Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Bastian Sick: "Krehaartiv" und selbstverliebt

DORTMUND Es ist schön, dass Bastian Sick so viel Erfolg hat. Dass seine Bücher Bestseller werden, dass es sogar Grammatik-Gesellschaftsspiele gibt, und dass seine Shows ausverkauft sind, so wie jene am Dienstagabend im Dortmunder Konzerthaus.

von Von Katrin Pinetzki

, 13.02.2008
Bastian Sick: "Krehaartiv" und selbstverliebt

Bastian Sick: Sprachunterricht im ausverkauften Dortmunder Konzerthaus.

Es ist schön, weil es zeigt, dass Sprache ernst genommen wird; dass es viele Menschen gibt, die sich noch ärgern können über den falschen Gebrauch des Apostrophs und über Konjunktiv-Bildung aus dem Bauch heraus. Warum aber hinterlässt Bastian Sicks neue Show "Happy Aua", bereits die zweite nach "Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod", dennoch so einen schalen Nachgeschmack?

Eigentlich könnte er viel mehr erreichen

Keine Frage, ein Abend mit Sick ist durchaus unterhaltsam. Natürlich sind der Deutschen grammatische und orthografische Amokläufe, die Sick in einer Diaschau zeigt, höchst komisch. Da werben Floristen mit Blumen, die "des Mutters Herz" erfreuen. Da verkaufen Supermärkte "Ananässer" und "Gümmnastik-Schläppchen". Da halten sich Katzen "am gernsten" draußen auf, Hunde werden "vermiest", und auf einem Spielzeug-Auto findet sich gar die Aufforderung, "deine Landt" sauberzuhalten. Sick wettert gegen "auffe Türen" und "appe Haare", gibt mit einer Handpuppe Kostproben einer vermeintlichen Jugendsprache und beweist mit einer Fotoserie die "Krehaartivität" vieler Friseure beim Benennen ihrer Salons. Das Publikum gluckst und grölt vor Vergnügen über solchen Unterschichten-Sprachdurchfall. Dabei könnte Bastian Sick  viel mehr erreichen. Er könnte demonstrieren, dass Bürokratendeutsch nicht nur in Behörden gepflegt wird, sensibilisieren für Sprach-Klischees, plädieren für stilistische Originalität.

Das erste fehlerfreie Diktat des kleinen Bastian

Das tut er nicht, weil Sick seine amüsanten Lektionen offensichtlich mehr aus Selbst- denn aus Sprachverliebtheit gibt. Sein Publikum darf das erste (natürlich fehlerfreie) Diktat des kleinen Bastian bestaunen; sieht, wo er im Kirchenchor sang und hört staunend die Geschichte seines Aufstiegs im Spiegel-Verlag. Zu lernen gibt es ansonsten vor allem an Lifestyle-Wissen. Dass "Scampi" schon Plural ist, und dass Gnocchi nicht "Gnotschi" ausgesprochen werden, erfährt man. Es dürfte ein wenig mehr sein.