Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Katharinenhöfe, Offene Ganztagsschulen, Seestern oder „See schlägt Wellen“ - die Stadt will in diesem Jahr eine Reihe von Bauvorhaben voranbringen. Dazu ein aktueller Überblick.

Haltern

, 12.02.2019 / Lesedauer: 7 min

Familie Hagedorn/Schulte kann 2019 starten: nach gut fünfjährigem Verfahren ist die Außenbereichssatzung fertig und damit die Grundlage für mögliche neue Bauvorhaben gelegt. Dazu wurde mit dem Hof Hagedorn und der Stadt Haltern verbindlich ein städtebaulicher Vertrag über die konkrete Vorgehensweise geschlossen. Elke Schulte betont: „Um die wirtschaftliche Existenz des Hofes auch langfristig für die Folgegenerationen zu sichern, müssen nicht nur Betriebsabläufe optimiert werden, sondern auch verbesserte infrastrukturelle Maßnahmen erfolgen.“ Zunächst sei es wichtig, den Kunden eine geordnete Parkplatzsituation zu bieten. Deshalb werde in einem der ersten Schritte der fachgerechte Ausbau des bestehenden Parkplatzes Vorrang haben. Darüber hinaus sei die Schaffung neuen Wohnraumes in unmittelbarer Nähe zum Hof für den zukünftigen Betriebsleiter Benedikt Schulte und seiner Familie notwendig. Für die langfristige Bestandssicherung des Hofes mit 40 Festangestellten und über 70 Aushilfen, der aktuell in der dritten Generation geführt wird - die vierte wächst gerade heran- sei die Verabschiedung der Satzung, so Elke Schulte, ein wichtiger Schritt nach vorne. Die baulichen Planungen sind auf die nächsten 20 Jahre angelegt.

Wohnungen, Straßen, Kita-Plätze – an diesen Stellen in Haltern am See wird 2019 gebaut

Familie Hagedorn/Schulte mit (v.l.) Wilhelm Schulte, Heinz Schulte, Pauline Schulte, Noel Schulte, Benedikt Schulte, Luisa Schulte, Elke Schulte, Luise Hagedorn und Heinz Hagedorn will den Hof Hagedorn für die Zukunft aufstellen. © Jürgen Wolter

Heimat-Rückkehrer

Das Verfahren stand auf der Prioritätenliste der Bauverwaltung. Diese Liste legt zu Anfang eines jeden Jahres fest, welche Bauvorhaben in den folgenden zwölf Monaten vorrangig bearbeitet werden. Im Gespräch mit der Halterner Zeitung erläuterte Bürgermeister Bodo Klimpel die Aufgaben des Jahres 2019, gleichzeitig kritisierte er scharf die Vorgaben im Entwurf des neuen Regionalplanes. Dieser ermittelte für Haltern einen Bedarf an zusätzlichen 459 Wohneinheiten bis 2034. Das spiegelt nach Ansicht von Bodo Klimpel die Realität aber nicht wider. „Uns erreichen ja nicht nur Anfragen von außerhalb, in Haltern steigt die Geburtenrate und zunehmend mehr junge Erwachsene möchten als Heimat-Rückkehrer wieder dauerhaft nach Haltern zurückziehen.“ Er bezweifele, dass im Stadtgebiet die ermittelten Siedlungsbedarfe ausreichen und erhofft sich daher eine Nachsteuerung.

Was wird in diesem Jahr auf den Weg gebracht oder konkret angepackt? Dazu ein Überblick.

Ausbau der Offenen Ganztagsschule

Die Offenen Ganztagsschulen in der Marienschule und der Katharina-von-Bora-Schule platzen aus allen Nähten. Deshalb investiert die Stadt in diesem Jahr in die Erweiterung der Räume. In der Katharina-von-Bora-Schule an der alten Ringstraße wird eine neue Küche eingerichtet. Zurzeit seien die Mitarbeiter kaum in der Lage, die große Nachfrage nach Mittagessen zu bedienen. 143 Schüler besuchen derzeit die OGS an der Katharina-von-Bora-Schule. Gegessen wird inzwischen in Etappen. Die Stadt sieht diese Not. So wird nun zwischen Turnhalle und Bolzplatz ein 248 Quadratmeter großes Haus angebaut. Hier werden eine multifunktionelle Mensa, Küche und Wirtschaftsräume untergebracht. Die Kosten belaufen sich auf rund 854.000 Euro.

