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Auftakt zum Kulturhauptstadtjahr 2010 mit Polleschs "Ruhrtrilogie"

MÜLHEIM René Polleschs auf drei Jahre angelegter Theaterzyklus "Ruhrtrilogie" ist als eines der ersten Projekte der Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010 mit der Uraufführung im "Tal der fliegenden Messer" am Samstag in Mülheim gestartet - allerdings mit einer Stunde Verspätung, doch das Publikum nahm´s gelassen hin.

von Von Britta Helmbold

, 08.06.2008
Auftakt zum Kulturhauptstadtjahr 2010 mit Polleschs "Ruhrtrilogie"

Das Spiel im engen Garderoben-Wohnwagen wird per Videoprojektion für das Theater-Publikum sichtbar.

 

Für diesen ersten Teil, eine Koproduktion der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz Berlin mit dem Ringlokschuppen Mülheim an der Ruhr und RUHR.2010, hat Bühnenbildner Bert Neumann sein "Rollendes-Road-Schau-Zelt" im Stadthallengarten am Ruhrufer aufgebaut - gegenüber liegt die zukünftige Ruhrpromenade, einem Projekt von "Ruhrbania". Dorthin werden die Protagonisten später per DLRG-Boot fahren, um einen chinesischen Buchmacher umzulegen.

Eingebettet ist Polleschs Thesentheater in eine Geschichte vom Nachtclub-Besitzer Cosmo, der im Casino Geld verzockt hat, und nun jemanden umbringen muss, um seine Schulden los zu werden. Ganz glückt der Coup nicht, denn Cosmo streckt ein Bauchschuss nieder. "Dein Tod ist so langweilig", kommentiert dies Altmeister Volker Spengler polemisch. Denn um Desinteresse am anderen geht es, um fehlende Solidarität - nicht nur bei Firmenpleiten. Es ist zwar immer vom Team die Rede, doch am Ende bleibt nur ein Name übrig, wie die Volksbühnen-Schauspieler mehrmals feststellen. Auch bei ihrer Arbeit steht nur Pollesch auf dem Plakat.

Rollentausch

In bewährter Weise werden Textfragmente wiederholt und die Rollen getauscht. Man ist auf der Suche nach einer neuen Utopie, doch die Gesellschaft der Interesselosigkeit scheint auch keine Lösung. Wann berühren einen die Geschichten der Mitmenschen noch im durchökonomisierten Alltag? Danach suchen die Protagonisten während ihres knapp 90-minütigen Spiels. Besonders deutlich wird dieses Nicht-Zuhören-Wollen im Umkleidewagen. Denn wer immer eine Geschichte erzählen will, wird unterbrochen.

Beobachtet wird das intensive Treiben vom Publikum fast hauptsächlich über Live-Videoprojektionen, die aus den Wohnwagen, dem Auto und dem Außengelände - zwei Schauspieler kühlen sich auch mit einem Sprung in die Ruhr ab - eingespielt werden. Fortgesetzt wird die "Ruhrtrilogie" in Mülheim im Juni 2009 und endet mit Teil 3 im Kulturhauptstadtjahr 2010.