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Sensible Dokumente gestohlen: Pfarrer bat den Bischof um seine Abberufung

hz"Pfarrhaus-Bande"

Im Prozess um die Serie von Einbrüchen in Pfarrhäuser in Haltern, Castrop-Rauxel, Dortmund und Umgebung hat ein erster Pfarrer ausgesagt. Der Geistliche hatte riesige Sorge wegen der Beute.

Bochum/Haltern/Castrop-Rauxel/Dortmund

, 08.03.2019 / Lesedauer: 3 min

Mit der Vernehmung eines betroffenen Pfarrers ist der Prozess gegen drei mutmaßliche Mitglieder der sogenannten "Pfarrhaus-Bande" fortgesetzt worden. Weil bei dem Einbruch vom 28. April 2018 unter anderem mehrere, in einem Tresor deponierte USB-Sticks mit Dokumenten des bischöflichen Diözesangericht weggekommen waren, hatte der völlig verzweifelte Geistliche sogar Kontakt zum Bischof aufgenommen.

"Ich hatte große Sorge"

„Ich hatte große Sorge wegen der Dokumente auf den Sticks und deswegen auch sofort dem Bischof mein Amt zur Verfügung gestellt“, sagte der Pfarrer der St. Hubertus Gemeinde in Heinsberg am Freitag am Bochumer Landgericht. Der Bischof habe ihn dann aber schnell beruhigt. „Er hat gesagt, dass ich nichts dazu kann und doch alles gesichert hatte.“

Bei dem Einbruch waren die Täter damals in Büro und Wohnung des Geistlichen eingestiegen, hatten sämtliche Räume durchwühlt und einen Tresor (40x40x20 Zentimeter) komplett mitgehen lassen. Laut Pfarrer waren darin neben zwei Sparbüchern und Überweisungsvordrucken eben auch „etwa zehn“ USB-Sticks, unter anderem mit Dokumenten des kirchlichen Gerichts. Außerdem sollen mehrere Briefumschläge mit kleineren Euro-Beträgen für einen bevorstehenden Tagesausflug der Gemeinde gestohlen worden sein.

Große Erleichterung

Fakt ist: Im Anschluss an die Festnahme der beiden männlichen Angeklagten waren in einer Wohnung und einem Auto mehrere USB-Sticks sichergestellt worden. Unter anderem derjenige mit einer Gehaltsbescheinigung des Geistlichen, insbesondere aber auch derjenige mit den wichtigen Dokumenten, die der Pfarrer aus Heinsberg in seiner Eigenschaft als Diözesanrichter angefertigt hatte. Der erleichterte Pfarrer bekam am Freitag den Datenträger noch im Gerichtssaal wieder ausgehändigt.

Den zwei Männern und einer Frau werden insgesamt 32 Einbrüche und Raubüberfälle zur Last gelegt.

In Haltern sollen sie am 4. Februar 2018 bei einem Coup im Pfarrhaus von St. Sixtus den dort anwesenden Pater James brutal attackiert, mit Kabeln gefesselt und im Heizungskeller eingesperrt haben. Mit einer Beute von 330 Euro Bargeld und weiteren ausländischen Devisen soll das angeklagte Trio vom Tatort geflüchtet sein.

Auch in Dortmund war am 29. Juli 2018 ein Geistlicher im Pfarrhaus der Kirchengemeinde St. Urbanus an der Marienstraße tätlich angegriffen worden. Laut Staatsanwaltschaft wurde der dortige Pfarrer umklammert und von den Tätern brutal ins Gesicht geschlagen. Dem Geistlichen war es laut Anklage schließlich gelungen, sich loszureißen und laut um Hilfe rufend aus dem Haus zu rennen. Beute hier: eine Plastiktüte mit der Kollekte in Höhe von 60 Euro.

Zwei Wochen zuvor hatte das Trio laut Staatsanwaltschaft in Castrop-Rauxel im Pfarrhaus der St. Lambertus Gemeinde zugeschlagen und dabei einen kompletten Tresor mit Kirchenbüchern und Schlüsseln aus der Wandverankerung gehebelt. Um den Tresor leichter abtransportieren zu können, sollen die Täter extra noch das Tor zum Garten aufgebrochen haben und mit ihrem Pkw direkt zum Einladen vor das Pfarrhaus gefahren sein.

Kosten für die Neuanschaffung des Tresors, der Kirchenbücher und der Schlüssel: 3.500 Euro.

Gesamtbeute weit über 100.000 Euro

Die Gesamtbeute soll insgesamt weit über 100.000 Euro betragen haben. Die polizeiliche Ermittlungskommision Phoenix war der „Pfarrhaus-Bande“ nach einem Zeugenhinweis auf die Spur gekommen. Nach der Festnahme der drei Angeklagten Mitte August 2018 war bei den Durchsuchungen ihrer Wohnungen in Gelsenkirchen mögliches Diebesgut, unter anderem Uhren und Schmuck mit christlichen Symbolen entdeckt worden. Im Prozess schweigen alle drei Angeklagten.

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