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Wie eine Halternerin auszog, um die Welt zu entdecken

hz24.095 Kilometer Weltreise

Vivi Klapheck, Leiterin der Katharina-von-Bora-Schule, nahm sich eine Auszeit und zog in die Welt hinaus. „Ich habe nichts gesucht, aber so viel gefunden“, sagt sie nach ihrer Rückkehr.

Haltern

, 09.08.2018 / Lesedauer: 4 min

Nach 29 intensiven Familien- und Berufsjahren erfüllte sich Vivi Klapheck einen Traum: Die Schulleiterin hatte sich ein Sabbatjahr angespart und ging auf Reisen. Aus den geplanten zwölf Monaten wurden verkürzte sechs. Das hatte einen besonderen Grund. Gerade waren „ihre“ Martin-Luther-Schule und die Eichendorffschule zur Katharina-von-Bora-Schule verschmolzen. Zwar gestaltete sich das zunächst komfortabel, weil die Schule mit Vivi Klapheck und Annette Jung zwei Schulleiterinnen hatte. Doch, weil Annette Jung Anfang 2018 in den Ruhestand wechselte, musste die Weltreisende ihre Auszeit halbieren.

Trotz dieser Verkürzung war es für Vivi Klapheck eine intensive Phase mit Begegnungen in nahen und fernen Ländern. „Es war die heilsame Zeit für eine Bestandsaufnahme meines Lebens: Was habe ich, was brauche ich, was ist das Besondere“, sagt Vivi Klapheck. Sie wanderte zunächst mit ihrem Mann Dirk Tochtrop durch Lappland, reiste von dort zum Bodensee, flog von Amsterdam in die nepalesische Hauptstadt Kathmandu, nach sieben Wochen Nepal ging es weiter nach Thailand, von dort nach Neuseeland, wo sie ihren Mann traf.

„Ich habe nichts gesucht, aber so viel gefunden“

„Ich habe nichts gesucht, aber so viel gefunden“, zieht sie ein fast poetisches Resümee. Über die Hälfte der Zeit, von August 2017 bis Januar 2018, war sie allein unterwegs, manchmal reiste sie mit ihrem Mann, beim Trekking im Himalaya begleiteten sie Freundinnen. Unterwegs traf sie immer wieder gleichgesinnte Weltenbummler. „Richtig allein war ich nie.“

Am 23. Januar 2018 saß Vivi Klapheck wieder auf ihrem Platz in der Grundschule. Zu Hause sortierte sie ihre Aufzeichnungen und Fotos, gewöhnte sich neu an den deutschen Rhythmus und brauchte ein wenig Zeit, bevor sie von allem erzählen konnte und wollte. Eindrücke, die sie der Halterner Zeitung vermittelte, wird sie auf Einladung der Volkshochschule auch zum Thema eines Vortrages am 20. Januar 2019 im Alten Rathaus machen.

Besonders intensiv war der Aufenthalt in Nepal, ein Land, das Vivi Klapheck von 14 vorherigen Besuchen bestens kennt und wo mittlerweile gute Freunde wohnen. Wie Rhada zum Beispiel. Die Nepalesin hat eine Kooperative gegründet für Frauen mit Verbrennungen und Handicaps.

Klapheck unterstützt Frauenkooperative und Kindergarten

Wer Brandmale hat, wird von der Gesellschaft ausgeschlossen und verachtet. Vivi Klapheck unterstützt die Frauenkooperative und den von ihrer gegründeten Kindergarten mit Spenden aus Haltern. Die Schulleiterin kann sich gut eine Partnerschaft zwischen einer Halterner Kita und der Butterfly-Foundation vorstellen.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Vivi Klapheck auf Weltreise