An der Marienschule dockt die Stadt ein 225 Quadratmeter großes Gebäude an den Verwaltungstrakt an. Im Innern entstehen zwei neue Unterrichtsräume und ein Differenzierungsraum. Diese Erweiterung kostet rund 642.000 Euro. Derzeit ist es nach Auskunft des städtischen Schulamtes nicht möglich, allen Eltern einen OGS-Platz anzubieten. 89 Plätze sind belegt, 25 Grundschüler stehen auf der Warteliste. Die Stadt greift bei der Finanzierung auf Fördermittel des Landes zurück.

Neuer Kindergarten

Die Fertigstellung des städtischen Kindergartens an der Lohausstraße ist für Mai anvisiert. Eltern von 85 Kindern warten sehnlichst auf die Eröffnung. Hier laufen nach einem Wechsel des Bauleiters die Arbeiten wieder reibungslos. „Ich bin vorsichtig optimistisch, dass wir den Termin einhalten können“, erklärte Bürgermeister Bodo Klimpel.

Wohnungen, Straßen, Kita-Plätze – an diesen Stellen in Haltern am See wird 2019 gebaut

Der neue Kindergarten an der Lohausstraße soll im Mai fertig werden. Eltern warten dringend auf die 80 Betreuungsplätze. © Foto:Elisabeth Schrief

See schlägt Wellen: Das Ende

Der Auftrag zur Vollendung des Projektes „See schlägt Wellen“ ist vergeben, die Baustellenplatz ist inzwischen eingerichtet. Eigentlich sollten die Arbeiten bereits im Oktober 2018 beginnen. Neben dem Radweg, der von der Innenstadt an der Hullerner Straße entlang eine Verbindung zum Stausee schaffen wird, steht vor allem die Umgestaltung der Parkplätze an der Hullerner Straße im Mittelpunkt der Maßnahme. Aus 14 Einfahrten sollen fünf werden, die Parkbuchten werden neu geordnet, die Grünflächen verändert. 350.000 Euro kostet der dritte Abschnitt des Projektes, 80 Prozent der Kosten trägt das Land. Die Stadt rechnet mit einer Fertigstellung im Sommer.

Glasfaserstadt Nummer eins

Vorantreiben will die Stadt den Glasfaserausbau. Von 0 auf 100 innerhalb von fünf Jahren: Haltern am See ist auf dem besten Weg zu einem nahezu flächendeckenden Glasfasernetz. In der Innenstadt werden bis Ende Februar 89 Kilometer an Tiefbauarbeiten geschafft sein. „Wir möchten Glasfaserstadt Nummer eins im Kreis werden“, setzt Bürgermeister Bodo Klimpel eine deutliche Zielmarke.

Verkehrsberuhigung

450.000 Euro kostet der verkehrsberuhigte Ausbau der Borkenbergestraße in Hullern. 30.000 Euro kommen für die Beleuchtung der 280 Meter langen Straße obendrauf. Derzeit arbeitet die Verwaltung an der Ausschreibung. Im April oder Mai sollen die Arbeiten beginnen, vorab wird es eine Bürgerversammlung geben. Alle Eigentümer werden schriftlich dazu eingeladen.

Galen-Park ganz neu

Die Politik wird erste Prioritäten beim Integrierten Stadtentwicklungskonzept (Isek) beschließen. Bürgermeister Bodo Klimpel und die Parteien befürworteten vorab als einen der ersten Schritte eine Neugestaltung des Galen-Parks zwischen Kärntner Platz und neuem Rathaus. Allerdings werde das, so Bürgermeister Klimpel, nicht ohne Zuschüsse des Landes klappen.

Zukunft am Seestern

Sehnsüchtig wird der Abriss des ehemaligen Seesterns am Stauseeufer Hullerner Straße erwartet. Die Abrissgenehmigung ist beantragt. Die Franz-Sales-Stiftung plant dort ein Inklusionshotel, die Eigentümergemeinschaft der Seestern-Ruine in direkter Nachbarschaft Ferienappartements. Ob mit dem Bau 2019 begonnen werden könne, stehe noch nicht fest, sagt Bürgermeister Bodo Klimpel.

