Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Polizei warnt vor wahlloser Phantombild-Verbreitung im Internet

hzMutmaßliche Vergewaltigung

Die Polizei hat das Phantombild eines mutmaßlichen Vergewaltigers veröffentlicht. Social-Media-Nutzer sollten überlegen, welche Beiträge sie weiterverbreiten und wie sie sich dazu äußern.

Haltern

, 16.02.2019 / Lesedauer: 3 min

Die Polizei hat am Mittwoch das Phantombild eines mutmaßlichen Sexualstraftäters veröffentlicht. Im Oktober soll der unbekannte Mann eine 50-jährige Halternerin am Forellenweg in der Siedlung Overrath vergewaltigt haben. Der Fall war bislang noch gar nicht öffentlich bekannt.

Auf Anfrage bestätigt Andreas Wilming-Weber, Leiter der Polizei-Pressestelle, dass es in den Tagen nach der Tat keine öffentliche Mitteilung zu der Anzeige gab. Die Ermittlungen hätten länger angedauert, aus „ermittlungstaktischen Gründen“ habe die Staatsanwaltschaft erst jetzt entschieden, an die Öffentlichkeit zu gehen.

Öffentlichkeitsfahndung dient als letztes Mittel

Einige Bürger wundern sich, warum Phantombilder häufig erst lange nach einer Tat veröffentlicht werden. Die Polizei ist bei der Öffentlichkeitsfahndung an die Strafprozessordnung gebunden, konkret an den Paragrafen 131. „Die Öffentlichkeitsfahndung dient immer nur als letztes Mittel, um Täter zu ermitteln“, heißt es. Zunächst müssten alle Ermittlungsansätze abgeklärt und abgearbeitet sein.

Erst dann gebe es die Möglichkeit, Lichtbilder im Internet oder der Zeitung zu veröffentlichen. Die Polizei muss zunächst einen Ermittlungsbericht an die Staatsanwaltschaft übermitteln. Anschließend prüft diese noch einmal und stellt dann einen Antrag. Erst ein richterlicher Beschluss ermöglicht in letzter Instanz die Freigabe von Fotos. Anders war das zum Beispiel nach einer Brandstiftung vom 27. Oktober. Nur eine Woche später wurde damals ein Foto aus einer Überwachungskamera veröffentlicht, um den Täter zu finden.

Polizei warnt vor Hetze im Internet und wahlloser Veröffentlichung

Unsere Redaktion veröffentlicht Fahndungsfotos (genau wie die Polizei) nie direkt über soziale Netzwerke wie Facebook, sondern verbreitet dort nur Links zu Artikeln mit dem Bild darin. „Das Problem bei Facebook ist, dass man keine Kontrolle über die Bilder hat, wenn sie einmal verbreitet sind“, erklärt Polizeisprecher Michael Franz. Ist eine Fahndung beendet, löscht die Polizei das Foto von ihrer Seite und bittet auch alle Medien darum. Diese Löschung kann bei Facebook nicht gewährleistet werden. „Mutmaßliche Straftäter haben auch Persönlichkeitsrechte“, so Franz: „Und den Schutz dieser Rechte kann man über Facebook nicht garantieren.“

Daher appelliert die Polizei auch an die Bürger: „Es ist viel wichtiger, den Link auf unsere Pressemitteilung oder einen Artikel zu verbreiten anstelle der Bilddatei.“ Michael Franz warnt außerdem vor Hetze im Internet: „Wenn wir ein Foto veröffentlichen, wollen wir erst mal ermitteln, wer der Abgebildete ist, um unsere Ermittlungen weiterzuführen.“ Dabei könne es be-, aber auch entlastende Erkenntnisse geben. Bis zu einem möglichen Prozess gelte die Unschuldsvermutung.

Hier lesen Sie alle Infos zum aktuellen Fall:

Lesen Sie jetzt