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Auf den Spuren eines steinzeitlichen Verbrechens

TALHEIM Eigentlich wollte Erhard Schoch in seinem Garten ein Salatbeet tiefer legen, als er 1983 beim Graben einen gleichsam grausigen und spektakulären Fund gemacht hatte.

von Von Nadja Schöler

, 15.02.2008
Auf den Spuren eines steinzeitlichen Verbrechens

Der Schädel einer jungen Frau, die mit einem Schuhleistenkeil getötet worden ist.

Kurz darauf fanden sich in seinem Garten Anthropologen, Archäologen und Gerichtsmediziner zusammen, um sich an die Bergung des einzigartigen Fundes zu machen.

Erhard Schoch war auf ein 7000 Jahre altes Massengrab gestoßen, dem ein Massaker vorausgegangen war. Nur 35 Zentimeter unter seinem Beet lagen die Knochen von 16 Kindern und Jugendlichen und 18 Erwachsenen. In einer Untersuchung haben Wissenschaftler den Tathergang und die Personen rekonstruiert. Ihre Erkenntnisse sind ab dem heutigen Samstag, 16. Februar, in der Ausstellung "Steinzeit-Massaker. Tatort Talheim" im Neanderthal Museum Mettmann zu sehen.

Aus dem Hinterhalt getötet

Der Weg durch die Ausstellung ist wie ein Ermittlungsverfahren eines Kriminalfalles angelegt. Die 2,50 lange und 1,20 breite Grube wurde rekonstruiert, die Techniken der Forscher werden erläutert und mit Modellen veranschaulicht. Die Ausstellung ist thematisch zweigeteilt. Sie geht der Frage nach, was damals genau geschehen ist. Anhand der Verletzungen an den Hinterköpfen der Opfer stellte man fest, dass die 34 Menschen aus dem Hinterhalt getötet wurden, mit Haken erschlagen und durch Pfeilschüsse getötet wurden.

Eine Familienfehde oder Blutrache könnte zu der Tat geführt haben. Die Ausstellung geht aber noch über die sachliche Ebene hinaus. Sie gibt den Toten ein Gesicht. "Viele Annahmen sind nicht belegbar, es bleibt Spekulation von wem und warum die Menschen ermordet worden sind. Aber es geht hier ohnehin darum, den Menschen näher zu kommen", erklärt Dr. Christina Jacob, Leiterin der Archäologie-Abteilung der Heilbronner Museen, von wo die Ausstellung übernommen wurde.

Drei der Opfer zwischen zwei und 60 Jahren sind für die Ausstellung völlig rekonstruiert worden. Schädel, Zähne und Knochen boten Aufschluss über Krankheiten, Größe, Alter und verwandtschaftliche Beziehungen. Obwohl die DNA nicht erhalten blieb, konnte man so feststellen, dass alle 34 Opfer miteinander verwandt waren. 

 Neanderthal Museum: "Steinzeit-Massaker. Tatort Talheim", Talstraße 300, Di.-So. 10 - 18 Uhr, bis 22. Juni.