr schöner Fleck auf dieser Welt“, sagt Hanna Richter.

In unserem Ortsteilcheck bewerten die Halterner die Lebensqualität in der Stadtmitte im Schnitt mit 9 von 10 Punkten. Insgesamt sind die Anwohner in der Mitte etwas zufriedener mit ihrem Wohnumfeld als der Durchschnitt der Gesamtstadt. Alle Ergebnisse aus Haltern finden Sie hier. Doch zwei große Baustellen fallen in Haltern-Mitte auf.

Das wurde gut bewertet

Nahversorgung:

Volle 10 von 10 Punkte bekommt die Nahversorgung in unserer Umfrage. Die Halterner sind sehr zufrieden mit ihrer Innenstadt, größere Einkaufszentren wollen sie gar nicht haben. Vielen ist wichtig, dass der beschauliche Charakter der Stadt erhalten bleibt.

Gesundheit:

„Meine Mutter wohnt inzwischen bei uns ganz in der Nähe in Haltern-West“, erzählt Hanna Richter: „Die kann zu Fuß alles erledigen und hat ihre Ärzte direkt in der Nachbarschaft.“ Auch das Sixtus-Hospital liegt in unmittelbarer Nähe der Innenstadt. Sicherlich hat die Schließung der Geburtenstation im Sommer 2018 für einigen Unmut in der Stadt gesorgt, dennoch gehen 9 Punkte an die Gesundheit, in manchen Ortsteilen waren es nur 3.

Gastronomie:

Bei diesem Punkt ergeben sich ebenfalls große Unterschiede unserer Umfrage. Ein Ortsteil bekam satte 10 Punkte für das gastronomische Angebot, andere nur 3. Haltern-Mitte liegt bei 9, es gebe viele schöne Restaurants im Zentrum, allerdings könne das Angebot noch etwas ausgewogener sein, ist in den Kommentaren zu lesen. Exotischere Gerichte zum Beispiel aus der afrikanischen oder lateinamerikanischen Küche sucht man in Haltern vergebens, das Angebot ist meist eher gut bürgerlich.

Haltern-Mitte: Fast perfekt, wenn man erwachsen ist und keine Wohnung sucht

Das Sixtus-Hospital ist in den vergangenen Jahren renoviert worden. © Kevin Kindel

Das wurde schlecht bewertet

Negativ fallen nur 2 von 17 Kategorien auf. In allen anderen Bereichen wurde die Stadtmitte mindestens mit 7 von 10 Punkten und nah am stadtweiten Durchschnitt bewertet.

Bezahlbarer Wohnraum:

Vier Jahre lang haben Hanna Richter und Patrick Begert nach einem passenden Haus zur Miete gesucht. Hanna gärtnert gerne, Patrick stellt in seiner Freizeit Messer her, dafür war eine Garage nötig. „Wir sind beide fest angestellt und verdienen nicht schlecht“, sagt Richter, die jeden Tag zur Arbeit nach Mettmann zwischen Düsseldorf und Wuppertal fährt: „Aber im Internet werden ja horrende Preise für Wohnungen verlangt.“

Irgendwann habe sie sich angewöhnt, alle paar Monate selbst ein Gesuch in die Kleinanzeigen zu stellen. Darauf habe sich dann tatsächlich auch der jetzige Vermieter gemeldet. Wegen der großen Nachfrage werden viele Wohnungen gar nicht erst ausgeschrieben und gehen unter der Hand weg. „Unser Glück war es sozusagen, dass dieses Haus von 1953 nur mittelmäßig renoviert war“, sagt Richter.

„Teilweise sind 20 Bewerber bei der Besichtigung einer 55-Quadratmeter-Wohnung im Dachgeschoss ohne Balkon oder Garten“, berichtet etwa Anna Priester, die seit mehr als vier Jahren auf der Suche nach einer Eigentumswohnung ist. „Haltern ist wunderschön“, sagt sie: „Ich möchte nicht weg.“ Doch aktuell berate sie mit ihrem Partner, ob sie nicht doch in die Umgebung ziehen. Schon in der Nachbarstadt Dülmen seien Wohnungen viel günstiger und einfacher zu bekommen. Der Wohnungsmarkt bekommt im Ortsteilcheck 5 von 10 Punkten.

Angebote für Jugendliche:

Kein Aspekt unserer Umfrage ist in Haltern am See so schlecht bewertet worden wie das Angebot für Jugendliche. 5 von 10 Punkten bekommt die Jugendarbeit im Schnitt. Das Trigon an der Weseler Straße ist an drei Tagen pro Woche abends geöffnet, außerdem bieten zum Beispiel die Kirchengemeinden Angebote für Jugendgruppen an. Offenbar fühlen sich damit aber eher jüngere Kinder angesprochen. „Die Jugend ab 15 hat kaum Möglichkeiten, sich irgendwo zu treffen“, schreibt eine Teilnehmerin unserer Umfrage. Gleichzeitig wird das Sportangebot in Haltern-Mitte übrigens mit 8 von 10 Punkten bewertet.