08.08.2018
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Vivi Klapheck besuchte auch ihre Freundin Rhada und deren Selbsthilfegruppe „Burned & handicaped people“.© Klapheck
Sonnenaufgang an der Pokhara Peace Stupa - ein heiliger Ort in Nepal.© Klapheck
Vivi Klapheck wanderte durch Nepals verstecktes Tal Tsum Valley im abgelegenen Himalaya. In einer Lodge begegnete sie einem Mädchen, das noch nie eine Frau mit blonden Haaren gesehen hatte.© Klapheck
Vivi Klapheck nahm mit Freundinnen am Manaslu-Trekking teil und überquerte mit ihnen den 5160 Meter hohen Larkya-La.© Klapheck
Ein Blick in eine kleine thailändische Garküche.© Klapheck

Die von ihren Familien ausgestoßenen Frauen haben sie mitgenommen in ihre Ein-Raum-Wellblech-Hütten. „Ich habe selten so zufriedene, fröhliche und dankbare Menschen erlebt“, Vivi Klapheck war tief beeindruckt. „Wenn Europäer sie wahrnehmen und sich ihrer annehmen, fühlen sie sich besonders wertgeschätzt“, sagt Vivi Klapheck.

In Kathmandu wurde bei ihrer Ankunft gerade das Dashain-Fest gefeiert, mit zehn Tagen das längste hinduistische Familienfest Nepals. Die Halternerin hat mitgefeiert und ist dann auf eine große Trekking-Tour durch den Himalaya gegangen.

Das sei anstrengend und kalt gewesen, „am Ende auf über 5000 Metern Höhe haben meine Freundinnen und ich uns in den Armen gelegen. Wir konnten nach den Strapazen das Glück kaum fassen.“ Wie eine Wanderung durch das Mittelalter sei ihr diese dreiwöchige Tour vorgekommen. Nach 15 Tagen konnte sie zum ersten Mal wieder heiß duschen: „So schön!“

Von Thailand nach Neuseeland

Dann Thailand: Die Menschen seien so unkompliziert; Thailand sei – abgesehen vom Sex-Tourismus – ein schönes, entspanntes Land. Das Alltagsleben allerdings sei von strengen Ritualen geprägt.

Als sauberste Fleckchen empfand die Weltreisende Neuseeland: „Ich habe noch nie ein so adrettes Land gesehen. Jeder achtet auf Müll und schätzt die Natur.“

Vivi Klapheck findet, der Abstand vom Alltag habe ihr gut getan. Nicht eine Sekunde habe sie auf ihren Touren Angst gehabt, nie sei sie betrogen oder bestohlen worden. Für das Alleinreisen findet sie ein schönes Bild: „Es ist, als wenn du das erste Mal erfolgreich vom Fünf-Meter-Brett springst. Du springst immer wieder.“

Vivi Klapheck hat während der ganzen Monate minimalistisch gelebt. 23 Kilogramm Gepäck maximal und „Mathilda“ mit den wichtigsten Papieren und der Haltern-Fahne immer auf dem Rücken. „Ich war geborgen in der Welt, getragen von meinem Gefühl, in Haltern eine Heimat zu haben.“ Am Ende hat Vivi Klapheck sich unheimlich auf daheim gefreut. Das Nachhause-Kommen gehörte während des Sabbats eben auch zu ihrem Glück.

Sparen für ein Innehalten
  • Landesbeamte in NRW können bei reduziertem Einkommen Zeit „ansparen“, um danach bei reduzierten Bezügen bis zu einem Jahr aus dem Job auszusteigen.
  • Schulleiter können nur ein Sabbatjahr einlegen, wenn für Vertretung gesorgt ist.
  • Der Wortursprung aus dem Hebräischen šabat bedeutet innehalten.
  • Auf dem Berg Sinai hatte Gott den Israeliten empfohlen, alle sieben Jahre weder die Felder zu bepflanzen noch die Weinreben zu beschneiden. Das 6. Jahr werde so viel Ertrag bringen, dass sie trotzdem genug zu essen hätten.
  • Im neuzeitlichen Sinn bezeichnet Sabbatjahr eine Auszeit vom Job.
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