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Auch Meister zeichnen vor

KÖLN Van Goghs berühmte "Zugbrücke" wirkt auf den ersten Blick spontan gemalt. Aber in der Ausstellung "Impressionismus - Wie das Licht auf die Leinwand kam" enthüllt das Wallraf-Richartz-Museum durch ein Röntgenbild, dass der Niederländer sein Bild penibel genau vorbereitet hat.

von Von Bernd Aulich

, 28.02.2008
Auch Meister zeichnen vor

Gewagte Nass-in-Nass-Technik: Manets berühmtes "Spargelbündel".

Er benutzte einen Perspektivrahmen und zeichnete zuerst mit dem Bleistift und dann mit Tusche vor. Ganz anders Manet in seinem "Spargelbündel". So akkurat gemalt dieses Stillleben anmutet - der Franzose hat es mit einer gewagten Nass-in-Nass-Technik in einem Zuge geschaffen.

Mit solch verblüffenden Einblicken warten die drei Restauratorinnen des Kölner Museums in einer didaktisch exzellent aufbereiteten Ausstellung auf, die nicht nur sinnlichen Genuss bietet, sondern auch die Mutmaßung widerlegt, dass zum Impressionismus schon alles gesagt sei. Vor sechs Jahren haben sie zusammen mit einem Stab von Experten begonnen, über 70 Bildern des Wallraf-Richartz-Museums mit detektivischem Spürsinn auf den Grund zu gehen. Geröntgt oder mit Ultraviolett- und Infrarot-Licht durchleuchtet, gaben die Gemälde erstaunliche Geheimnisse preis.

Monet verloren - Manet gewonnen

In einem Seestück von Armand Guillaumin entdeckten die Experten zig Sandkörner und in einem Landschaftstableau, das Gustave Caillebotte an einer Pappelallee malte, fanden sie gar eine Pappelknospe - Beweise dafür, dass diese Bilder direkt vor dem Motiv entstanden sind. Die Restauratorinnen enthüllten gar, dass Monets "Seine-Ufer von Port Villez", das der Kaufhof dem Museum 1954 schenkte, gefälscht ist (wir berichteten). Auf die Spur kamen sie der Fälschung durch eine eine nachgezogene Signatur und eine Lasur, die Monet strikt ablehnte. Dem verlorenen Monet steht indes ein vermutlich neu gewonnener Manet gegenüber. Das "Porträt einer jungen Frau" galt bisher als Bild von anonymer Hand. Obwohl es bereits eine Registratur-Nummer des Museums trägt, ist es noch in Privatbesitz. "Wir hätten es gern", gesteht Chef-Restauratorin Iris Schaefer.

Die Impressionisten hätten auf ihren Leinwänden "Fluten von Pistazien-, Vanille- und Johannisbeercrème verteilt", mäkelte 1877 der Pariser Figaro. Die Kölner Ausstellung zeigt, dass sich die Impressionisten nicht nur von der Eigenfarbe ihrer Motive abwandten und neue Reize im Zusammenspiel von Licht und Farbe entdeckten. Sie bewiesen dabei ebenso viel Experimentierlust wie gewissenhafte Akribie.