Wohnungen, Straßen, Kita-Plätze – an diesen Stellen in Haltern am See wird 2019 gebaut

Auf dem Standort der Seestern-Ruine sollen moderne Ferienwohnungen mit Blick auf den Stausee entstehen. © Visualisierung Architekturbüro Maas

Jetzt lesen

Wohnen am Pastors Kamp

Vorangetrieben wird 2019 das Vorhaben, das 2,6 Hektar große Gebiet Pastors Kamp in Haltern-Mitte zu bebauen. Hier läuft das Planungsverfahren. In diesem „Urbanen Gebiet“ soll ein Nebeneinander von Wohnen und Arbeiten auf engem Raum erlaubt sein. Zwischen Innenstadt und Bahnhof möchten Verwaltung und Politik in naher Zukunft bezahlbaren Wohnraum für mittlere oder geringere Einkommen anbieten können. Halterns Grundstückspreise sind nach Auskunft der städtischen Verwaltung die zweithöchsten im Regierungsbezirk Münster.

Häuser an der Lehmkuhle

Ein privater Investor plant für die Lehmkuhle an der Ecke Breitenweg/Prozessionsweg ein kleines Baugebiet mit etwa 20 Einfamilienhäusern, Doppelhäusern und Wohngruppen (das sind mindestens drei Häuser nebeneinander ohne Grenzabstand). Die öffentliche Auslegung wird in der Verwaltung vorbereitet und muss von der Politik beschlossen werden.

Nachverdichtung

Im Rahmen der Nachverdichtung baut das Unternehmen Haverkamp in Gärten an der Straße Auf der Heide fünf Einzel- oder Doppelhäuser mit maximal zwei Vollgeschossen und abgestuften Flachdächern.

Häuser am Kanal

Im Herbst möchte Investor Michael Hiesgen sein Bauvorhaben auf dem ehemaligen Dickerhoff-Gelände beginnen. Doch von seinen Planungen, 112 Wohnungen und Gewerbeeinheiten zu errichten, muss er nach Einwendungen von Anwohnern abrücken. Die Pläne werden derzeit überarbeitet. In dem neuen Quartier entsteht laut Michael Hiesgen kein sozial geförderter Wohnungsbau, sondern bezahlbarer sowie Wohnraum mit hochwertigem Standard in unterschiedlichen Größen. Eventuell wird eine Kita in die Planungen einbezogen. Investor Hiesgen hofft auf einen Baustart im kommenden Jahr, ein Abriss des Altbestandes soll nach Möglichkeit in diesem Jahr erfolgen.

Jetzt lesen

Hamm-Bossendorf mit direkter Anbindung an die Innenstadt gilt neben Haltern-Mitte und Sythen (inklusive Lehmbraken) als Siedlungsschwerpunkt. Hier sollen maßvoll Wohnbauflächen entwickelt werden. Der alte Gebietsentwicklungsplan sah das vor, der neue Regionalplan schließt aber Hamm-Bossendorf und Lehmbraken aus. Hier müsse nachgebessert werden, findet Bürgermeister Klimpel.

Wohnungen, Straßen, Kita-Plätze – an diesen Stellen in Haltern am See wird 2019 gebaut

Sie stellten 2018 im Rathaus die Pläne für die Katharinenhöfe in Hamm-Bossendorf auf dem ehemaligen Dickerhoff-Gelände vor: Investor Michael Hiesgen, Bauunternehmer Johannes Stock, Stadtplaner Martin Rogge und Baudezernentin Anette Brachthäuser (jetzt Baudirektorin des Bistums Münster). © Foto:Elisabeth Schrief

Drei Projekte in Lippramsdorf

In Lippramsdorf ist Bebauung an drei Stellen geplant. Auf dem Hof Brosthaus an der Dorstener Straße verteilen sich auf 4000 Quadratmetern künftig acht bis zehn zweigeschossige Häuser. Baustart soll nach Auskunft von Bauunternehmer Mertmann Ende 2019 sein. Der landwirtschaftliche Betrieb wird zur Erzbischof-Buddenbrock-Straße ausgelagert, die Bauarbeiten haben begonnen. An der St. Florian-Straße und Birkenallee, im neuen Gebiet Stigthaube, entstehen zwecks Abrundung des Dorfkernes auf privatem Grund 15 Einzelhäuser mit maximal zwei Vollgeschossen. Junge Familien warten auf den Startschuss, er soll Ende 2019 fallen.