Haltern-Mitte: Fast perfekt, wenn man erwachsen ist und keine Wohnung sucht

Der Blick vom Silverberg auf Haltern-West: Wohnraum ist in der Gegend knapp und teuer. © Kevin Kindel

Doch wie kann man die Probleme lösen? „Sozialer Wohnungsbau ist in Haltern wenig vertreten“, sagt Georg Bockey, der Sprecher der Stadtverwaltung, und liefert direkt die Begründung: „Wohnungsbaugesellschaften können hier gar keine günstigen Flächen kaufen.“ Biete eine Gesellschaft beispielsweise 200 Euro, mache ein privater Investor ein Angebot für 500 bis 600 Euro. Wegen der großen Nachfrage gehen die Mieten durch die Decke.

Halterns Bundestagsabgeordneter Michael Groß (SPD) fragt sich: „Haben wir genügend Regeln auf dem Markt?“ Weil Grund und Boden begrenzt sind (schließlich soll nicht die komplette Natur bebaut werden), regele der Markt die Preise nicht mehr von allein. „Wir brauchen eigentlich in jeder Stadt ein kommunales Wohnungsunternehmen, was dann als Korrektiv eingreift“, so Groß: „Wir können politisch entscheiden, wie ein Mietpreis aussehen soll. Wofür wollen wir wo bauen? Das ist, glaube ich, eine wichtige kommunale Aufgabe.“

„Wir versuchen jetzt, städtische Flächen für bezahlbaren Wohnungsbau anzubieten“, sagt Stadtsprecher Bockey: „Aber wir wollen vor allem vom Regionalverband Ruhr mehr mögliche Baugebiete im neuen Flächennutzungsplan ausgewiesen bekommen.“

Haltern-Mitte: Fast perfekt, wenn man erwachsen ist und keine Wohnung sucht

Knapp 20.000 Menschen leben in Haltern-Mitte. © Verena Hasken

Was die schlechte Bewertung des Jugendangebots angeht, ist eine Analyse komplexer. Der Großteil der Teilnehmer unserer Umfrage ist erwachsen und spricht nur mit einer externen Sicht über die Jugendlichen. Eine moderne Bar oder ein Club ab 16 Jahren fehle in Haltern, schreiben einige.

In der klassischen Jugendarbeit beobachtet Karolin Wengerek von der Evangelischen Kirche: „Es gibt hier nicht viele Jugendliche, die Langeweile haben.“ Wenn sie mit ihrem Team Angebote für ältere Kids schaffe, sei die Nachfrage häufig gering. Manche Eltern seien zwar besorgt, bei den Jugendlichen gebe es aber häufig auch wenig Begeisterung für institutionelle Angebote. Die, die sich engagieren wollen, seien zum Beispiel durchaus als Helfer für kleinere Kinder in der Gemeinde aktiv.

Über unser Instagram-Profil haben wir die Halterner Jugendlichen selbst gefragt, was ihnen in der Stadt fehlt. Immer wieder fallen in den Antworten die Stichworte Skatepark und Kino. Eine Initiative für einen Skatepark ist vor fünf Jahren nach ersten Bemühungen irgendwann einfach nicht weiter verfolgt worden. Mit einem Kino sind viele Erwachsene in einer Großstadt wie Münster oder Recklinghausen zufrieden, sie möchten Haltern bewusst beschaulich halten. Die weniger mobilen Jugendlichen hätten Haltern gern urbaner, wenn sie später nicht wegziehen sollen. Die perfekte Lösung liegt wohl als Kompromiss irgendwo in der Mitte.

Historie

Das Römermuseum zeugt von einer langen Geschichte

Zu Zeiten des römischen Kaisers Augustus um Christi Geburt war Haltern ein wichtiger Militärstützpunkt. Seit der Eröffnung 1993 sind rund 1,3 Millionen Besucher ins Römermuseum an der Weseler Straße gekommen. 1289 erhielt das damalige „Halteren“ Stadtrechte, 1502 wurde der heute noch erhaltene Siebenteufelsturm gebaut. Erst seit Dezember 2001 trägt die Stadt offiziell den Namen „Haltern am See“.
Haltern-Mitte: Fast perfekt, wenn man erwachsen ist und keine Wohnung sucht

So sah „Halteren“ mit seiner Stadtmauer aus. © Archiv Ulrich Backmann

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