An der Lambertusschule soll in zweiter Reihe auf 1,7 Hektar privatem Grund gebaut werden. Das Verfahren läuft, doch ist ein Baustart hier noch nicht zu terminieren. Die Grünen und Johannes Föcker von der Wählergemeinschaft stimmten gegen eine Bebauung. Dieser reizvolle freie Landschaftsraum mit hoher ökologischer Wertigkeit solle in dieser Form erhalten bleiben. Der früher noch weitgehend dörflich geprägte Bereich des Lippramsdorfer Ortskerns sei bereits durch die Bebauung Kemna und

wird weiterhin durch die anstehende Bebauung Brosthaus unvorteilhaft verändert.

Bauen für den Eigenbedarf

In Lavesum wird die Bauerschaft Lochtrup seitlich der Rekener Straße nachverdichtet, aber mit Augenmaß. Bauen können nur gegenwärtige Eigentümer beziehungsweise deren Familienangehörige. Wer hier baut, muss mit einem erhöhten Untersuchungsaufwand rechnen, um sein Bauvorhaben rechtfertigen und realisieren zu können. Gebäude dürfen ausschließlich für den Eigenbedarf des bisherigen Eigentümers oder seiner Familie genutzt werden. Das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen.

Hovenjürgen wirbt für Anliegen

Auch die Diskussionen um den Regionalplan-Entwurf sind nicht abgeschlossen. „Die lokale Stellungnahme aus Haltern wird, vorbehaltlich der Zustimmung des Rates, in den nächsten Wochen an den RVR gerichtet und fließt in die dortigen Beratungen von Verwaltung und Politik mit ein. Der Prozess ist also noch lange nicht zu Ende“, sagt Josef Hovenjürgen, CDU-Generalsekretär und Vorsitzender der RVR-Verbandsversammlung Was letztlich in das Endergebnis Einzug halte, sei von der Mehrheit im RVR abhängig und könne jetzt noch nicht belastbar gesagt werden. Josef Hovenjürgen verspricht: „Ich werde in jedem Fall mit den Mitstreitern aus dem Kreis intensiv insbesondere für den Entwicklungsmehrbedarf werben.“ Haltern am See brauche auch künftig ausreichend Wohnbau- und Gewerbeflächen, um zukunftsfähig zu bleiben.

Preise sind überzogen

Wenn die politischen Gremien wie der Stadtentwicklungsausschuss am 14. Februar über den Entwurf des Regionalplanes debattieren, werden sie auf jeden Fall den Druck erhöhen. Mit den nicht nachvollziehbaren Einschränkungen zur Flächenausweisung sind weder Bürgermeister Klimpel noch die Parteien einverstanden. Schon jetzt seien die Baulandpreise völlig überzogen, sagt Bürgermeister Klimpel. „In aktuellen Immobilienanzeigen werden bis zu 5000 Euro Provision von privat bei Vermittlung eines Baugrundstücks geboten“, verdeutlichte Klimpel die Brisanz gegenüber dem Regionalverband Ruhr.

Auch Landrat Cay Süberkrüb erkennt in einer restriktiven Siedlungsentwicklung eine Gefahr. Um überdurchschnittlichen Bevölkerungsverlusten und einer überdurchschnittlichen Alterungsdynamik entgegenzuwirken, sieht er nur eine Lösung: „Es ist für unsere Städte des Kreises von besonderer Bedeutung, jungen Menschen Angebote zu unterbreiten, damit sie nicht abwandern, sondern ihren Lebensmittelpunkt weiterhin im Ort aufbauen.“ Ziele, die über 2019 hinausgehen.

Lesen Sie jetzt